Christliche Kirchen und Wellness

Die Kirchen sind leer, und die Wellness-Tempel voll. Wenn man die Sache anders strukturieren würde, wären irgendwann einmal die Wellness-Tempel leer und die Kirchen voll. Was müsste passieren, damit es so weit kommt?

Dazu müssen wir zuerst einmal zurück in die Vergangenheit gehen. Dabei stellen wir fest, dass die Kirche früher ein Wellness-Tempel war, bevor es Wellness-Tempel gab. Der Glaube spielt beim Praktizieren der Messe ja nicht die zentrale Rolle. Die Messe ist eine Feier, die das Gemüt heben und heilen soll. Je älter der dabei zelebrierte Kult, desto offenbarer ist diese Tatsache. Aber auch der Glaube selbst hat eine starke Verbindung zur Wellness.

Wörtlich übersetzt heißt Wellness so etwas wie Gesundheit und Wohlbehagen zusammen. Dies hervor zu bringen war auch früher Sinn und Zweck des Glaubens, der ja nur bei sehr wenigen Menschen Sache eines Einzelnen ist. Freilich wird es immer Einsiedler geben, die den Glauben als Wellness for one ausüben. Die meisten aber brauchen dafür ein Gegenüber, das in die Geheimnisse der Wellness eingeweiht ist.

In der Kirche ist es der Priester, und im Wellness-Tempel eine meist weibliche Person, so etwas wie eine Amme oder Pflegehilfe mit speziellen spirituellen Kenntnissen. Je tief greifender ihre Ausbildung ist – beispielsweise unterscheidet man da unter Reiki-Meistern auch noch einmal verschiedene Abstufungen, die an die Unterschiede zwischen Bischöfen, Erzbischöfen oder Kardinälen erinnern – desto besser vermögen sie die Rolle einer Priesterin einzunehmen. Auch die Weihe einer gründlichen Ausbildung ist nötig, denn ohne Zertifikat läuft im Wellnessbereich nichts.

Früher waren die Riten der Kirche eng angelehnt an Wellness-Handlungen, wie wir sie heute eher aus dem asiatischen Raum kennen. Besonders ins Auge stechen hier die Kirchenglocken, die auch gezielt während der Messe eingesetzt wurden, um die Empfindungen der Gemeinde anzufachen. Mit der Klangschalentherapie von heute wird dasselbe versucht. Es ist eine Form der Musiktherapie in Kombination mit physisch wahrnehmbaren Vibrationen. Das Gewebe wird von Schwingungen massiert wie man das sonst eben nur aus der Kirche zu Ostern kennt, wenn der ganze Innenraum von wuchtigen Klängen erschüttert wird. Wer in alten Anweisungen liest, wie genau die einzelnen Glocken für die einzelnen Messen ausgesucht wurden und wie beispielsweise zwischen dem obertonreichen Durton einer „weiblichen“ und dem das Mojo des Mannes anfachenden C-Moll-Ton einer „männlichen“ Glocke unterschieden wurde, weiß, dass diese Behauptungen nicht aus der Luft gegriffen sind.

Das Verströmen von Weihrauch, dem wichtigsten Schmerzmittel der Antike, hatte sowohl in den Kulttempeln des Altertums wie auch in den medizinischen Badeanstalten Bedeutung. Weihrauch ruft in höheren Konzentrationen Kreislaufreaktionen, Schwindel, Euphorie hervor, wie manche empfindsame Kirchgänger wissen. Auch hier ist der gezielte Einsatz von Weihrauch plus Glockenschlag bei Hochfesten eine medizinische Anwendung der katholischen Kirche, mit der ein Hochgefühl, nämlich Wellness, vermittelt werden soll.

Leider sind dergleichen Maßnahmen etwas veraltet und werden von der Mehrzahl der Menschen nicht mehr angenommen. Dass in christlichen Messen besonders die Berührung mit Händen vermisst wird, die die Basis der meisten Wellness-Anwendungen bildet, wurde schon vor Jahren wahrgenommen und mit dem Versuch beantwortet, sich im Rahmen der Wandlung gegenseitig die Hände zu reichen. Dieser Bereich müsste, um die Kirchen zu füllen, sicherlich ausgebaut werden. Manche tun das mit Erfolg. Pfiffige Priester verschiedenster Konfessionen bauen mitunter so etwas wie einen Karnevalszug in ihre Messe ein, eine Polonaise, bei der Gläubige ihre Hände auf die Schultern des Vordermanns legen und so was wie massierende Bewegungen machen. Diese Kirchen sind voller als Kirchen, bei denen man im kühlen Ton „Der Herr sei mit Dir“ sagt.

Wie könnte Wellness in einem reformierten Gottesdienst aussehen? Eine wichtige Veränderung wäre die Ausstattung. Steinerne Höhlen, in denen einem aufgrund der kalten Temperaturen das Herz gefriert, gehören abgeschafft. Holzbänke, deren Lehnen nur dazu da sind, durch scharfe Kanten jeder Form von Einnicken vorzubeugen, müssen Stühlen oder Sesseln Platz machen, in denen man die Augen schließen darf oder sogar soll. Eine Orgelmusik mit uralten Hymnen muss einer eingängigen, als belebend empfundenen Musik Platz machen, wenn nötig, von der Konserve.

Die Farben und Formen, die man in einem Kirchenraum findet, müssten vom Gold und den alten erdfarbenen Anstrichen weg hin zu lebensbejahenden, aufmunternden Flächen. Das Zeichen des Kreuzes mit einer Männergestalt, die gefoltert wird, ist keine Wellness, hebt nicht den Geist oder das Herz, sondern stammt aus einer Zeit der Not, in der man mit der Veranschaulichung, was Christus und Christen von ihren Feinden angetan wurden, noch emotionale Punkte machen konnte. Heute wendet man sich davon mit Grausen.

Eigentlich ist die Sache recht einfach. Man möge einfach die Handlungen, die heute in Wellness-Tempeln Zulauf erzeugen, kopieren und mit christlichen Ideen füllen. Ich wette, die Kirchen wären von einem Tag zum anderen wieder so voll, dass man Eintritt verlangen und Platzkarten vergeben müsste.

Sterilisierung – Quell ewiger Jugend?

Vor kurzem sah ich einen guten Bekannten im Supermarkt. Wer ihn nicht kennt, hätte ihn für einen Mann Ende Dreißig gehalten. Tatsächlich ist er über fünfzig Jahre alt. Er macht Sport – aber wer kriegt schon vom Joggen ein so glattes, jugendliches Gesicht? Er hat eine gute Figur – aber wer kann schon in diesem guten Mannesalter sagen, er hätte einen Waschbrettbauch?

Vor gut zehn Jahren hat sich dieser Bekannter auf Wunsch seiner Frau – sie führen eine gute Ehe und haben mehrere Kinder – sterilisieren lassen. Naturheilkundlich gesehen heißt das, dass man dadurch, dass man keine Spermien mehr ausstoßen kann, seine Lebenskraft zurück hält und damit für sich konserviert. Wer sich schon einmal mit Tantra beschäftigt hat, weiß, wie wichtig es in manchen Bereichen Männern für Männer ist, während des Geschlechtsverkehrs die Ejakulation zurück zu halten. Einen Orgasmus zu bekommen ist gut. Doch dieser soll so ablaufen, dass dabei kein schwächender Flüssigkeitsverlust stattfindet.

Auch in der traditionellen europäischen Medizin findet sich die Anschauung, dass man durch Säfteverlust geschwächt werden kann. Das ist besonders dann der Fall, wenn Blut verloren geht. Aber wir wissen auch, dass ein verdorbener Magen mit Durchfall ganz schön auf den Kreislauf gehen und ein Gefühl der Mattigkeit hervorrufen kann. Fremd ist uns der Gedanke, dass Samenverlust während der Liebe etwas von der Lebenskraft weg nimmt und den Alterungsprozess fördert.

Sicherlich ist es gut, eine erfüllte Sexualität zu leben, und das bis ins hohe Alter.  Dadurch kommt der Hormonhaushalt in Schwung, und durchsaftet die Gewebe, was jedenfalls einen jugendlichen Eindruck macht. Könnte es aber sein, dass eine chirurgischen Sterilisierung mit Unterbindung der Samenleiter ebenfalls positive, lang anhaltende Auswirkungen auf Gesundheit und ein langes Leben haben könnte?

Der Gedanke wird für viele, die sich dieser Prozedur unterzogen haben, tröstlich sein. Aus naturheilkundlicher Sicht ist an ihm jedenfalls was dran.

Dr. med. Berndt Rieger