Das Burnout-Syndrom

Buchankündigung:

 

Dr. med. Berndt Rieger: Das Burnout-Syndrom

Ganzheitliche Behandlungsstrategien bei seelischer Erschöpfung

 

(Erhältlich auf Amazon.com, Amazon.de und ebooks-rieger.de)

 

In diesem Buch geht es um einen Zustand, den wir mit Worten schwer beschreiben können. Einen Zustand des Ausgebranntseins, der Schwäche und Fühllosigkeit. Man fühlt sich schwer krank und depressiv. Man hat das Gefühl, nun zu wissen, wie das ist, alt zu sein. Man erkennt seine Sterblichkeit.

 

In der alten Medizin nannte man diesen Zustand den der „Vererdung“. Das kühle, trockene Element Erde ergreift Besitz von uns. Es löscht die Lebensgeister (die dem jugendlichen Element der Luft entsprechen) und erinnert uns an das Wort: Staub bist du und zu Staub wirst du zurückkehren, nämlich Erde werden. Wir kommen aus der Erde, vermischen uns mit Wasser und Luft und Feuer, die beweglichen Elemente, die uns Leben schenken, und scheiden diese alle im Laufe des Lebens wieder aus und das, was wir vor unserer Geburt waren: Sandkörner in einer Wüste von Sand.

„Ausgebrannt“ sein heißt also, das was uns feucht und warm gemacht hat, zu verlieren. Medizinisch gesprochen sind das unsere Hormone. Sie befeuchten den Körper, machen ihn jung. Wer sich erschöpft, entzieht dem Körper die Kraft, sich zu verjüngen. Er tut das, indem er lichterloh brennt, wie eine Kerze auf beiden Seiten. Ihr Feuer vertreibt den Schlaf (der uns mit dem Element Wasser erfüllt) und die Lebenslust (die Fülle der in uns kreisenden Hormone), und letztendlich verlöscht das Feuer, das unsere Tatkraft und unsere Leidenschaft ausgemacht hat, plötzlich, von einem Tag auf den anderen und hinterlässt eine Wüste, in der wir uns karg und leblos fühlen. Das ist das Burnout-Syndrom, von dem in diesem Buch die Rede sein soll.

Die Frage, die wir uns zur Analyse unserer Schwäche stellen müssen, lautet: Warum brannten wir? Was war unser Ziel? Sind wir durch diesen intensiveren Leistungsschub auch am Ziel angekommen und dadurch vielleicht gar nicht „ausgebrannt“, sondern einfach nur „erschöpft“? Schöner ist ja dieses Wort „Erschöpfung“ für so einen Zustand der Ruhe nach vollbrachter Tat. Es setzt einen Schöpfer heraus, der müde geworden ist und zufrieden auf seine Leistung zurückblickt. So ähnlich steht es ja in der Bibel nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen, wo Jesus seinen bevorstehenden Tod mit den Worten „Es ist vollbracht!“ kommentiert. Getrieben war auch er zu einer Lebensleistung, wie schon sein Vater, der Schöpfergott, der seine Existenz in die berufliche (als er die Welt schuf) und den Ruhestand (alles Nachfolgende) einteilte. Dieses Denken in den Kategorien eines „Lebenswerks“ ist den meisten Menschen eigen, so lange sie streben. Wir kennen das von Künstlern, die mitunter Opus-Zahlen anlegen, mit denen sich die Lebensleistung beziffern lässt. Aber auch von Firmengründern, die daran arbeiten, ihren Kindern etwas vererben zu können. „Opus“ und „Erbe“, also Hinterlassenschaften, sind für viele Frauen die Kinder und Kindeskinder. Doch es gibt auch besondere Formen der Lebensleistung, die oft nur über kleinere Zeitabschnitte erbracht werden. Hier ist der Marathonläufer ein gutes Beispiel. Die Griechen hatten bei Marathon die Perser besiegt, ein unglaubliches Ereignis, an das man in der Hauptstadt Athen nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Ein Läufer wurde beauftragt, um den Sieg zu verkünden und damit neue Hoffnung in die Heimat zu bringen. Er erfüllte diesen Auftrag so schnell wie möglich, wagte es nicht, abzusetzen, und rief: „Freut euch, wir haben gesiegt!“ bevor er tot zusammenbrach. Erschöpft auch er, ausgebrannt durch die übergroße Anstrengung innerhalb weniger Stunden.

Diese Geschichte ist zu gut, um wahr zu sein. Eigentlich hat sie sich so zugetragen, dass im Krieg gegen die Perser von Athen der Läufer Pheidippides nach Sparta geschickt wurde, um dort um Truppenunterstützung zu bitten. Er starb kurz nach der Ankunft, und der Geschichtsschreiber Herodot berichtete darüber. Dass später Plutarch und Lukian daraus eine Legende gebildet haben, die zweitausend Jahre später noch Millionen Menschen fasziniert und in der anhaltenden und weltweiten Abhaltung von Marathonläufen resultiert, zeigt, dass sie unser Inneres an einer entscheidenden Stelle berührt. Wir alle werden geboren und leben. Doch das Gefühl, dass sich das Leben lohnt, beziehen wir aus einem Auftrag, den wir erhalten zu haben glauben. Entweder vom Schöpfer oder vom Zufall, oder aus unseren natürlich Anlagen heraus. Ein Vorbild, mitunter aber auch die Verhältnisse „inspirieren“uns dazu, einen bestimmten Lebensweg einzuschlagen, der auf ein Ziel hin führt. Wir beginnen für diese Aufgabe zu brennen und steuern auf sie zu, und das so lange, bis noch Benzin im Tank ist. Oder bis wir ankommen.

Wenn man die harmonische Mischung der vier Elemente der Natur im Körper als Basis der Gesundheit akzeptiert – diese These bildet die Grundlage der Galenschen Säftelehre, der Traditionellen Chinesischen Medizin und des Ayurveda – dann führt unser Leben aus dem Zustand des Wassers in der Höhle der Gebärmutter hinaus in die Luft der Welt, wo eine Inspiration (Einblasung, Einatmung) auf uns wartet und in das Zeitalter der Luft trägt, in dem wir uns das Lebensziel setzen. Wir uns das schützende, feuchte Biotop der Kindheit entzogen, werden wir zum Landbewohner, der unter der heißen Sonne des Lebens die Erwachsenenrolle spielen muss. Er tritt in das Zeitalter des Feuers ein, in dem Entschlusskraft und Leidenschaft gefordert ist. In diesem Lebensabschnitt wird die Lebensleistung in der Regel erbracht. Manche werden damit schneller fertig, weil sie sich keine zu großen Ziele gesetzt haben. Andere haben sich von Vornherein ein Ziel gesteckt, das prinzipiell unerreichbar ist, eine Utopie, ein Ideal, das wie eine Fata Morgana in der Wüste vor ihnen her tanzt, und sie weiter und höher hinaus führt als andere. Das sind die Menschen, die ein Burnout-Syndrom erleiden. Sie verbrennen in der unbarmherzigen Sonne des Lebens deshalb, weil sie sich zu weit vorwagen in Gebiete, in denen der Zusammenbruch eigentlich vorherzusehen ist. Weil sie sich ein Lebensziel auserkoren haben, das von ihnen realistischerweise nicht erreicht werden kann. Oft aufgrund von Erwartungen der Eltern oder des Partners. Oder auch aufgrund von Kindheitserlebnissen, die ihnen Kampfgeist eingehaucht haben, es höher und weiter bringen zu wollen als andere.

Dass uns ein Burn-Out durch die Erschöpfung aller Reserven schwächt und depressiv macht, ist das eine. Das andere ist aber noch schlimmer: Das Gefühl, versagt zu haben. Es ruft eine ganz eigene, tiefe Verstimmung an sich hervor, die uns auf dem Weg zurück zur Kraft zusätzlich lähmen kann. Die Behandlung eines Burnout-Syndroms ist also nicht nur eine „Aufbaukur“, deren Ziel es ist, unsere Hormone wieder zum Fließen zu kriegen, sondern auch eine, die unseren Geist und unsere Seele aufrichtet. Wir können uns unser Versagen nur verzeihen, wenn wir verstehen, dass die Ziele, die wir uns gesteckt haben, unpassend waren, und deshalb auch nie erreicht werden sollten. Damit unsere Gefühle wieder aufleben können und die Kraft in unsere Glieder zurückkehren kann, müssen wir uns neue, persönliche Ziele suchen, die sich zu erreichen lohnt, und die auch wie von selbst erreicht werden können, weil sie zu unserem Inneren passen, und für uns natürlich sind wie alles andere, mit dem wir geboren wurden: Unser Körper, unser Geist, unsere Seele.

Wir wollen in diesem Buch Möglichkeiten erforschen, das geistig-seelische Ausgebranntsein sanft zu behandeln, bevor wir überhaupt das Vollbild dieses Krankheitsbildes erreichen. Wir wollen umsteuern lernen, und unsere Seele pflegen. Denn die Verschönerungsarbeit und Reparatur macht mehr Spaß als die Aufbauarbeit. Wir werden dabei ausschließlich mit unserem Zentralnervensystem arbeiten, das nach neuen Erkenntnissen etwas größer ausfällt als wir das auf den ersten Blick hin vermuten würden. Natürlich ist das Gehirn das zentrale Organ unseres Denkens und Erlebens. Doch es stellt nur die Hälfte der Gleichung dar. Eigentlich ist es nur das „Kopfhirn“, dem ein „Bauchhirn“ von gleicher Kraft und Bedeutung zur Seite steht. Die Nervengeflechte des „Bauchhirns“, das für einen Großteil unserer Emotionen zuständig ist, bilden zusammengenommen etwa die gleiche Masse und Zellzahl des Kopfhirns, das Yin zum Yang des Schädels. Wie unsere Lebenserfahrung zeigt, ist es wichtig, beides gut zusammenarbeiten zu lassen. Und genauso wie ein „schwaches“ Kopfhirn Fehlentscheidungen bei „Bauchgefühlen“ zur Folge hat, wird ein „schwaches“ Bauchhirn auch das beste Kopfhirn dazu veranlassen, aus einer trockenen Analysetätigkeit heraus das wahre Leben zu verpassen.

Eine Überanstrengung des Zentralnervensystems kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden und ganz verschiedene Mechanismen in Gang setzen. Wo man hier mit Arzneien einsetzen und heilen kann, werden wir in den einzelnen Abschnitten dieses Buchs erfahren. Alle „energetischen“ Arzneien von Bachblüten und Homöopathie bis hin zu Berührung, Klang und Störfeldtherapie, sollen uns auf diesem Weg willkommen sein, aber auch klassisch „schulmedizinische“ Lösungsansätze mit dem Einsatz von Psychopharmaka, bei dem die Sanftheit der Medizin in der Art und Weise zutage tritt, wie sie angewandt werden, und in ihrer Dosierung, die dem individuellen Menschen angepasst werden muss und nicht nach dem Kochrezept des Beipackzettels erfolgen darf.

Zu den „Arzneien“ gehört auch eine geistige und seelische Entwicklung hin zu neuen Zielen und Aufgaben. Denn nur ein neues Leben kann auf der Asche des früheren Lebens entstehen.

Zu der Betrachtung des Zentralnervensystems gehören auch die Erkenntnisse der asiatischen Medizin mit ihren Chakren und Meridianen, während wir aus der westlichen Denkweise vor allem die naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf das Zusammenspiel der Hormone in Betracht ziehen werden. Die Notwendigkeit, hier das Abendland und das Morgenland zu verbinden, ergibt sich aus der hochentwickelten „energetischen“ Betrachtungsweise Asiens wie auch aus den naturwissenschaftlich detaillierten Erkenntnissen Europas, deren Verbindung vor allem eines beweist: Dass es viele Wege zu einer einzigen Wahrheit gibt.

Wer aus dem tiefen Tal der Erschöpfung heraus will, muss sich ein Rüstzeug für diese Wanderung zurecht legen. Dieses und auch die Nährmittel, die Sie für den Weg zu einem gesteigerten Bewusstsein, Gesundheit und Kraft brauchen, werden Sie in diesem Buch kennen und anwenden lernen.

 

 

Quantenheilung und Hexenmedizin

Derzeit schwappt eine Welle von Heilern und Heilungswilligen durch die Alternativszene, die alten dort tätigen Naturheilkundlern das Grauen lehren. War es bislang so, dass man eine Ausbildung durchlaufen, Kenntnisse erwerben und mitunter auch Zertifikate vorweisen musste, ist jede Form der intellektuellen Wissensaneignung in Bezug auf das Heilen obsolet. Wer denkt, dass er es kann, kann es auch. Wer fühlt, dass er Heilkräfte in sich hat, kann über sie bereits verfügen.

Es ist natürlich möglich, dass diese Einstellung in manchen Fällen einen schweren Schaden hervorrufen kann, weil damit Krankheiten unbehandelt bleiben, für die es klare und schöne Lösungen gibt. Allerdings kann man Menschen, die über die „Quanten“ heilen, indem sie die „Matrix“ wieder in Ordnung bringen, auch positiv als zeitgenössische Repräsentanten des Hexenkults sehen, der früher in unseren Breiten vorgeherrscht hat. Wenn heute über traditionelle europäische Medizin gesprochen wird, gibt es ja vor allem deshalb keine klare Übereinstimmung, was mit diesem Begriff gemeint ist, weil zwei sehr widersprüchliche Kulturen einander gegenüberstehen. Einerseits ist da die „kultivierte“ römisch-griechische Heiltradition der Elementelehre, die vergleichbar mit der TCM, dem Ayurveda, der tibetischen Medizin, der Heilkunst des nahen Ostens, der nordamerikanischen Ureinwohner etc.  ein System des Heilens präsentiert. Hier stehen wissenschaftliche Intentionen im Vordergrund. Man will die Welt verstehen und aus diesem Verständnis heraus Heilmittel anwenden. Andererseits ist da die „wilde“ Heiltradition der Medizinmänner, die je nach Stamm und Region verschieden aussehen kann. Hier gibt es keinen Versuch des Gedanken- und Erfahrungsaustauschs, sondern es wird eine Geheimlehre behauptet, die sich nicht schlüssig erklären lässt und die deshalb auch nicht weiter gerechtfertigt werden muss. Entweder man glaubt daran oder nicht. Darüber gesprochen wird nur insoweit, als man damit hoffen kann, das Gegenüber einzuschüchtern, und an seinen eigenen Gedanken und Gefühlen zweifeln zu lassen. Diese Hexentradition mündet dann auch bei der medizinischen Anwendung in Rezepten, die sich im Grunde genommen auf Berührung und Beschwörung reduzieren. Es ist das nicht die ausdifferenzierte Heilpflanzenkenntnis von Kräuterfrauen oder „weisen“ Frauen, die ein Leben lang im Wald verbracht und dabei die Pflanzen als hilfreiche Lebewesen kennen gelernt haben, sondern der Mutwille einzelner Frauen, sich mit gesellschaftlichen Gegebenheiten abzufinden, eine stille Revolution, die sich in der Gründung eines eigenen Stamms, einer Sippe manifestiert, in denen die Hexe oder der Magier oder der „Medizinmann“ das Sagen hat. So lange die anderen an ihn oder sie glauben, bestimmen sie das Gesetz. Wird dieses Gesetz gebrochen, drohen Bestrafung oder Verstoß. Glaubt ein Großteil der Menschen im Stamm nicht mehr an das Gesetz, löst er sich auf.

So oder so ähnlich muss man sich die Wellen vorstellen, die durch die Esoterikszene gehen, sie erfassen und durchdringen und sie dann wieder graduell verlassen. Was hier durchgeht von einem zum anderen, sind nie die Heilmethoden, denen man Ewigkeit attestieren darf, sondern immer Magie, Zauber und Beschwörung. Derzeit ist es meist eine Frau mittleren Alters, eher menopausal, die anderen „erleuchtet“ erscheint und irgendwo einen Kurs gemacht hat, der allerdings nicht als Kurs oder bloßer Aufenthalt dargestellt wird, sondern als Erweckungserlebnis, bevorzugt an den Inspirationsquellen dieser Erde. Die sprudeln derzeit in Hawaii, ein fernes vulkanisches Land mitten im Meer, vergleichbar mit mythologischen Endpunkten wie Atlantis. Egal, dass man heute viel billiger als noch vor Jahren dorthin fliegen kann, und dort genauso übergewichtige Amerikaner in bunten Kleidern erleben kann wie anderswo. Diese werden ausgeblendet, weil auf Hawaii ja Ureinwohner leben, edle Indianer, die im Einklang mit der Natur leben und heilen und weise sind – all das, was man als Hintergrundbedingungen braucht, um an die Kräfte der Erde anschließen zu können. Dort lernt man, die Matrix der Menschen – eine Art energetisches Grundgerüst – mit klassischen Hexenbeschwörungsmethoden von Krankheiten zu befreien, streicht dabei über den Körper, über die Aura, murmelt, singt oder denkt auch nur Formeln, mit denen Götter angerufen werden oder auch nur das Himmlische in einem selbst. Und siehe da: Oft funktioniert es. Wer sich die Hexenkraft zugesteht, staunt anfänglich darüber, dass andere Menschen sie wahrnehmen, davon beeinflusst werden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Die Suggestibilität des Menschen ist groß. Die Quantenmediziner wissen das, weshalb sie von physikalischen Vorgängen im Körper berichten, die zweifellos stimmen – beispielsweise, dass wir fast nur aus elektromagnetischer Energie, und fast gar nicht aus Materie bestehen. Oder dass man bei Elektronen nie so recht weiß, wo sie sind und allein durch die Beobachtung schon die Lage eines Elektrons beeinflussen kann. Magische Dinge, die sich im Kleinsten des Kleinen abspielen – zumindest wenn man den Physikern glauben darf. Doch wie kommen Menschen auf die Idee, dass man diese Verhältnisse medizinisch nutzen kann? Sie kommen darauf aus einem Gefühl heraus, dass es möglich wäre. Hier muss nichts weiter untersucht oder ausprobiert oder was auch immer werden. Hier wird auch nichts darüber hinausgehend erklärt, warum man mit Hokuspokus diese Mechanismen nutzen könnte. Was einem Quantenheiler aber wirklich gelingt, ist, andere Menschen davon zu überzeugen, dass er es tut, den Wunsch des Leidenden nach Heilung in Form eines Placebos aufzunehmen, das gewiss keine Nebenwirkungen hat – außer, der Mann, der sich bei diesen Heilungen immer hinter dem zu Heilenden stellen muss, weil der gerne willenlos umsinkt, fängt einen nicht auf.

Sternsinger und Trick-or-Treaters

Eine interessante europäische Tradition sind Kinder, die zu Beginn eines neuen Jahres bei den Menschen auftauchen, um von ihnen eine Abgabe zu erheben. Die römisch-katholische Kirche tritt hier als Ordnungsmacht auf, die dazu berechtigt ist, Steuern zu erheben. Deren Betrag ist nicht fest wie das später bei der Kirchensteuer der Fall wurde, wo etwa der klassische „Zehnte“, also 10 Prozent verlangt werden, sondern es handelt sich um eine „freiwillige“ Abgabe, die sich nach dem guten Ruf bemisst, den der so Erpresste in der Gegend genießt. Je großzügiger er die Boten der Kirche beschenkt, desto beliebter macht er sich wahrscheinlich, zumindest, wenn er mit seiner Spende deutlich über das sonst gespendete durchschnittliche Volumen hinaus geht. Die Steuereintreiber der Kirche sind Kinder verschiedener Altersstufen. Die Kleinen sind in der Überzahl. Sie sind Sklaven im wahren Sinn des Wortes. Sie machen die Arbeit und kriegen dafür nichts. Dann gibt es einen Aufseher in Form eines älteren Kindes, das darauf achtet, dass eingesammelte Geldbeträge in eine Metallbüchse gesteckt werden, für die nur der Kirchenaufseher zuhause den Schlüssel hat. Aufgrund seiner privilegierten Stellung kann der Aufseher schweigen, wenn Lieder gesungen werden. Seine Aufgabe ist es, mit der Kreide über den Türstock Kreuze und die Buchstaben C M und B zu malen, was nicht für Caspar, Melchior und Balthasar steht, sondern für Christus Mansionem Benedicat, Christus segne diese Haus. Gemeint damit ist, dass jemand, dessen Haus dieses Zeichen trägt, von böswilligen Anschlägen und Raubzügen verschont bleiben möge, zumindest sofern es sich bei den Räubern um Christen handeln sollte, die Menschen ihrer Religionszugehörigkeit nicht an Leib und Leben wollen. Ein zweischneidiges Schwert, diese Kreidezeichnung, in Gesellschaften, wo Muslime oder Heiden größere Raubgemeinschaften bilden, denn die wissen dann ja, wen sie am ehesten angreifen sollen. Doch in einer Kultur, wie sie Europa in den letzten Jahrhunderten gepflegt hat, sind die Kreidezeichen taugliche Signale für Pogrome, wo der Pöbel dann weiß, wo die Juden wohnen – und wo eben nicht.

Kinderarbeit, Erpressung, Geldschneiderei, Ausgrenzung anderer Religionszugehöriger – all das kombiniert sich im Fall der römisch-katholischen Kirche mit den theatralischen Elementen, für die diese Glaubensrichtung bekannt geworden ist. Die Kleinen werden ausstaffiert wie kleine Bischöfe mit aufgemalten Schnurrbärten, was sie verwegen wirken lässt, und eher so aussehen wie die drei Musketiere als wie Weise aus dem Morgenland. Früher einmal musste sich ein Kind dafür hergeben, sein Gesicht schwarz anmalen zu lassen. Einer der Könige, so die Vorstellung, war Afrikaner. Heute kann man das offenbar keinem Sternsinger mehr zumuten, mit den Einwohnern dieses Kontinents gedanklich in Verbindung gebracht zu werden, weshalb die heiligen drei Könige zwar bunte Gewänder tragen, aber alle sehr „kaukasisch“ aussehen, wie das die Amerikaner nennen.

Apropos. Die heidnische, amerikanische Variante der Sternsinger sind Kinder, die zu Halloween durch die Nachbarschaft ziehen und wie Sternsinger bei den Häusern vorsprechen und Süßigkeiten wollen. Trick or Treat heißt hier die kapitalistische, freihandelszonenmäßige Variante der Sternsinger. Die Kinder ziehen aus eigenem Antrieb los, sind freie Unternehmer. Sie spielen erst gar nicht das elende Täuschungsspiel der Kirche, die Zeremonien und Musik gegen Sachwerte eintauscht selbst wenn die damit konfrontierten Kunden keinen großen Wert darauf legen. Eigentlich singen die Sternsinger immer gleich los, wenn man die Tür aufmacht, also hat man die Ware Gesang schon erhalten und wird automatisch zahlungspflichtig. Der Trick-und-Treater macht das anders. Er verbirgt sich hinter einer Maske wie Zorro, damit man ihn nicht erkennt. So wird er schrecklicher und kann die mafiöse Drohung glaubhaft machen, dass er im Fall einer Nichtbezahlung einfach eine Scheibe einschlägt oder einem gar das Haus über dem Kopf anzündet. Diese Erpressung ist unmittelbarer, ehrlicher und entspringt in gewisser Hinsicht aus der Wurzel eines „nackten“ Kapitalismus, während die Sternsinger von der Last der Tradition niedergedrückt werden, und selbst machtlos bleiben, bloße Marionetten einer fernen Firmenzentrale in Rom sind, die mit dem Geld, das sie so aus harmlosen Bürgern herauspressen, wahrscheinlich viel Gutes und Wohltätiges vollbringen.

Der gesundheitsfördernde Aderlass

Der gesundheitsfördernde Aderlass

 

von Berndt Rieger

 

 

 

 

Zu den häufigsten medizinischen Darstellungen des Altertums und des Mittelalters zählen Bilder von nackten Menschen, deren Körperteile mit Tierkreiszeichen besetzt sind. Diese schematischen Zuordnungen sind Handlungsanweisungen für Ärzte, die sich in einer Zeit, in der Menschen offenbar „hitziger“ waren als heute, vor allem mit einer Therapie befassten: Dem Abzapfen des Lebenssaftes Blut in Form von Aderlässen. Lange vor der Entwicklung dünner, geschliffener Nadeln und Vakuumflaschen muss das eine ziemlich unangenehme Therapie gewesen sein. Dass diese Behandlung aber trotzdem so beliebt und auch als wirksam empfunden wurde, zeigt die Tatsache, dass sich der Aderlass über viele Jahrhunderte in der Medizin gehalten und dabei über den gesamten damals bekannten Erdkreis ausgestreckt und in verschiedenste Kulturen Eingang gefunden hat.

Zur Ader zu lassen ist eine Therapieform, die sich selbst heute noch in der naturwissenschaftlich geprägten Medizin der westlichen Welt, die ihre Patienten eigentlich darauf konditionieren möchte, bei Krankheit vorzugsweise eine Tablette zu schlucken, eher selten geworden ist. Aber gerade aus dem Kreis der Menschen, die Hildegardmedizin betreiben, kommen hier wichtige Impulse. Die meisten davon lassen sich einmal oder zweimal im Jahr etwas Blut abnehmen, zumindest soviel, wie im Liegen von selbst heraus läuft. Und sie achten darauf, dass diese Maßnahme zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem der Einfluss der Gestirne möglichst ausgeglichen ist. In den ersten Tagen nach Vollmond stehen Sonne und Mond – die nächsten Himmelskörper, die messbare Einflüsse ihrer Schwerkraft auf die Erde ausüben – nämlich auf verschiedenen Seiten der Erde, wodurch sie sich gegenseitig gut austarieren. In dieser Situation kann das Element Wasser im Körper gefahrlos bewegt werden in der Hoffnung, dass der Körper auch auf dem Weg der Blutung Gifte ausscheidet. Dass es vor allem Frauen im Klimakterium sind, die diese Therapie wahr nehmen, kann nicht verwundern. Denn Frauen im jungen Lebensalter sind es gewohnt, dass sie monatlich 200 ml oder mehr im Rahmen einer Blutung ausscheiden, die von der Natur an den Mondumlauf angepasst wurde. Es erscheint ihnen nur logisch, die Reinigung, die ihre Gebärmutter über so lange Zeit durchgeführt hat, nach dem Stillstand der Blutung über die Ader bis ins hohe Alter fortzusetzen.

 

Von der Schulmedizin wurde der Aderlass nicht ganz vergessen. Vorwiegend wird er heute noch bei der Eisenspeicherkrankheit, der Hämochromatose, durchgeführt. Viele andere Menschen leiden an Eisenmangel. Hier wäre es nicht gut, durch einen Aderlass diesen Mangel noch zu verstärken. Deshalb ist es wichtig, vor seiner Durchführung medizinisch zu überprüfen, ob er denn überhaupt notwendig ist. Man kann dies mit den Methoden der alten Ärzte tun. Sie überprüften die Pulsqualitäten, die Temperatur von Händen und Füßen und die Feuchtigkeit von Zunge und Haut. Kurz zusammenfassen kann man diese Prinzipien so: Wenn jemand viel Wärme in sich hat, eignet er sich für den Aderlass. Ist er aber bereits blass und kühl, dann darf man ihn gar nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Hoffnung durchführen, eine Entgiftung zu erreichen. Es war die falsche Anwendung des Aderlasses durch die Bader des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, die dazu führte, dass sich die Schulmedizin vom Aderlass in großen Teilen abgewandt hat. Das ist schade, denn auch beim Bluthochdruck oder zur Entzündungsneigung kann man hier durch das Abzapfen von Blut eine Stärkung der Gesundheit auch aus der Sicht der akademischen Medizin bewirken.

 

Es wäre reizvoll, den Aderlass heute wieder verstärkt so durchzuführen wie das die großen Ärzte des Altertums gemacht haben. Der Äbtissin Hildegard von Bingen am Rhein des 12. Jahrhunderts standen dafür nur eingeschränkte Informationen zur Verfügung. Zwar hatte sich die Altertumsmedizin über die die nichtchristlichen Gebiete des ehemaligen römischen Reichs und arabische Gelehrte über die Schule von Salerno und die Benediktinerklöster zwar auch im Mittelalter wieder in Spuren ausbreiten und bis zum heutigen Tag erhalten können, doch das Ganze ist doch Stückwerk geblieben und muss wie ein Puzzle neu zusammengesetzt werden. Hildegard hat ihre Einlassungen zum Aderlass aus dem damals vorhandenen Wissen verfasst. Heute ist uns stärker bewusst, wie sehr die Alten das Wirken der Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde im Körper bei ihren Heilungsversuchen in den Vordergrund stellten. Bei Hildegard heißt es: „Wenn bei einem Menschen die Gefäße mit Blut überfüllt sind, müssen sie durch einen Aderlass von dem schädlichen Schleim und den durch die Verdauung gelieferten Fäulnisstoffen gereinigt werden.“ In die Sprache des Altertums übersetzt heißt die Überfüllung mit Blut, dass einerseits zu viel Kälte und Feuchtigkeit im Blut herrscht, das ist der Schleim, der das Element Wasser vertritt. Und dann sind dort die durch die Verdauung gelieferte Fäulnisstoffe, die das kühle und trockene Element Erde verkörpern. All das schwimmt im feuchten und heißen Blut, das eigentlich dem Element Luft zugeordnet wird. Wir sehen also: Hildegard führt den Aderlass nicht deshalb durch, weil das Blut gleichsam im Übermaß vorhanden ist und Hitze und Feuchtigkeit den Körper quälen. Ihre Perspektive ist die einer älteren Person, die sich tagtäglich mit Altersveränderungen herum schlägt. Das sind die kühlen Elemente, die uns einerseits Wassereinlagerungen und eine instabile Blase und andererseits trockene, verkalkte Gewebe bescheren.

 

Die Alten wussten, dass der Aderlass sich vor allem für Menschen eignet, die feurig oder luftig sind, also im Übermaß an den warmen Elementen erkranken. Es sind junge Menschen, die man so therapiert, oder tatkräftige Naturen im besten Alter. Wer die Wärme und Feuchtigkeit des Blutes abzapfen will, läuft aber auch Gefahr, die Lebensenergie des Menschen zu mindern.

Wie kam man überhaupt auf die Idee, Menschen zur Ader zu lassen? Wahrscheinlich beobachtete man schon frühzeitig, dass Menschen, die zu spontanem Nasenbluten neigen, auch rote Backen und hitzige Krankheiten haben. Oder dass Frauen, die „hitzig“, also tatkräftig und leidenschaftlich sind, eher kräftige Monatsblutungen haben und davon auch seelisch ausgeglichen werden. Diese Selbstentlastung des Körpers durch einen „natürlichen Aderlass“ kann medizinisch genutzt werden. In einer Zeit, in der die meisten Menschen im Krieg auf dem Schlachtfeld durch Blutverlust starben oder durch Aufschneiden von Pulsadern Selbstmord begingen, ist nicht anzunehmen, dass man der medizinischen Durchführung von Aderlässen naiv gegenüber stand. Im Gegenteil. Dass sich der Aderlass als Therapieform durchgesetzt hat, ist nur durch eines zu erklären: Dass er unter richtiger Anwendung auch geholfen hat. So „wirkungslos oder schädlich“, wie man heute in der akademischen Medizin behauptet, wird die Aderlasstherapie wohl eher im Mittelalter geworden sein, als zu viele Unkundige, die keine medizinische Ausbildung hatten, Aderlässe bei Patienten durchführten, bei denen sie keineswegs angebracht waren. Wer aber zu viel Hitze im Körper hatte, wird davon geheilt worden sein. Auch heute noch setzt der Heilpraktiker bei Bluthochdruck oder entzündlichen Krankheiten den Aderlass ein und hat damit Behandlungserfolge, die chemischen Arzneien mitunter verwehrt bleiben. Warum sie hilft? Weil diese Krankheiten ein Übermaß an Hitze und Feuchtigkeit im Körper, also ein Überschießen des feuchtwarmen Elementes Luft bedeuten, das vor allem im Blut gespeichert wird. Dieses Ungleichgewicht kann man positiv beeinflussen, indem man den Anteil des Blutes im Körper leicht vermindert. Wie das aber richtig zu geschehen hat, dafür gibt es alte und genaue Regeln, auf die das Aderlassmännchen hinweist. Unter diesem Begriff versteht man eine schematische Zeichnung, die die Beziehung der einzelnen Tierkreiszeichen zum Körper des Menschen zeigt. Nach diesem Schema führt man im Frühjahr den Aderlass im Bereich des Kopfes durch, im Sommer auf Herzhöhe, im Herbst im Bereich der Hüften und im Winter an den Beinen. In der Praxis suchte man aber wahrscheinlich in den meisten Fällen die Ellenbeuge auf, denn dort findet man außen die so genannte Kopfvene, in der Mitte die Herzvene und auf der Innenseite die Lebervene. Die Kopfvene steht für das Element Wasser, das vor Frühjahrsbeginn angestaut ist, die Herzvene für das Element Luft, das im Frühsommer seinen Höhepunkt hat und die Lebervene für das Feuer, das am Ende des Sommers, also Ende August eine Entlastung verlangt. Eine vierte Vene für das Element Erde fehlt, weil es trocken und kühl ist und somit jeder Aderlass schädlich sein muss, denn er ist dazu angetan, den Krankheitszustand zu verschlechtern.

 

Dass aber mitunter auch an den entsprechenden Körperregionen zur Ader gelassen wurde, zeigt das „Lorscher Arzneibuch“, eine Rezeptsammlung aus dem 8. Jahrhundert nach Christus. In ihr finden sich auch Empfehlungen über den Aderlass. Das besondere daran: Dieser wird je nach Monat und Jahreszeit gezielt und auf einzelne Körperregionen beschränkt angewandt. Im April heißt es noch ganz allgemein, man solle zur Ader lassen. Das ist schnell verständlich, denn in diesem Monat kommt es häufig aufgrund des raschen Wechsels vom kühlfeuchten Winter zum feuchtwarmen Frühjahr zu überschießenden Reaktionen, die man sehr gut mithilfe eines Aderlasses ausgleichen kann. Für den Mai empfiehlt das Buch, „die Lebervene zu schlagen“. Gemeint ist damit in der Ellenbeuge die am weitesten einwärts gelegene Vene, die man mit der Leber, dem Organ des Feuers, in Verbindung bringt. Im Mai steht die Sonne hoch, hat vielfach schon sommerliche Wärme, weshalb bereits einem Überschießen des Elementes Feuer vorgebaut werden soll. „Im Monat Juli soll man weder lassen noch schröpfen, auch nicht aus den Blutadern in dieser Zeit, und man soll auch keinen Abführtrank nehmen“, heißt es danach. Jetzt steht die Sonne am höchsten, der Mensch ist ausgetrocknet durch die Hitze des Sommers und kann es nicht vertragen, wenn noch Feuchtigkeit aus dem Blut abgezapft wird. Bis zum Spätherbst ließen die Alten die Adern ruhen. Erst dann liest man: „Im Monat November und Dezember gut man gut daran, eifrig die Leberader zu schlagen sowie Schröpfköpfe zu setzen, weil zu dieser Zeit alle Säfte bereit sind.“ In dieser Zeit kommt es zu einem Anschwellen des kühlfeuchten Elementes Wasser, das einen großen Teil der Erkrankungen des Winters hervorruft, darunter neben Wassereinlagerungen vor allem Verdauungsbeschwerden. Die Volksmedizin geht dagegen schon seit vielen Jahrhunderten vor, indem es zu Weihnachten Zimt, Ingwer und andere wärmende Gewürze einrichtet. Diese aber überlasten Magen und Darm, wogegen dann der Aderlass gut hilft. Ist die kalte Jahreszeit aber fortgeschritten, ist Vorsicht am Platze, denn jeder Blutverlust kann auch die Kälte im Körper verstärken. Hier warnt auch das „Lorscher Arzneibuch“ vor Aderlässen im Januar und erwähnt für den Februar, man möge höchstens „am Daumen“, also möglichst körperfern das Blut entfernen, um das Kreislaufsystem möglichst ungeschoren zu lassen.

Aus dem „Lorscher Arzneibuch“ ziehen wir vor allem die Leere, dass ein Aderlass vor allem im März und im November und Dezember ratsam ist.

 

 

Das Aderlassmännchen ist so konstruiert, dass die oben an Kopf und Hals die Tierkreiszeichen des Frühjahrs, am Stamm die des Sommers, an den Beinen die des Herbstes und ganz unten in der Nähe der Füße die des Winters sitzen. Es gibt hier keine klaren Informationen, ob man dort in diesen Jahreszeiten oder an Tagen oder Stunden zur Ader lassen soll, wenn diese Tierkreiszeichen unter astrologischen Gesichtspunkten dominieren. Aus medizinischer Sicht bedeutsam ist, dass sich das Element Luft im Frühjahr logischerweise um die Atemorgane herum konzentriert und ein Aderlass, der in dieser Region durchgeführt wird, in das Zentrum des Problems zielt. Deswegen beißt ja auch ein Vampir in die Adern der Halsregion, weil er sich dort in unmittelbarer Nähe von Luftröhre, Kehlkopf und Bronchien das hellste und kräftigste Blut verspricht. Ebenso macht es Sinn, dass die Tierkreiszeichen des Sommers um die Leber herum platziert sind. Denn dort, im aktivsten Stoffwechselorgan des Körpers, wird das Element Feuer entfacht. Treten auf dem Bauch Krampfadern aufgrund einer Leberüberlastung oder -verhärtung auf, ist es gute Tradition, dort bevorzugt zur Ader zu schlagen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass das Stoffwechselorgan der Leber ganz in der Mitte des Körpers liegt, wo auch die Körperkerntemperatur für Wärme sorgt. In der Leber werden Nahrungsbestandteile bei Bedarf in Hitze umgewandelt. Die Leber ist also nach Vorstellung der Alten der Sitz des Elements Feuer, und die Galle der Körpersaft, mit dem sich die Leber von einem Hitzestau entlasten kann. Aderlässe in der Nähe zur Leber sind dann Entgiftungen, mit denen sich am Besten ein Austrocknen des Körpers verhindern lässt, denn das Trockene sitzt im Körperkern. Die Herbststernbilder sind um das Becken herum eingetragen. Sie verkörpern das Element Erde, das seinerseits das mineralische Element und die Fruchtbarkeit der Natur darstellt. So wie der Darm den Körper ernährt, ernährt die Erde ihre Lebewesen. Und so wie ein Same in der Erde zur Pflanze heranwächst, sind im Bereich des Beckens die Fortpflanzungsorgane des Menschen untergebracht. Gerade der Samen des Menschen verträgt keine Wärme und wird deshalb sogar außerhalb des Körpers gelagert. Das passt zu den Eigenschaften des Elementes Erde, nämlich Kühle und Trockenheit. In dieser Region sind Aderlässe prinzipiell eher unerwünscht. Menschen aber, die Hämorrhoiden aufweisen, die immer wieder zum Bluten anfangen, zeigen nach der alten Lehre Hinweise darauf, dass ihr Körper vergiftet ist und von Aderlässen profitieren könnte. Letztlich kommt es zum kühlfeuchten Element des Winters. Die Tatsache, dass hier Adern – vor allem in Form von Krampfadern – bei den meisten Menschen stark hervortreten, ist ein Zeichen der Natur, dass hier die Medizin auf den Plan treten muss. Wie schon bei dem Element Erde ist auch die Krampfader des Elementes Wasser ein Alterungszeichen, tritt vielfach erst um die Lebensmitte herum auf. In dieser Zeit kühlt der Mensch prinzipiell aus, wodurch die Möglichkeit, ihm mit Aderlässen zu helfen, eingeschränkt wird. Und doch ist die Entgiftungsfunktion eines Aderlasses auch im Alter sehr hoch. Eine Möglichkeit, die Schädlichkeit des Aderlasses in dieser Lebensphase abzumildern, ist die, möglichst körperfern zur Ader zu schlagen. Also nicht am Körperstamm oder an den Armen, sondern an den Beinen oder gar Füßen, die schon an sich kalt sind und deshalb weniger heißes Blut abgeben können. So leitet man bei einem Aderlass an den Beinen eher kühles, dunkles Blut und somit wässrige oder erdige Teile aus dem Körper aus. Im Klartext heißt das also: Erde und Wasser, die kühlen Elemente, entfernt man aus dem Kreislauf am Besten in der Peripherie, und Feuer und Luft, die warmen Elemente, am Besten aus der Nähe des Körperkerns. Diese Information gibt uns das Aderlassmännchen. Leider haben Therapeuten schon früh den einfachen Ausweg gesucht und die drei Venen, die man in der Ellenbeuge findet, nach dem Kopf, dem Herzen und der Leber benannt im Versuch, möglichst nur im Bereich der Arme, wo man so einfach und gefahrlos die Venen stauen kann, arbeiten zu können. Eine bessere Wirkung gerade bei alten Menschen aber ist durch Aderlässe an den Beinen zu erzielen.

 

Schmerzen heilen – selbständig und sanft

Wenn Sie heute mit Schmerzen zum Arzt gehen, sind Enttäuschungen schon vorprogrammiert. Das hängt mit den Erwartungen zusammen, die Ihnen Fernsehwerbungen vermittelt haben, die noch den Enthusiasmus der Nachkriegszeit ausstrahlen. Damals gab es für Probleme in zunehmendem Maße Maschinen mit Knöpfen, die man nur drücken musste. Den Rest besorgte die Technologie.

Seitdem wir im Computerzeitalter leben, haben wir begriffen, dass Maschinen oft nicht funktionieren, wenn man auf Knöpfe drückt. Sie fahren entweder gar nicht hoch oder stürzen ab, und wenn man nach Experten ruft, hört man nach langem Herumprobieren und aufwendigen Reparaturarbeiten früher oder später die Bemerkung: „Eigentlich müsste es funktionieren.“ Tut es aber nicht.

Ähnlich müssen Sie sich die Schmerztherapie vorstellen, die auch nach langem Herumprobieren nicht unbedingt erfolgreich ist. Dazu kommt noch das Spektrum an Nebenwirkungen und unvorhergesehenen Reaktionen. Die Beschwerden werden noch schlimmer, oder das Ganze wird durch neu auftretende Erkrankungen kompliziert.

Wenn Sie heute in einer durchschnittlichen Arztpraxis den Ratschlag der Fernsehwerbung befolgen, nach Risiken und Nebenwirkungen zu fragen, werden Sie nicht selten erleben, dass sich der Arzt vorsichtig um Hilfe nach jemandem umblickt, der ihn von dem Irren befreien könnte, der solche Fragen stellt. Und sagen Sie ihm gar, dass das Schmerzmittel nicht geholfen habe, wird er ungeduldig oder sogar böse und ärgert sich darüber, wie „schwierig“ Sie sind.

Also gehen Sie zum Privatarzt oder Heilpraktiker. Zwar zahlen Sie dort Rechnungen ohne Anspruch auf Kostenrückerstattung durch die Kasse, trotzdem wird Ihr Schmerz selten effektiv behandelt werden. Dafür ist zum einen der Ausbildungsstand des Therapeuten verantwortlich. Auch nach zwischen acht bis zehn Jahren Ausbildungszeit hat der Mediziner immer nur nebenbei von Schmerztherapie erfahren. Was Heilpraktiker betrifft, so haben sie manchmal eine dreijährige Ausbildung hinter sich, dürfen ihre Prüfung je nach Ausbilder aber mitunter nach einigen Wochenendkursen ablegen und unterscheiden sich so anfänglich in Bezug auf ihren Wissenstand manchmal kaum vom Laien. Sie werden in verschiedenen Heilmethoden geschult, nicht aber speziell in Schmerztherapie.

In beiden Fällen ist es also dem Engagement des Einzelnen überlassen, durch stetes Bemühen und das Sammeln von Erfahrungen effektive Schmerztherapie zu erlernen. Garantien dafür, dass Sie es mit so einem Therapeuten oder so einer Therapeutin zu tun haben, gibt es nicht.

Das zweite Problem liegt darin, dass Privatärzte und Heilpraktiker sich sehr oft auf eine Heilmethode spezialisiert haben und bald nicht mehr über den eigenen Tellerrand schauen. Es kann natürlich auch das Gegenteil passieren und sie bieten x-beliebig viele Heilmethoden an, von denen sie keine wirklich beherrschen.

Sind Sie mit Ihrem Schmerzproblem auch an dieser Klippe zerschellt, beginnen Sie, Eigeninitiative zu zeigen und sich zu informieren. Da gibt es einmal die Broschüren von Schmerzgesellschaften und anderen Institutionen, die die Meinung der Schulmedizin vertreten, die letztlich die Meinung der Pharmaindustrie wiedergibt, welche ihrer Produkte am besten abgesetzt werden können oder sollten. Kaum ein Berufsstand ist in den letzten Jahrzehnten so herab gekommen wie der des Arztes – für die Gebühren, die er für einen Hausbesuch verlangen darf, überlegt sich ein Facharbeiter nicht einmal die Anfahrt zum Arbeitsort – und innerhalb des Ärztestandes ist kein Berufsstand so sehr herab gekommen wie der des Universitätsprofessors. Er forscht meist mit Geldmitteln der Industrie, erstellt Studien, die Verkaufsstrategien der Industrie bestätigen und reist durch die Lande, um seinen Kollegen getürkte Ereignisse, mangelhaft getestete Substanzen und unausgegorene Konzepte als Wissenschaft zu erkaufen. Er sitzt in Fachgesellschaften, um widerspenstige Kollegen, die auf Therapiefreiheit drängen, zum Konformismus zu zwingen. Wenn man diese Manipulationen auch nur einem Teil der Meinungsmacher unterstellen darf, so verhindert sie doch in der Praxis sehr häufig eine effektive Schmerztherapie.

Haben Sie nun aber in die Schulmedizin kein Vertrauen mehr und lesen naturheilkundliche Zeitschriften, werden Sie mit der Zeit feststellen, dass ihre Meinungsmacher wieder handfeste kommerzielle Interessen vertreten und das offene Feld der zahlreichen Heilmethoden dazu benutzen, schlecht verhohlene Eigenwerbung für sich und die eigene Klinik zu betreiben. Was man selbst nicht macht, wird nicht erwähnt. Was man selbst nicht kann, wird madig gemacht.

Noch schlimmer geht es Ihnen, wenn Sie die Anpreisung in Hochglanzmagazinen ernst nehmen. Da kann zwar zunächst von „neuen Heilmethoden“ die Rede sein, „oft auch ohne Operation“ – letztendlich begegnen Ihnen aber nur die neuesten Produkte der Pharmaindustrie und Vorschläge von „Spezialisten“, die Ihnen den Schmerz an der Wurzel ausreißen wollen, indem sie z.B. das entsprechende Gelenk, um das es da geht, einfach entfernen. Von individueller Behandlung, von naturheilkundlichen Methoden, von einer Heilung ist dann nicht mehr die Rede. Egal, um welchen Schmerz es sich dabei handelt: Wenn es um Schmerzursachen geht, ist der Menschen in den Augen dieser „Spezialisten“ eine Fehlkonstruktion, die mit Brachialeingriffen wieder korrigiert werden kann. Am Liebsten beschuldigt man dann den aufrechten Gang. Wenn der Mensch nicht vor Jahrmillionen Jahren auf diesen aufrechten Gang gekommen wäre, hätte er auch keine Knie- Hüft-, Rücken- oder Schulterschmerzen und müsste nicht operiert werden. Sie merken schon: Entweder Sie kriechen oder Sie lassen sich, sobald Sie ausgewachsen sind, mal am besten alle Gelenke austauschen.

Entnervt wenden Sie sich nun Büchern zur Schmerztherapie zu, von denen der Markt überquillt. Zum Großteil von Medizinjournalisten geschrieben, die persönlich noch keinen Patienten gesehen haben, sich das aber gut vorstellen können, geben sie detailgenau und mit bestechender Klarheit eine Zusammenfassung von Broschüren und Büchern wieder über bestimmte Heilmethoden oder Heilkonzepte und übernehmen aus Unkenntnis und Mangel an eigenen Erfahrungen häufig windige Konzepte, unbewiesene Behauptungen und längst widerlegte Thesen.

In dieses Wespennest stechen dann Bücher von Betroffenen oder Praktikern, die entweder selbst einen Weg aus dem Schmerz gefunden haben oder seit Jahren damit beschäftigt sind, Schmerzen ohne ideologische Scheuklappen zu lindern. Das Problem ist natürlich oft, dass gerade Betroffene nur eine Geschichte von vielen erzählen können. Für den großen Überblick fehlt ihnen die Erfahrung. Der Praktiker aber, der sich mit Schmerztherapie beschäftigt, kann leicht in den Fehler verfallen, die wenigen Kniffe, die er sich beigebracht hat, zu überschätzen. Außerdem wird ein Buch, das er zu diesem Thema verfasst, nicht selten am gleichen Problem kranken wie das Schrifttum von Meinungsmachern der Naturheilkunde, die das Forum, das ihnen zur Verfügung gestellt wird, als Gelegenheit zur Eigenwerbung missbrauchen.

In diesem Netz von Halbwahrheiten, Verkaufstricks und Geheimnistümelei muss sich der, der an Schmerzen leidet, seinen eigenen Weg zur Gesundheit suchen. Das geht nur, wenn er nach einer kurzen Vorstellung verschiedener Heilmethoden die Möglichkeit hat, nach einer einfachen Schilderung des Verfahrens gefahrlos und nebenwirkungsfrei diese Methode für sich auszuprobieren. Ich habe mich in diesem Buch vor allem auf Heilmethoden konzentriert, mit denen ich selbst Erfahrungen als Patient und Therapeut gemacht habe. Eingeflossen sind aber auch Erfahrungen, die mir Patienten weitergegeben haben. Deshalb kann es keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, denn jede Erfahrung ist limitiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den wenig besprochenen naturheilkundlichen Schmerztherapien und streift die Möglichkeiten der Schulmedizin nur am Rande.

Bevor Sie nun aber simple „Schmerzheilungsrezepte“ ausprobieren, ist es wichtig, den Schmerz in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Denn sobald Sie versuchen, intensiv daran zu arbeiten, werden Sie das meiste, das allgemein über den Schmerz behauptet wird, über Bord werfen müssen.

So werden Sie zugeben müssen, dass der Schmerz nicht isoliert von dem an ihm leidenden Menschen zu betrachten ist. Das ist es, was damit gemeint ist, wenn man manchmal hört, chronische Schmerzen seien individuell. Sie sind das kreative Produkt aus dem, was Sie aus Ihrer Lebenssituation gemacht haben. Daran hat Kränkung genauso Anteil wie persönliche Schuld. Im öffentlichen Diskurs lügen wir uns dann, wenn es um Schmerzen geht, durch die Bank und auf den verschiedensten Ebenen gegenseitig an, vor allem aber belügen wir uns selbst. Lesen Sie nur die Broschüren der Selbsthilfegruppen und Sie werden bald merken, dass darin über alles gesprochen wird, nur nicht darüber, in welchem Umfeld die Schmerzen entstanden sind. Da treffen sich 20, 30 Menschen in Fibromyalgie-Gruppen miteinander, die nichts gemeinsam haben als eine ähnliche Art von Schmerzen, und wundern sich, dass sie in dieser Gruppe keine Besserung erfahren.

Warum das so ist, liegt auf de Hand: Es wird auf das gemeinsame Symptom gestarrt wie das Kaninchen auf die Schlange, ohne zu erkennen, dass dieses Symptom nichts wirklich Verbindendes ist. Das Einzige, was man in einer Fibromyalgie-Gruppe an Positivem erfahren kann, ist gegenseitiges Verständnis und verschiedene Informationen darüber was angeblich gegen Schmerz hilft – Ihnen aber wahrscheinlich nicht helfen wird. Dabei reduziert sich vermutlich noch die Wahrscheinlichkeit, sich selbst und dem Kernkonflikt, an dem man leidet, näher zu kommen.

Meiner Erfahrung nach ist chronischer Schmerz das Ergebnis einer langen Entwicklung. Er kann durch unterdrückende Maßnahmen zwischendurch geschwächt, vielleicht auch zwischenzeitlich vertrieben werden. Aber er kehrt so lange wieder, solange die „Schmerzarbeit“, die ihn aufschlüsselt und löst, nicht geleistet ist. Sogar ein bisschen Psychotherapie und einige wenige, oft eher zufällig gewählte homöopathische mittel können dann, wenn jemand zu diesem Weg bereit ist, auch schon ausreichen. Der Weg ist immer wichtiger als die Hilfsmittel, die einen dabei begleiten.

Ein anderer falscher Mythos über de Schmerz ist der, dass Sie jemanden brauchen, um Ihre Schmerzen zu verteriben – wenn schon keine Selbsthilfegrupe, so doch einen Heiler oder Weisen. Wahrheit bleibt, dass jeder Schmerz, der – wie das alte Sprichwort sagt – von selbst gekommen ist, auch wieder von selbst gehen kann. Das hat nichts mit Spontanheilung zu tun, denn er geht nur, wenn er auch einen Grund hat, zu verschwinden. Das hat auch nichts mit Placebo zu tun, denn kein Schmerz lässt sich betrügen. Schmerzen verschwinden dann, wenn der Schmerzpatient sie gehen lässt; und sehr oft kann er das nur, wenn er den Konflikt, aus dem der Schmerz kam, gelöst hat.

Gelöst werden kann so ein krank machender Konflikt mitunter nur durch eine Begegnung von Therapeut und Patient, die über das klassische Verhältnis weit hinausgeht. Notwendig ist so eine Beziehung, wenn der Schmerz im Konflikt mit einem anderen Menschen entstanden ist. Dann kann einem auch nur ein anderer, der Stellvertreterrolle für den Schmerzauslöser einnimmt, wirklich helfen. Das setzt voraus, dass der Therapeut auch bereit ist, diese Projektion zuzulassen und sie intelligent zur Heilung einzusetzen versucht. Dem Schmerzpatienten nützt keine Symptomtherapie, er ist als Mensch da mit dem Ballast seiner ganzen Geschichte, die oft sogar über die eigene Geburt zurückreicht in das Spannungsfeld seiner Familie. Effektive Schmerztherapie kann manchmal nur erfolgen, wenn im Laufe einer Behandlungsserie von fünf oder zehn Therapiesitzungen eine innerliche Versöhnung im Behandelten erfolgt. Mit sich selbst, mit anderen. Das kann heißen, dass man Trost braucht. Meistens aber heißt es eher, dass man sich selbst Sünden zu verzeihen lernt, die man begangen hat.

Wenn Schmerzen nicht von selbst gegangen sind, das was sie ausgelöst hat, nicht verdaut werden kann, dann muss eine Umkehr im Leben passieren. Sonst ist trotz aller guten Heilmethoden, die schmerzlindernd sind, keine wirklich Heilung möglich. Das muss der Schmerzpatient wissen. Überhaupt muss er mit sich ins Reine kommen. Er muss die Kraft entwickeln, das, was ihn kaputtmacht, kaputtzuschlagen. Er muss dort verziehen, wo er Schlechtes erfahren hat, es muss ihm aber auch verziehen werden, wo er Schuld auf sich geladen hat.

Stellvertretend hat der Arzt sei Anbeginn der Zeit diesen seelischen Kernkonflikt immer wieder einmal lösen können und damit Erfolg gehabt. Er hat an Patienten rituelle Handlungen vollzogen, wie wir es vom Beichtvater der römisch-katholischen Kirche kennen. Er wollte helfen und hat allein dadurch geholfen. In dieser traditionellen Rolle liegt auch heute noch das Geheimnis erfolgreicher Therapien. Ein Arzt muss helfen wollen. Wenn der Patient dieses Bedürfnis spürt, wird er auf fast alle Therapien reagieren.

Therapien können Bewusstsein wecken, Verschüttetes zu Tage bringen und auf Konflikte aufmerksam machen, die dann nicht selten durch ein einfaches Gespräch oder simples Zuhören und Erfragen gelöst werden können. Dazu braucht es keine Spezialausbildung in menschlichem Miteinander. Der Arzt ist nämlich gerade dann, wenn menschliche Konflikte an die Oberfläche kommen, nicht als Therapeut, sondern als Mensch gefragt. Dafür gibt es keine festen Regeln außer denen des Mitgefühls, des Ehrgefühls und der Anständigkeit. Natürlich können auch andere Menschen – Freunde, Familienmitglieder – therapeutisch wirken.

Schmerz ist persönlich und verlangt einen persönlichen Weg zur Heilung. Schmerz ist ein Zeichen, die stumme Sprache des Körpers. Nur der, der diese Sprache erlernt, kann geheilt werden. Dieses Buch möchte keine fertigen Rezepte liefern, sondern möchte auch jenseits einer Arzt-Patient-Beziehung dem Einzelkämpfer die Grundvokabeln der Sprache des Schmerzes nahebringen – und Kniffe zeigen, wie man sie sich rascher aneignen kann.

(Dieser Text ist die Einleitung meines Buches „Schmerzen heilen – selbständig und sanft“, ca. 250 Seiten, ISBN 1451562845. Das Buch ist eine Neuauflage des Bestsellers „Die Schmerzmittellüge“)

Fett und aufgeregt mit Gluten und Glutamat

Gluten macht dick. Gluten macht rastlos. Wer wissen will, was Gluten aus Menschen macht, muss nur Kulturen wie die in Europa und Nordamerika studieren, in denen alles, was Fastfood oder auch Zwischenmahlzeit bedeutet, sich fast ausschließlich auf die Aufnahme von Gluten beschränkt.

Denn Gluten ist der wichtigste Inhaltsstoff von Weizen. Aber auch in Roggen, Gerste, Dinkel und Hafer ist es vorhanden. Es ist ein Eiweiß. Eiweiß gibt Kraft, das weiß jeder. Und dieses Eiweiß Gluten, das aus den Eiweißen Gliadin und Glutenin besteht, gibt besonders viel Kraft. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen Menschen, die Weizenprodukte essen und Menschen, die keine Weizenprodukte essen. Erstere sind nicht nur dicker als letztere und haben mehr Verdauungsprobleme, sondern sie haben auch mehr Kraft, denn sie essen mehr Eiweiß, das dazu noch den Vorteil hat, glutaminsäurereich zu sein.

Glutaminsäure ist ein natürliches Aufputschmittel. Was es leisten kann, weiß jeder, der beim Chinesen seine Dosis Glutamat abbekommen hat. Unter dem Namen „Umami“ war Mononatriumglutamat im Japan des frühen 20. Jahrhunderts der neueste Schrei und wurde von einem gewissen Herrn Kikunae Ikeda für die Massenvermarkung synthetisiert. Seither sind die Japaner wohl noch arbeitssamer als früher mal, und die Chinesen auch. Denn wenn man davon zuviel abkriegt, erlebt man einen epileptischen Anfall. In geringerer Dosis erhöht Glutamat die Anspannung der Muskeln des Körpers. Und als stetige Beigabe in die Nahrung macht es jedenfalls etwas nervös und getrieben und vielleicht auch etwas klüger, wie psychologische Studien zeigen.

Warum wir also Brot, Brötchen, Waffeln, Mehlspeisen, Knödel und Klöse, Pizza und Nudeln und all das essen? Nicht nur, weil es uns schmeckt – das tut es ja auch, weil da eine Vorstufe von Umami drin ist, und das ganz ohne Soyasoße – sondern, weil es uns antreibt wie Kaffee.

Glutenländer haben Männer, die ab 40 einen unschönen Bauch haben, was man anderswo nicht unbedingt kennt. Einen aufgetriebenen Bauch mit Blähungen und unregelmäßigem Stuhlgang. Wer aufhört, Gluten zu essen, der kriegt wieder einen flacheren Bauch und sieht auch jünger aus. Die Fettschicht, die sich um den Nabel gebildet hat, geht zurück. Denn es stellt sich heraus, dass das „Fettgewebe“ nicht immer „Fettgewebe“ ist, sondern auch einfach Gewebe sein kann, dass in der Nähe von Magen und Darm liegt, wo Gluten alles verklebt. Denn dafür ist es ja im Wesentlichen gut. Ohne Gluten hält kein Brot, hält keine Breze zusammen. Alles Backwerk lebt von der Bindekraft des Glutens, die ein bißchen an Patex erinnert. Klebt gut, doch ob es unbedingt bekömmlich ist?

Bis zu ein Prozent der Menschen gelten als glutenunverträglich. Diese Damen und Herren haben ganz offiziell, was man eine Zöliakie nennt. Aufgetriebener Bauch, schlechtes Gedeihen von Kindern, Durchfälle. Ich würde schätzen, dass 40 % der Menschen über 40 eine Glutenunverträglichkeit hat, die man nicht so leicht in Zahlen fassen und im Labor abklären kann. Es reicht eigentlich, ihnen auf den Bauch zu schauen. Ein Großteil der Bäuche, die über den Hosenbund ins Weite drängen, haben mit der Freude an der Nahrungsaufnahme nichts zu tun. Es sind verklebte Bäuche, die nach Freiheit rufen. Sie tun das in der Sprache des Darms, die nicht immer angenehm zu hören und vor allem zu riechen ist.

Und diese Menschen haben auch etwas Rastloses und schlafen nicht gut, denn sie sind Glutamat-Junkies geworden. Schon morgens beißen sie in ein Weizenmachwerk, das von der flächendeckenden Anzahl der Weizenbäcker angeboten wird, bevor alle anderen Läden aufmachen, und trinken dazu ihren Kaffee. Und dann wundern sie sich, warum sie tagsüber nicht mehr „runterkommen“ können und nachts schon gar nicht.

Glutenunverträgliche aller Länder, vereinigt euch! Wir brauchen glutenfreie Imbissstuben und Cafes! Wir wollen Reiswaffeln und Maiswaffeln und glutenfreies Gebäck überall und zu jeder Zeit und dazu gemütlich den guten alten Zichorienkaffee trinken. Die Wegwarte hat kein Gluten, wohl aber der sonst angebotene Getreidekaffee. Aber das ist wieder ein anderes Kapitel.

Grippe: Müssen Sie sich impfen lassen?

Nun da die Aufregung über die Neue Grippe etwas abgeflaut ist, können wir ruhiger über Impfungen reden. Wenigen werden die Mechanismen entgangen sein, mit denen in diesem Gesundheitssektor Umsatzsteigerungen für die Hersteller von Impfstoffen erzeugt werden. Am Anfang standen die ungerechtfertigte Einstufung der Schweinegrippenwelle als Epidemie durch Impfexperten und unendlicher Druck auf Gesundheitspolitiker, vorsorglich Impfstoffe anzuschaffen. Dann erfolgte Druck auf die Ärzte, indem man 10 Impfstoffe gemeinsam in eine Ampulle packte und damit Praxispersonal dazu motivierte, den gesamten Patientenkreis abzutelefonieren und „Einbestellungen“ vorzunehmen, die sonst wohl nicht passiert werden, und auch das aus dem einfachen Grund, dass sonst die Durchführung der Impfung durch Hausärzte für diese ein riesiges Verlustgeschäft gewesen wäre. Auch die Politik ist auf Millionen Impfdosen sitzen geblieben und es klafft nun ein Multimillionenloch, das entweder der Steuerzahler oder die Krankenversicherten zahlen müssen. Jedenfalls Menschen, die diese Leistung weder gewollt noch überhaupt angefordert haben.

Es werden im Gesundheitsbereich immer wieder solche Raubzüge durchgeführt, deren Gewinner letztendlich Pharmakonzerne und ihre Aktionäre sind. Das ist ärgerlich und vergleichbar mit den Einfällen rauer Völker im Römischen Reich der Antike, die letztlich zum Zusammenbruch des Gemeinwesens und der dunklen Periode geführt haben, die wir das Mittelalter nennen. Eine Zeit, in der unter anderem auch das zuvor von griechischen Ärzten und zahlreichen Heilstätten garantierte Gesundheitswesen zusammenbrach.

Diese Verhältnisse sollten uns nicht vergessen lassen, dass Impfungen durchaus hilfreich sein können und wahrscheinlich einen gewissen Teil dazu beigetragen haben, dass wir länger und besser leben. Überschätzen sollte man diese Wirkung nicht. Auch die Tuberkulose ist in Europa weitgehend ausgestorben, obwohl es keine Impfungen gab. Aber immerhin: Pockenepidemien gibt es seither nicht mehr. Dieser Erfolg des Durchimpfens einer Bevölkerung hat dazu geführt, dass man in manchen Staaten nicht einreisen darf, ohne ein aussagekräftiges Impfheft mitzuführen, das beweisen möchte, dass man keine Gefahr für die Volksgesundheit des Gastlandes darstellt.

Hier beginnt schon der allgemeine Selbstbetrug. Dass Sie einen Stempel im Impfpass haben, heißt eigentlich nur, dass Sie jemand geimpft hat. Ob diese Impfung tatsächlich „angegangen“ ist, also eine Immunreaktion ausgelöst hat, die in der Bildung von Antikörpern mündete, die einen effektiven Schutz gegen das Virus darstellen, weiß keiner, der nicht die Antikörperspiegel im Blut, den so genannten Impftiter, misst. Das tun aber nur sehr wenige.

Es wird geschätzt, dass eine Grippeimpfung nur in etwa der Hälfte der Fälle einen effektiven Schutz auslösen kann. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass man Impfreaktionen, die Impflinge besonders fürchten, vermeiden möchte und deshalb die Zugabe von „Verstärkern“ scheut. Diese machen Nebenwirkungen, bewirken aber auch häufiger einen effektiven Schutz. Deshalb steht der Impfstoffhersteller im Wesentlichen vor der Frage, ob er entweder einen wirkungsarmen Impfstoff herausgibt, der von einer breiten Masse angenommen wird und nicht zurückgezogen werden muss oder einen wirkungsvollen Impfstoff, der womöglich aufgrund zahlreicher Beschwerden und Probleme aus dem Verkehr gezogen werden muss, bevor er Gewinne einspielen kann.

Für den Konsumenten – zu dem Menschen im Gesundheitsbereich zunehmend gemacht werden – gilt es hier vor allem zwei Fragen zu beantworten: Bin ich bereit, die Krankheit, die durch die Schutzimpfung hervorgerufen werden könnte, notfalls selbst durchzumachen? Und: Kann ich es für mich verantworten, im Krankheitsfall jemand anderen anzustecken?

Man sollte sich also nur gegen etwas impfen lassen, dessen mögliche Schädigungen man fürchtet. Dazu gehören beispielsweise Tetanus, der Wundstarrkrampf, der Höllenqualen verursacht und oft tödlich ist. Oder Polio, die Kinderlähmung, die auch bei Erwachsenen schwere Lähmung hervorrufen kann. Kann man das Erkrankungsrisiko mindern – beispielsweise im ersteren Fall, indem man das Verletzungsrisiko und schmutzige Wunden verursacht oder im zweiten Fall nicht in Gebiete reist, in denen Polio grassiert, wird man eher von der Impfung Abstand nehmen. Bei einer Grippe weiß man nie, wie schwer sie sich auswirken wird. Die in der Öffentlichkeit genannten Sterbeziffern halte ich persönlich für übertrieben. Persönlich ist mir in 20 Jahren Praxis kein Grippetoter bekannt geworden. Deshalb steht für mich fest, dass eine relativ harmlose Grippewelle wie die Schweinegrippe 2009 einen guten Anlass darstellt, Wirkspiegel gegen künftige H1N1-Viren aufzubauen. Je mehr Leute sich dabei infiziert hätten, desto besser wäre es für die Volksgesundheit gewesen. Anstatt Milliarden für Impfstoffe bereit zustellen, hätte die Gesundheitspolitik Sangria-Partys in allen deutschen Städten veranstalten sollen. Mehr Spass hätte das gebracht, billiger wäre es gewesen, und es wäre zu erwarten, dass Menschen, die die Schweinegrippe mitgemacht hätten, einen weit effektiveren Schutz aufgebaut hätten als durch jede Impfung.

Zweite Frage: Ist es zu verantworten, dass man im Krankheitsfall jemanden ansteckt? Alte und geschwächte Menschen haben angeblich ein anfälligeres Immunsystem als andere. Ob diese weitläufig verbreitete Meinung stimmt, weiß keiner. Wohl aber gibt es Studien, die zeigen, dass gerade alte Menschen, die in ihrer Jugend häufig virale Infekte durchgemacht haben, ein weit stabileres Immunsystem haben als Vielgeimpfte der jüngeren Generation.

Deshalb können Sie das moralische Dilemma der Ansteckbarkeit am Ehesten dadurch lösen, dass Sie Sicherheitsvorkehrungen im Erkrankungsfall treffen. Wenn Sie ein Virus aufgeschnappt haben, ziehen Sie sich eine Woche lang zurück. Wo das nicht geht, desinfizieren Sie häufig ihre Hände, da virale Infektionen besonders auf diesem Weg übertragen werden. Ermuntern Sie Menschen Ihrer nächsten Umgebung, sich möglichst zu schützen, sofern diese nicht selbst die Gelegenheit nutzen wollen, sich gegen ein Virus auf natürlichem Weg – nämlich durch eine Erkrankung – zu immunisieren. Halten Sie sich von Menschen fern, die Sie keinesfalls infizieren wollen, zum Beispiel Babys oder schwer kranke Menschen.

Nach meiner Erfahrung kann das Schüßler-Salz Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12, mindestens 20 Tabletten kurz hintereinander einzeln gelutscht, einen Großteil von viralen Infekten im Frühstadium überwenden, bevor sie ausbrechen. Auch andere Methoden wie die Gabe von Umckaloabo oder die einmalige Einnahme von 5 Eupatorium perfoliatum D12 Kügelchen wirken lindernd auf grippale Infekte.

Ferrum phosphoricum und die Eiseninfusion

Der Basler Internist Dr. Beat Schaub hat seit den 1990er Jahren in der Schweiz etwas Großes vollbracht. Was vorher bei vielen Patienten Depression oder Erschöpfungssyndrom oder was weiß ich hieß, ist jetzt als Eisenmangelsyndrom erkannt. Frauen mit Regelblutung im Alter zwischen 20 und 50 Jahren leiden öfters darunter. Wenn sie dann eine Serie von Eiseninfusionen bekommen haben, ist es erstaunlich zu sehen, wie beschwingt und kraftvoll und ganz in ihrer Mitte dieser Frauen dann sind. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass ein Großteil der Schweizer Hausärzte aber auch Fachärzte wie Neurologen Eiseninfusionen durchführen, wenn sie einen niedrigen Ferritinspiegel (Gesamtkörpereisen) gemessen haben. Auch in Deutschland gibt es manche Ärzte, die sich als Eisenzentrum deklariert haben.(Näheres zum Eisenmangelsyndrom und den Zentren: www.eisenzentrum.org)

In meiner eher naturheilkundlichen Praxis stellt sich hier sehr häufig die Frage, ob man nicht mit Schüßler-Salzen und anderen Maßnahmen den gleichen Effekt haben könnte. Meine Antwort lautet eher nein. Insgesamt ist das ja ein komplexes Thema. Einen Eisenmangel kann man durch eine sehr einfach zu bestimmende Ursache entwickeln. Die häufige oder zu starke Regelblutung ist das eine – dahinter kann sich ja auch noch eine andere Krankheit verbergen, die man auch behandeln muss. Dann gibt es konsumierende Krankheiten, von Entzündungen bis hin zu Krebs, die Eisenmangel hervorrufen dadurch, dass zuviel verbraucht wird. Oder Magen- und Darmkrankheiten, die erklären, warum man zuwenig Eisen aufnimmt. Wir haben hier also einerseits eine Situation, bei der man nicht genau weiß, ob es mit einem bloßen Ersatz von Eisen getan sein wird. Und wenn man zu dem Schluss gekommen ist, es ersetzen zu wollen, ist noch nicht klar, ob dieses einfach über die Nahrung passieren kann oder ob man andere Wege gehen muss. Und wenn man einen anderen Weg geht, weiss man ja von der sanften Medizin, dass man hier ein Mittel finden muss, das sehr gut auf die Krankheit „passt“. Denn sonst kann es passieren, dass man sehr lange herumdoktert, und verbessert hat sich eher nichts.

Trotzdem hat die Naturheilkunde hier große Möglichkeiten. Nehmen wir einmal an, Sie waren beim Arzt und sind bis auf Ihren Eisenmangel „eigentlich gesund“. Sie haben zwar ein Gesamtkörpereisen um 10 mg/dl

Wann ist eine Schilddrüse mit Hashimoto gesund?

Seitdem ich vor drei Jahren mit meinem Ratgeber „Die Schilddrüse“ an die Öffentlichkeit getreten bin, besuchen mit Patienten mit der Hashimoto-Thyreoiditis aus ganz Deutschland. Die häufigste Frage, die sie dabei stellen ist: Ich habe eine Hashimoto-Erkrankung. Wie weiß ich, wie gefährlich sie ist? Muss ich befürchten, dass sie sich unter dieser Entzündung innerhalb eines Jahres auflöst? Hilft es, diesen Prozess mit der Gabe von Schilddrüsenhormon (L-Thyroxin) zu verzögern?

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Die Hashimoto-Erkrankung tritt in krisenhaften Lebenssituationen auf. Wenn diese sich wieder auflösen, lässt in den meisten Fällen auch der Entzündungsprozess nach, bis er sich wieder ganz verflüchtigt. Eine Hashimoto zu haben ist genauso eine Dauerdiagnose wie Bandscheibenvorfall. Wichtig ist es, solche Erkrankungen im Akutfall gut zu behandeln. Je länger sie zurückliegen, desto harmloser sind sie auch.

Leider gibt es unter Ärzten keine Übereinstimmung darüber, wie aktiv die Hashimoto-Erkrankung ist. Vor einer Weile hielt ich einen Vortrag vor Kollegen in Wuppertal über die ganzheitliche Behandlung der Schilddrüse, und in einem Saal zahlreicher erfahrener Ärzte gab es die unterschiedlichsten Wortmeldungen zum Thema. Da sind welche, die meinen, die Schilddrüse sei dem Untergang geweiht, egal, was man tut. Andere sagen, wenn die Antikörper hoch sind, sei das egal, Hauptsache, dem Patienten gehe es gut. Und andere sagen, dass hohe Antikörper eine Katastrophe sind. Übereinstimmung herrscht zumindest unter Schulmedizinern vor allem darüber, dass man nichts machen kann außer Schilddrüsenhormon zu geben, wenn die Schilddrüse kaputt ist, und sich bei der Nahrung mit jodhaltigen Speisen wie Seefisch oder Jodsalz zurückzuhalten.

Meine Meinung dazu: Die Höhe der Antikörperspiegel (TPO-AK (MAK) und TAK) sagen aus, wie schwerwiegend die Krankheit ist. Ein TPO von 5000 U/ml ist schlecht, eines von 60 sehr gut, wenn auch nicht im Normbereich. Wenn man die Spiegel herunter kriegt, geht es den Menschen gut. Sonst nicht. Wer über Jahre einen niedrigen Spiegel hat, ist geheilt.

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist heilbar. Entweder die Krankheit brennt von selbst aus, weil die Betroffenen ihre Lebenskrise überwinden oder manchmal auch einfach, weil sie jodarm essen. Oder sie verbessert sich, wie ich zu beobachten meine, durch Homöopathie und Schüßler-Salze. Welche Mittel da zur Anwendung kommen, muss der Arzt oder Heilpraktiker herausfinden. Schön ist es aber immer wieder zu sehen, wie schnell manchmal von einem gut gewählten Mittel eine Verbesserung der Beschwerden auf aller Linie eintritt und dabei auch die Antikörperspiegel heruntergehen.

Dr. med. Berndt Rieger