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Krampfadern verkleben, verdampfen oder mit Kochsalzlösung behandeln?

„Schonende“ Verfahren der Krampfadertherapie gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Es ist in Deutschland, einem Land, in dem viele Millionen Menschen Krampfadern haben und viele Behandlungsmöglichkeiten suchen, ein Milliardengeschäft. Die Krankenkasse bezahlt im Prinzip nur die Operation, das Herausreißen, mit dem starke Vernarbungen entstehen, was bleibende Schäden verursachen kann und durch Narbenbildung meist das Problem nicht löst. Nach einigen Jahren haben Sie wieder Krampfadern. Warum diese Behandlungsmethode noch als Therapiestandard gilt, ist mir schleierhaft. Zyniker könnten vermuten, dass die Methode so abschreckend wirkt, dass sich wenige Menschen ihren Qualen unterziehen, was einen Einsparungseffekt haben könnte.

Was gibt es sonst noch? Die tausende Ärzte, die Polidocanol, einen Schaumbildner, spritzen. Schreckliche Sache, denn Embolien sind die unweigerliche Folge. Vielleicht kleine Infarkte, die man gar nicht so sehr merkt, aber doch schädlich. Und dazu gibt es oft dunkelbraune Verfärbungen, Verhärtungen, Fremdkörperreaktionen – und wieder neue Krampfadern. Warum es diese Methode noch gibt? Weil die Firma Kreussler aus Wiesbaden, die das Produkt herstellt, eine Menge Arbeit in die Ausbildung von Ärzten gesteckt und sich ein großes Netz von Therapeuten aufgebaut hat. Einen ähnlichen Weg geht jetzt die amerikanische Firma Sapheon, die in den letzten Wochen die deutschen Medien bearbeitet hat. Soll eine tolles Sachen sein, das Verkleben von Adern. Schmerzlos, kosmetisch sehr befriedigend etc. Auf der Webseite sapheon.com findet man wenig Infos darüber, wie das gemacht wird, deshalb an dieser Stelle einige Überlegungen.

Wenn man etwas in die Ader spritzt, um sie zu verschließen, dann nennt man das traditionellerweise eine Verödung. Denn die Ader bleibt im Körper, nur eben verschlossen. Das Blut kann dann in einer Krampfader nicht mehr von oben nach unten ins Bein zurückfließen, und man wird damit Stauungsprobleme beheben können. Verödet wurde vor hundert Jahren – und vielfach auch heute noch –  in Amerika  mit Phenol. Da ist eine körperfremde Substanz, die einen starken Reiz auf Körpergewebe ausübt. Es entsteht eine Entzündung, weil der Körper das Gift einmauern möchte, mit Verhärtung und Verschluss von Adern. Das Phenol wird bei der Firma Sapheon durch einen Acrylatkleber ersetzt, dessen genaue Zusammensetzung nicht bekannt gegeben wird. Acrylatkleber kennen Sie vielleicht vom Sekundenkleber und ähnlichen Produkten. Es sind wirklich Kleber, mit denen man beispielsweise Kunststoff mit Metall verkleben kann. Wasserlöslich sind sie auch, aber ähnlich wie beim Sekundenkleber auf eine Art, dass sie nicht schmierig, sonder bröcklig werden und sich dabei weiß verfärben. Wenn Sie das schon einmal auf der Haut kleben hatten, wissen Sie genau, was im Inneren Ihrer Krampfader stattfindet, wenn man das hinein spritzt. Fest steht an dieser Stelle schon einmal, dass wir es hier mit einer Verödungsmaßnahme zu tun haben, bei der Sie Ihre Adern nicht los werden, sondern als harte Stränge im Gewebe fühlen können.

Verklebte Adern können sich im Laufe von mehreren Jahren auflösen, wie man aus der Gefäßchirurgie weiß, wo man die Acrylatkleber schon länger einsetzt. Wenn Sie ein Aneurysma haben, also ein aufgeweitetes Gefäß mit weicher Wand, das zu platzen droht, dann kann man dort den Kleber hinein spritzen, und das in mehreren Sitzungen, bis das Gefäß voll harter Masse ist.  Normalerweise bleibt es Ihnen nun als ein harter Klumpen erhalten. Man kann aber beispielsweise durch Röntgenbestrahlung eine Entzündung in dieser Masse auslösen, und dann wird der Körper gezwungen, sie nach und nach abzubauen. Vielleicht tut er das, vielleicht auch nicht.

Ich schreibe das, weil ich selbst seit mehreren Jahren mit dem Einspritzen von hochprozentiger Kochsalzlösung zugange bin und mich freue, dass sich dabei die Krampfadern in vielen Fällen auflösen. Es ist eine natürliche, biologische und relativ sanfte Entfernung der Krampfadern, die es schon seit über 100 Jahren gibt und die auch in über 100.000 dokumentierten Fällen angewandt wurde. Eine schöne Sache, benannt nach Prof. Linser oder Dr. Bruker oder Dr. Köster oder eben nach mir, weil alle Beteiligten  ihren Beitrag zur Schaffung und Verfeinerung der Methode geleistet haben. Die Schwierigkeit der Kochsalztherapie ist es, die richtige Dosis zu finden, und nur die Innenschicht der Krampfader damit zu reizen. Wenn das gelingt, wird sie sich selbst unter Nutzung körpereigener Mechanismen und ohne Belastung für den Körper im Laufe einiger Monate auflösen. Diese Behandlung ist keine Verödung, sondern eine Entfernung der Ader unter Vermeidung von Narben. Die beste Methode, wie ich meine. Damit ist die Methode des Verklebens mit Acrylat nicht zu vergleichen. Es ist absurd, dass man überhaupt versucht, diese neue Holzhammermethode bekannt zu machen und damit viele Menschen zu quälen. Zyniker würden an dieser Stelle sagen: There is no business like showbusiness. Das ist gilt auch für die Medizin. Und es wirkt. Einige Anfragen haben mich bereits erreicht von Menschen, die Termine bei mir absagen, weil sie das neue Verkleben unbedingt probieren wollen.

Noch was Neues ist los auf dem Krampfadernmarkt. Das Verdampfen von Krampfadern. Man nennt es bei uns neudeutsch Steam Vein Sclerosis. Die Firma Gutmann vertreibt bei uns dieses kleine Gerät, eine Art Wasserkocher, den man an einen Katheter anschließen kann, der in die Krampfader eingeschoben werden soll. An der Spitze wird dann wohldosiert Dampf abgegeben, was die Vene im Inneren reizt und durch Verkochen zum Schrumpfen bringt. Dieses Verfahren ist keineswegs neu, wenn auch in dieser Ausprägung noch schonender als die Vorläufer Laser- und Radiowellenbehandlung. Beim Laser hat man zum Teil mehrere tausend Grad Hitze erreicht, bei der Radiowelle zumindest Schmortemperatur. So meinte man, Krampfadern im Inneren „schonend“ verschließen zu können. Viele Studien gab es dazu, die ziemliche Harmlosigkeit bescheinigten. Aber auch andere, die Schäden auflisteten, die der Operation in nichts nachstehen. Es mag heute noch viele Krampfaderpatienten geben, die mehrere tausend Euro für eine Laserbehandlung oder Radiowellentherapie nach Pröbstle ausgeben. Aber herumgesprochen hat es sich doch, dass diese Verfahren ihre Versprechen nicht immer einhalten und oft der Schaden größer ist als der Nutzen. Also nun die Steam Vein Sclerosis. Ziemlich neues Produkt, wenig Erfahrung damit. Aber freilich wieder aufgeregte Patienten, die mich fragen, ob ich nun darauf umsteigen würde, es wäre ja doch das beste Verfahren, um Krampfadern zu verschließen.

Nein, liebe Patienten, das ist es nicht. Mit der Kochsalztherapie habe ich eine Methode an der Hand, die bei richtiger und sorgsamer Anwendung Effekte erzielt, die alle anderen Techniken nicht erreichen können. Ich kann Adern damit verschließen und zur Auflösung bringen. Ich nutze die Heiltechniken des Körpers und kann dadurch auch positive Fernwirkungen erzielen. Beispielsweise durch Behandlung einer Ader, die durch Nervengeflechte mit einer Stelle im Rücken verbunden ist, die häufig Schmerzen bereitet. So kann die Entfernung von Krampfadern zur effektiven Rückenschmerztherapie werden, eine Form der Neuraltherapie. Man hat mit der Kochsalztherapie aber auch einen Mechanismus, der es dem Körper erlaubt, manche Adern eben nicht zu verschließen, wenn er der Ansicht ist, dass diese für die Durchblutung noch gebraucht werden. Dann kann er in den meisten Fällen eine behandelte Ader auch wieder eröffnen und die Behandlung rückgängig machen.

Kurz zusammengefasst: Operationen, Laser, Radiowelle, Schaum, Kleber und Dampf sind bei der Behandlung von Krampfadern Mist.

Es lebe die sanfte Krampfadernentfernung mittels Kochsalztherapie!