Archiv der Kategorie: Erschöpfung

Die echte Paläo-Diät (für Hashimoto)

Die häufigste Frage, die mir Patienten mit Hashimoto stellen, ist die nach der richtigen Ernährung. Dazu gibt es – abgesehen von der häufig wiederholten Empfehlung, glutenfrei zu essen – im Netz zahllose Empfehlungen, die sich mitunter auch gegenseitig ausschließen. Das hat damit zu tun, dass Menschen einen sehr verschiedenen Stoffwechsel haben. Man kann das testen, indem man den Blutzuckerspiegel überprüft, nachdem Menschen dieses oder jenes verspeist haben. Wenn Sie beispielsweise Eier essen, steigt bei manchen Menschen danach der Blutzucker, bei anderen aber nicht. Ebenso ist es, wenn jemand Nudeln isst. Oder Obst. Oder Fleisch. Der eine spürt einen Energieschub und der Blutzucker steigt, bei anderen bleibt diese Reaktion aus. Die Antwort des Stoffwechsels ist unterschiedlich, und seine Bedürfnisse auch. Deshalb kann es auch keine pauschalen Empfehlungen zur „richtigen“ Ernährung geben, die auf alle zutreffen.

Wenn jemand eine entzündliche Krankheit hat wie die Hashimoto-Thyreoiditis, die auch noch eine Autoimmunkomponente aufweist, ist es interessant, die Bakterienflora im Darm zu untersuchen. Eine Fehlbesiedlung zu beheben hat schon viele Fälle einer aktiven Hashimoto-Thyreoiditis geheilt. Warum? Weil Bakterien sowohl die Verdauung und die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln verbessern, als auch Vitalstoffe bereitstellen, und das Immunsystem schulen können. Unter den etwa 1500 Bakterien unseres Darms gibt es manche, die uns eher nützen und andere, die uns eher schaden. Der Körper versucht schädliche abzustoßen, soweit das geht, und nützliche einzuhegen, um die Verweildauer zu fördern. Doch im Großen und Ganzen resultiert die Bakterienbesiedlung aus dem, was wir essen und was dann in uns auch Futter findet. Das heißt, wir nehmen Bakterien auf und wir ernähren sie abhängig davon, was wir essen. Da gibt es verschiedene Gelüste einzelner Bakterien; die wahren Freunde aber sind jene, die pflanzliche Ballaststoffe aufspalten können und das auch gerne tun, während unsere Feinde unter den Bakterien am Liebsten Zucker und Gluten schnabulieren.  Und diese Bakterien zerstören die Schleimschicht im Darm und oder verändern die Durchlässigkeit des Darms auf Nahrungsmittel im Sinne eines Leaky Gut und stören den Verdauungsvorgang und dadurch auch die Aufnahme von Vitalstoffen und vieles andere mehr, was eine Entzündungsbereitschaft im Körper fördern und das Immunsystem zerrütten kann.

Wenn das so ist, dann geht auf der Suche nach einer für die Schilddrüsengesundheit günstige Nahrung unser Blick automatisch auf Ernährungsweisen, wie sie in der Paläo-Diät propagiert werden: So essen wie die Steinzeitmenschen. Das müsste eigentlich gut sein bei Hashimoto. Zuckerreiches meiden, kein Gluten, viele gute Bakterien. Dabei ist die Frage zu klären, was ursprüngliche Nahrung bedeutet, also jene, unter der wir entstanden sind, und was für uns bekömmlich und gesundheitsfördernd ist. Wir Menschen sind ja vor etwa 7 Millionen Jahren nicht in Europa entstanden, sondern wahrscheinlich in einem nördlichen Afrika, das von Dschungel bestanden war. Dementsprechend wird unsere ursprüngliche Diät etwa der von Menschenaffen entsprochen haben: Mitunter ein Tier, meist Obst oder eine Nuss, mal ein Vogelei. Das Obst wächst dort in der Wärme eines Tropenwaldes weit größer und nahrhafter heran, und ist ziemlich zuckerreich, ganz anders als in kühleren Regionen, wo die Früchte klein sind, und wo dann neben Insekten, Pilzen und Nüssen vielleicht auch noch Blätter oder Wurzeln oder Rinden in Notzeiten verspeist werden müssen, die riesige Ballaststoffanteile enthalten. Waren wir früher denn Tiere, die auch regelmäßig Gras  zu ihrer Nahrung zählten, wie das bei Affen der Fall ist? Fressen Affen Gras, weil sie diese Ballaststoffe brauchen? Und danach die weitere Frage: Wie weit zurück müssen wir gehen, um die für uns physiologische, beste Nahrung zu suchen? Gehen wir zurück über Millionen von Jahren, dann müssten wir uns mit Südfrüchten wohl fühlen, die in einem warmen Klima entstanden sind, und sollten viel Fruchtzucker vertragen können. Dann wäre die beste Nahrung wohl in Früchten zu suchen, die wir im Supermarkt finden und die aus warmen Klimazonen herangebracht werden. Gehen wir davon aus, dass sich der Mensch genetisch verändert hat und sich einzelnen Klimazonen und dem Nahrungsangebot angepasst hat, müssten wir umdenken. Wir wissen ja, dass Viehzucht treibende Völker nach einigen hunderten von Jahren Kuhmilch vertragen und besser zu verdauen lernen und dass diese Fähigkeit nicht innerhalb einer Generation verschwindet. Deshalb müssten wir, wenn wir uns „Paläo“ ernähren wollen, eher nach dem gehen, was vor einigen tausenden Jahren in Europa zur Speisekarte gehörte.

Die Steinzeit beginnt ja eigentlich in Afrika vor etwa 3,5 Millionen Jahren und in Europa vor etwa einer Million Jahre, und sie reicht bis vor etwa 5000 Jahren. Wahrscheinlich reicht unsere heutige Genetik einige zehntausend Jahre zurück und hat sich seither kaum geändert. Wenn das so ist, dann müsste unser Stoffwechsel in der Steinzeit von den Bedingungen geprägt worden sein, die damals in Mitteleuropa herrschten und denen unsere näheren Vorfahren ausgesetzt waren.  Sie haben gejagt und sie haben sich sonst alles Essbare im pflanzlichen Bereich zusammengesucht, was sie finden konnten.  Wenn sie Fleisch aßen, dann das ganze Tier – ein Vorgehen, wie das ja auch Raubtiere machen, die sich nicht nur die Muskeln der Beutetiere rauslösen. Da wurde nichts weggeworfen. Sie aßen die Beeren und andere Früchte, die der Wald ohne Züchtungen hergibt,  und seit Jahrmillionen bereitstellt für meist viel kleinere Lebewesen. Stellen Sie sich die Früchte nicht zu groß vor, eher wie Hagebutten, oder eben kleine Heidelbeeren und Walderdbeeren. In den Metamorphosen Ovids finden sich in der frühen Geschichte der Menschen im Goldenen Zeitalter als paradiesische Früchte noch die Kirsche, die Brombeere und Eicheln, erst in späterer Zeit gibt es den goldenen Apfel des Paris als Ausdruck der Obstveredelung im alten Griechenland, lange nach der Steinzeit. Damals aß man, was weich an vielen Pflanzen ist, die Triebe und die Wurzeln, und darunter beispielsweise die wilde Möhre, die erst  durch Jahrtausende lange Züchtung zu jener Möhre herangewachsen ist, die wir heute kennen. Damals hatte sie nur einen sehr geringen Anteil an Kohlenhydraten und war sehr bitter, wie Sie merken werden, wenn Sie heute an einer Wiese anhalten und sich eine Wilde Möhre ausgraben und kosten. Generell wurde sehr viel Bitteres gegessen, 100 x mehr als heute, und das nicht nur in der Steinzeit, sondern in den meisten  Jahrhunderten seitdem, und das vor nicht allzu langer Zeit. Eine Hildegard von Bingen baute im 12. Jahrhundert nach Christus noch ganz selbstverständlich Wurzeln in ihre Heilmittelempfehlungen ein, die uns heute schon weitgehend unbekannt geworden sind wie Bertram oder Galgant, die aber damals noch selbstverständlich Eingang in die Suppe fanden. Und damals gab es die Zuchtmöhren gar nicht, die wir heute als normal ansehen und die schon süß schmecken. Essen Sie hingegen mal die nahe verwandte, aber nicht so stark hochgezüchtete Pastinake und Sie spüren gleich eine Ahnung davon, wie Wurzelgemüse früher waren: Vor allem herb, ballaststoffreich, zum langen Kauen einladend, und  eher schlecht verdaulich. Ebenso hat man früher ganz natürlich die Eicheln zum Verspeisen gesammelt und daraus – verbunden mit Roggen, Dinkel oder Buchweizen – Brot gemacht, eine Praktik, die in Europa in den frühen 1940er Jahren wieder entdeckt wurde wie zu allen anderen Hungerzeiten. Etwa 10% davon sind Kohlenhydrate und 90% Ballaststoffe, was uns Wohlstandsmenschen wenig anspricht. Schweine können das akzeptieren und verspeisen die Eicheln auch, der Wohlstandsmensch aber nicht mehr. Und dabei entgehen ihm Ballaststoffe, wie sie für den Steinzeitmenschen normal waren, und die günstige Bakterien ernähren. Der Steinzeitmensch war überhaupt nicht wählerisch, wie archäologische Funde beweisen. Er war ein Allesfresser, und je nach Jahreszeit unterschied sich das, was er aß, sehr stark. Die Jahreszeiten überlappend findet man alles, was man konservieren kann: Nüsse zum Beispiel. Haselnüsse sind auch in ursprünglicher, nicht gezüchteter Form schon ansehnlich in der Größe, gut zu transportieren und auch im Geschmack und vom Gehalt her eine Köstlichkeit. Äpfel oder Birnen sind da weit weniger haltbar, und ursprünglich auch weit weniger interessant, bis sie unter der Züchtung groß und köstlich geworden waren. Es stehen heute noch genug Apfel- oder Birnbäume, deren Früchte ein Mensch, der im Supermarkt einkauft, längst verschmäht, weil sie ihm zu klein und zu wenig „schmackhaft“, das heißt, zu wenig zuckerreich erscheinen. Das heißt natürlich auch, dass Produkte, die heute als „Paläo“ angeboten werden, im Wesentlichen eine Sammlung von Gemüse und Obst sind, die es damals in unseren Breiten gar nicht oder höchstens in einer unscheinbaren, kaum genießbaren Vorstufe gab, und dass das Fleisch, dass man heute als „Paläo“ verzehrt, nur einen kleinen, ebenso überzüchteten und mit Zusatzstoffen wie Hormonen oder Antibiotika verdorbenen Teil eines Tieres darstellt, den man ursprünglich im Ganzen zu sich nahm. 90% des Gehalts eines Tieres verschmähen wir ja, ganz im Gegensatz zu Raubtieren, die alles an einem Tier essen, mit Haut und Haaren, mitunter unter Aussparung der sehr bitteren Galle, wie man bei Katzen beobachten kann. Noch die Römer aber aßen beispielsweise vor 2000 Jahren noch alles vom Tier und bereiteten daraus tausende verschiedene Köstlichkeiten zu. Aber wer isst heute noch Auge oder Hirn oder Darm oder Milz? Entsprechend aber verdient alles, was heute als „Paläo“ bezeichnet und praktiziert wird, den Namen nicht, und erfüllt auch nicht den Anspruch, mit jener Nahrung in Verbindung zu stehen, die in der Steinzeit für uns maßgeblich war und zu unserer genetischen Zusammensetzung und den Bedürfnissen des Körpers passt.

Einiges aber vom Ursprünglichen können wir in unsere Kost integrieren, die wir möglichst unverfälscht, natürlich gewachsen und mit einem Minimum an Giften kaufen und selbst zubereiten sollten. Man kann sich einiges im Wald und in der Natur zusammensuchen. Dabei wird man so viel Bakterien zu sich nehmen können, wie das früher üblich war und wahrscheinlich auch vom Körper gebraucht wird. Man wird sich auch einiges an Geld für Probiotika ersparen können. Im Wald und auf verschiedenen Früchten finden wir eine große Vielfalt an Bakterien, denn jede frisch gepflückte und verspeiste Pflanze ist voll davon. Es sind Keime, die der Pflanze selbst wohl tun und die sie auf sich leben lässt und nicht mit ihren Giftstoffen angreift. Also nützliche Bakterien für verschiedenste pflanzliche Lebensformen, die auch für uns interessant sein können. Es ist hier von einem Lebewesen schon eine Vorselektion getroffen worden, die uns heilen kann. Deshalb ermutige ich Sie, öfters in die Natur zu gehen und an allen möglichen Dingen zu kauen, vor allem an den schmackhaften. Versuchen Sie in der Natur Nahrung zu finden. Man kann viele Pflanzen essen und im Salat nutzen, unter den Wiesenpflanzen vor allem Giersch, Brennessel und Löwenzahn. Man kann viele „Nüsse“ von Bäumen wie beispielsweise Eicheln in die Nahrung einbauen, zu Mehl verarbeiten und damit den Ballaststoffanteil von Broten erhöhen. Auch die Kastanie und ihr Mehl ist hier wertvoll. Natürlich müssen Sie sich stark mit der Botanik beschäftigen, denn es gibt natürlich auch giftige Früchte oder Pilze, die man vermeiden muss, wie das Tiere natürlicherweise lernen. Man kann alles, was man gefunden hat, auch trocknen für die kühle Jahreszeit und gerade getrockenete Pilze in einer Suppe wachsen wieder zur ursprünglichen Größe heran und schmecken hervorragend.  Bevorzugen Sie ältere Züchtungen von Obst und Gemüse. Es finden sich viele alte Obstbäume, deren Früchte ungenutzt bleiben und die Sie sammeln können. Nutzen Sie ältere Getreide, die ihre Kraft nicht durch Züchtungen verloren haben. Bevorzugen Sie natürlich gehaltene Schlachttiere, und Verspeisen Sie daran alles, was essbar ist.

„Pooling“ bei der Einnahme von Schilddrüsenextrakt (NDT)

Viele Tausende von Menschen mit Schilddrüsenschwäche wechseln von synthetischem L-Thyroxin auf Schilddrüsenextrakt vom Schwein und erleben, dass es Ihnen dabei viel besser geht, und sie damit viele Schilddrüsenunterfunktionsbeschwerden los werden. Diese bessere Wirkung ist durch mehrere Studien auch bewiesen worden und könnte deshalb auch von der so genannten Schulmedizin als Arznei angenommen werden. Doch das ist nicht so. Endokrinologen und andere Schilddrüsenspezialisten bieten ihren PatientInnen weiterhin lieber das billige L-Thyroxin als Hormonersatz an, an dem jeder im Medizinsystem verdient außer der Patient, und wenn dieser Patient – meist ist es eine Patientin – damit nicht zufrieden sein sollte, kommt da schnell die Aufforderung, sich nicht so anzustellen, L-Thyroxin weiter zu schlucken oder es doch mal mit einem Antidepressivum zu versuchen.

Aus diesem Bereich der Endokrinologie kommen auch immer wieder Hinweise, in welchem prozentualen Verhältnis zueinander sich zwei Schilddrüsenhormone, das noch unwirksame T4 und das wohl wichtigste wirksame Hormon T3, bewegen sollten, um eine gute Einstellung mit Hormonen zu gewährleisten. Aus meiner Sicht ist diese Prozentbestimmung hanebüchen und in die Irre führend, denn T4 hat ja keine oder fast keine Wirkung im Körper des Menschen und ist eher so etwas wie ein Maßstab dafür, wie viele Hormone die Schilddrüse produziert beziehungsweise wie viel dem Körper zugeführt werden. T4 liefert aber keinen Aufschluss dafür, wie aktiv Schilddrüsenhormone im Körper wirklich sind, ob sie in den Zellen überhaupt wirksam ankommen. Und die Bestimmung von T3 ist prinzipiell ein interessanter Richtwert, doch man muss dabei auch bedenken, dass mit diesem Wert alle anderen Unterhormone der Schilddrüse zugleich mitgemessen werden, die 3 Jodatome aufweisen, und von denen es noch mal knapp 30 weitere gibt, und die verschiedenste Wirkungen haben, darunter auch gegenteilige Wirkungen zum T3. Wo T3 den Zellstoffwechsel anregt und wärmt, sind die Thyronamine beispielsweise kühlend und verlangsamen den Stoffwechsel. Und dann gibt es auch noch andere Unterhormone wie das rT3, die hier in die Gleichung einfließen, und die eher die Nebennierenfunktion bremsen und für den Stoffwechsel gar keine aktivierende Wirksamkeit aufweisen. So gesehen sagt ein hoher T3-Wert im Blut nicht besonders viel aus, er muss interpretiert werden. Wie viel T3 überhaupt da ist, kann da interessant werden, aber ein hohes T3 kann Verschiedenstes bedeuten, Gutes wie Schlechtes. Wie viel wirklich aktives T3 im Körper kursiert, spürt man ja, und auch die Messung der Körpertemperatur gibt hier gute Aufschlüsse. Liegt diese im Zielkorridor von 36,3-37,3 Grad Celsius, ist die Versorgung mit T3 gut. Da kann aber das T3, das man im Labor im Blut misst, verschiedenste Werte anzeigen, je nachdem, wie viele Unterhormone hier in diesem Wert zusammengemischt werden. Und wenn mich meine Erfahrung mit Schilddrüsenpatient(inn)en eines gelehrt hat, dann, dass manche mit sehr niedrigen Werten Wohlbefinden haben und andere nur mit sehr hohen Werten oder irgendwas dazwischen. Ich bin kein großer Freund der Laborinterpretation, und frage lieber: Und, wie geht es Ihnen dabei? Welche Temperatur messen Sie denn? Denn wir wissen, dass unser Gehirn mit der Schilddrüse vor allem einen Zweck verfolgt: Hormone so zu bilden, dass die Temperatur um 37 Grad Celsius liegt. Das ist die Ausgangssituation. Wenn Sie also ein fT3 im Blut haben, das im oberen Normbereich ist und die Temperatur ist 37, bin ich geneigt, das für gut zu halten, keinesfalls aber, wenn die Temperatur bei 35 Grad gemessen wird. So gesehen hat für mich die Prozentmessung fT3 zu fT4 gar keinen Sinn. An dieser Stelle ist mir klar, dass ich mit diesem Blog-Eintrag zu einem Zeitpunkt Ende 2017, wo das Internet von Ratschlägen über die essentielle Wichtigkeit der Durchführung dieser Prozentmessung überquillt, einen Großteil meiner Leser verliere. Das ist okay. Denen, die weiter Prozentberechnungen anstellen werden, wünsche ich viel Erfolg auf dem Weg zur Heilung ihrer Schilddrüsenkrankheit, und ich meine das ernst. Für alle andere möchte ich an dieser Stelle noch genauer werden:

„T3“ ist nicht ein Hormon, es ist die Fülle von vielen Unterhormonen, deren Funktion wir derzeit noch gar nicht kennen. „Ein hohes T3“ ist nicht unbedingt ein Zeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion. Wenn man dabei friert, ist es das keinesfalls, sondern wir messen hier eine Schilddrüsenunterfunktion mit einem hohen Thyronamin und sollten Jod oder Hormone geben, um diesen Missstand zu beheben. T4 ist eindeutig, aber T3 wird immer Verschiedenstes bedeuten, solange wir keine genauere Labordiagnostik aufweisen. Wenn man sich diese Verhältnisse vor Augen hält, kann man schnell erkennen, dass die „Messung“ des prozentualen Verhältnisses zwischen T3 und T4 im Blut nur wenig aussagekräftig ist und eher zu Missverständnissen oder Fehleinschätzungen der Wertigkeit einer Therapie oder der richtigen Dosis eines Hormonersatzpräparates führen wird. Und wenn es um die Frage des „Poolings“ geht, haben wir genau jene Situation, wo „T3“ im Blut hoch gemessen wird. Eigentlich sind diese Verhältnisse bekannt, aber ich lese nur selten davon. Stattdessen beobachte ich, dass sich diese „Messung“ von „T3“ und seine in Bezugsetzung zu T4 unter Menschen, die an Schilddrüsenschwäche leiden und die Hormonpräparate nehmen, mehr und mehr einbürgert, getrieben von Informationen, die zum Großteil aus Online-Foren und Social Media Gruppen stammen.

Da es bei dieser „Messung“ häufig zu Widersprüchen kommt, hat sich in letzter Zeit die These eines „Poolings“ von T3 eingebürgert, die diese Widersprüche unter dem Dach eines falschen und irreführenden Bildes oder Memes zusammenfassen will. Diese These des „Poolings“ zerfällt in mehrere Denklinien, je nachdem, wer sie äußert, aber grob gesagt geht es darum, dass jemand, der ein Hormonpräparat nimmt, das T3-reich ist, nach einer Weile einen Rückgang der Wirksamkeit verspüren kann, da der Körper und seine Strukturen weniger darauf anzusprechen scheinen. Dieses „Pooling“ soll besonders häufig bei Menschen vorkommen, die Schilddrüsenextrakt vom Schwein einnehmen, ein Stück Schweineschilddrüse, in dem die Unterhormone der Schilddrüse schon fertig gebildet vorliegen, und das entgegen häufig entgegensätzlichen Informationen etwa in der Zusammensetzung, wie sie auch der Mensch braucht. Dieser Hormonersatz ist meist durchschlagend besser wirksam bei Menschen mit einer nur sehr kleinen oder gar fehlenden Schilddrüse, weil ja bei Menschen, die T4 nehmen (L-Thyroxin, meist unter dem Namen Euthyrox vertrieben) eigentlich eine gut funktionierende Schilddrüse vorliegen müsste, um dieses erst aufzuspalten. Deshalb leiden Menschen, die T4 verschrieben bekommen, ja so häufig unter Beschwerden, weil eben dieses T4 nicht ausreichend aktiviert wird, stattdessen aber Abbauprodukte entstehen, die den Menschen quälen, eine Form der Medikamentenvergiftung. Hier kann das „T3“ hoch werden, weil giftige Unterhormone der Schilddrüse entstehen, die dem Menschen mit Hormonmangel nicht helfen. Beim Schilddrüsenextrakt kommt so ein Phänomen nur sehr selten vor, und dafür findet man mitunter eine Erklärung und kann das beheben oder in sehr seltenen Fällen eben nicht, und verordnet lieber ein T3-reiches synthetisches Präpart wie Novothyral oder Prothyrid oder Cytomel etc. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen profitiert aber sehr stark von Schilddrüsenextrakt, und deshalb machen Hersteller von Extrakt durch den Ansturm, der dabei entsteht, von Jahr zu Jahr sprunghaft steigende Umsätze. Das ruft eine Gegenreaktion des medizinischen industriellen Komplexes hervor, denn hier gehen viele Millionen an Profit verloren. Eine Gegenbewegung, die von der „Schulmedizin“ ausgeht, versucht deshalb schon seit Jahren und das mit zunehmender Insistenz den Schilddrüsenextrakt mit verschiedensten Argumenten schlecht zu machen. Das letzte davon ist das „Pooling“, und damit werden für Betroffenen mehrere Horrorszenarien heraufbeschworen, und das bei Menschen, die vielfach sehr gut mit Extrakt versorgt sind und andere, die vielleicht Dosierungsprobleme haben.  Der Extrakt würde ja zwangsläufig seine Wirksamkeit verlieren, heißt es da, weil er völlig unnatürlich wäre. Es würde ja ein riesiges Missverhältnis zwischen T4 und T3 bestehen, das müsse man mit synthetischem T4 ausgleichen. Schilddrüsenextrakt vom Schwein sei ja so T3-reich, das sei unphysiologisch und womöglich schädlich, man wisse ja gar nicht, was das alles im Körper anrichten könne. So oder so ähnlich sind die Argumente, die ich aus dem Mund von verängstigten PatientInnen tagtäglich höre als Widergabe davon, was die sonst behandelnden Ärzte ihnen sagen, wenn sie auf den Schilddrüsenextrakt angesprochen werden.

Zugleich vergeht aber auch keine Woche, wo nicht eine(r) PatientIn, die von L-Thyroxin auf Schilddrüsenextrakt umgestellt wurde, mir erzählt, welch ein Wunder ihr dabei passiert ist. Wie stark die Lebensqualität dadurch gesteigert worden sei, wie viel sie an Gewicht verloren habe, wie Krankheiten und Beschwerden einfach nach der Umstellung verschwunden seien und vieles andere mehr. Ich kenne mittlerweile tausende Fälle davon und wage zu behaupten, dass der Schilddrüsenextrakt vom Schwein in den allermeisten Fällen von Menschen mit Schilddrüsenhormonmangel im Körper die derzeit beste verfügbare Form eines Hormonersatzes darstellt, zumindest so lange, bis Schilddrüsentransplantationen gemacht werden. Natürlich gibt es Ausnahmen, vor allem aber gibt es eine falsche Dosierung davon, von denen fast kein Behandlungsfall verschont bleibt, und darunter zählen auch Phänomene, die ungerechtfertigerweise in der Theorie des „Poolings“ miteinander vermanscht  werden. Dadurch dass „Pooling“ sich in den Köpfen der Menschen festsetzt, und auch die Vorschläge, wie man „Pooling“ beheben könne, kommt es leider dazu, dass mehr und mehr Menschen Schilddrüsenextrakt schlecht dosieren und dadurch auch nur wenig oder keine Wirkung dadurch verspüren und in manchen Fällen auch eingeschüchtert wieder auf synthetische Präparate umstellen mit dem Gefühl, sie hätten es doch versucht und den Schilddrüsenextrakt nicht vertragen oder eben wegen „Poolings“ aufgeben müssen. Tatsächlich aber sind sie einer Gruselgeschichte aufgesessen, von der ich vermute, dass sie im Umfeld der Pharmaindustrie ausgeheckt wurde, um Menschen von einer biologischen Form des Schilddrüsenhormonersatzes abzuschrecken. Und diese Menschen und ihre Angestellten schreiben ja auch vornehmlich als „Patienten“ in Online-Foren zu Hashimoto und anderem. Meine Vermutung, dass die These des „Pooling“ böswillig ausgeheckt wurde, entsteht aus der Beobachtung der letzten Jahre, wo es wieder und wieder Versuche gegeben hat, die Hormontherapie mit Schilddrüsenextrakt mit verschiedensten Argumenten, auszuhebeln und diese Therapieform für illegal zu erklären und damit abzuschaffen. Glücklicherweise sind diese Versuche bislang alles gescheitert an den Tatsachen, aber auch daran, dass einfach zu viele Menschen existieren, die mit Erfolg Schilddrüsenextrakt einnehmen und ihn auch brauchen. Es sind viele Millionen, die sich nicht beirren lassen, und darunter genügend Menschen, die Einfluss besitzen und geltend machen. Das heißt, loswerden wird die Pharmaindustrie diese Arznei nicht, aber Menschen davon medial abzuhalten, sich für sie zu interessieren, das ist legitim und wird auch nachhaltig unternommen, um Gewinne zu sichern.

So gesehen denke ich, dass wir es mit der These des  „Pooling“ im Wesentlichen mit fake news zu tun haben, und ich gehe fest davon aus, dass wir in einigen Jahren davon nicht mehr sprechen werden. Heute aber vergeht kein Tag, wo mir nicht jemand zum „Pooling“ eine Mail schreibt und fragt, was ich davon halte und warum ich es nicht ausreichend berücksichtige und was man jetzt endlich dagegen unternehmen kann, da es so nicht weitergehen könne, oder? Was soll ich tun? frage diese Menschen, das ist doch „Pooling“ bei mir, oder? Meine Antwort auf diese Frage ist eigentlich dann immer ein Nein, und ich will mit diesem Beitrag auch erklären, warum.

Man erkennt ja auf den ersten Blick, dass die These vom „Pooling“ eine Kopfgeburt der Pharmaindustrie ist, und übrig geblieben aus einer Zeit, wo man dachte, dass nur T4 und T3 im Körper wirksame Hormone sind. Das ist längst passe, aber nur mit dem Glauben an diese alte These kann man überhaupt die These des „Poolings“ aufrecht erhalten. Wenn man die neuere Wissenschaft berücksichtigt und erkennt, dass etwa 30 Hormone der Schilddrüse Wirkung und ein fein abgestimmtes Zusammenspiel miteinander zeigen, von dem wir übrigens erst Ansätze erkennen, wird man erkennen, dass ein Nachlassen der Wirkung von Schilddrüsenextrakt, das ja viele Menschen mitunter während der Therapie verspüren, je nach den individuellen Verhältnisse verschiedene andere Ursachen haben wird und jeweils individuell behandelt werden muss. Davon gibt es wahrscheinlich mehr als zehn, vielleicht zwanzig oder noch mehr verschiedene Gründe. Das muss man am Einzelfall analysieren. Dazu gehören Probleme des Stoffwechsels, ein Mangel an Vitalstoffen wie zum Beispiel Eisen oder Vitamin D oder B12 oder Folsäure, der nicht behoben wurde, und der natürlich behoben werden muss, weil sonst keine Heilung einer Schilddrüsenentzündung zu erwarten ist. Aber auch die hormonelle Versorgung des Körpers ist davon abhängig. Wenn Sie bedenken, dass Vitamin D3 eigentlich ein Steroidhormon ist, das die Aktivierung von mehr als 1200 Genen in unserem Erbgut bewirkt, können Sie sich vorstellen, was ein Vitamin D-Mangel für die Schilddrüse und den Hormonfluß bedeutet. Zum Phänomen des „Poolings“ und seiner Überwindung gehört auch ein Mikrobiom im Darm, das uns bei der Verdauung hilft, Vitalstoffe produziert – und Schilddrüsenhormone, die wir einnehmen, aufnehmen, umbauen und wiederverwerten hilft. Denn die Hormone gehen ja aus dem Blut wieder in den Darm und zurück und die Bakterien und Hefen  sind stark am Hormonstoffwechsel beteiligt, können T3 aktivieren oder deaktivieren. Schlechte oder unwirksame Keime behindern die Hormonflüsse, und hilfreiche Bakterien helfen bei der Steuerung. So gesehen ist es schwierig, die Hormonflüsse im Blut zu haben, von denen jede Körperzelle, die mit Blut versorgt wird, profitieren kann, wenn das Mikrobiom nicht stimmt. Diesen Aspekt müssen wir dem Therapeuten überlassen. Dazu bin ich auch da, und wer das ignoriert, hat öfters „Pooling“, das gar keines ist.  Nimmt er aber Eisen ein und wird sein „Pooling“ los, sind manche der Meinung, dass „Pooling“ existiert, das ist verständlich.

Der wichtigste Aspekt aber wenn es um Phänomene des „Pooling“ (also eine geringe Wirksamkeit von Hormonersatz mit hohem „T3“ als Laborwert), ist der Hormonersatz selbst. Versuchen wir kurz zu sortieren, was hier passieren kann. Als Erstes haben Menschen, die ihren Schilddrüsenhormonersatz mit L-Thyroxin bekommen, ein T4-Depot, das etwa sechs Wochen braucht, bis es abgebaut wird. Bis dorthin kann es verschiedenste Stoffwechselphänomene geben, wo das, was wir in Form von Schilddrüsenextrakt verabreichen, von derzeit noch abzubauendem und umzubauendem L-Thyroxin beeinträchtigt wird. Dann ist es so, dass die Schilddrüse bei vielen Menschen in dem Moment, wo Schilddrüsenextrakt verabreicht wird, registriert, dass hier Arbeit gespart werden kann, und echte Hilfe vorliegt, und dann mit ihrer eigenen Arbeitsleistung zurückgeht, mitunter völlig Urlaub macht. In der Phase empfindet ein Mensch, der gerade einen Aufschwung nach Beginn mit Schilddrüsenextrakt erlebt hat, wieder ein Absinken der Euphorie, da die Dosis nicht mehr ausreicht. Kaum erhöht man diese aber, stellt sich wieder Wohlbefinden ein. So kann es sein, dass jemand, dem man anfangs ein Drittel oder die Hälfte des Hormonbedarfs ersetzt hat, plötzlich mehr braucht, weil die Schilddrüse nicht mehr arbeitet. Das ist positiv, denn sie wird sich in Ruhe schneller erholen als in einem Zustand, wo sie den Körper mit Hormonen versorgen muss. Genauso kann es sein, dass jemand, der mit der Einnahme eines Tagesbedarfs von Schilddrüsenhormonen die Schilddrüse in den Urlaub geschickt hat, von der Erholung der Schilddrüse überrascht wird und plötzlich überdosiert. Manche merken das mit Überfunktionsbeschwerden wie Herzklopfen oder Unruhe, andere nicht. Jene, die das nicht merken, entwickelt die eine häufige Form von „Pooling“, nämlich eine Situation, wo die Schilddrüse Hormone bildet und ein Zuviel in Form von Extrakt eingenommen ist, und alles was überschüssig ist, muss auch von der Schilddrüse abgebaut werden, was eine Menge an Mehrarbeitet bedeutet und ein Anfallen von steigenden Mengen von T3, das nicht mehr wirksam zu sein scheint. Kaum verringert man aber die Dosis vom Extrakt, löst sich dieses Phänomen wieder in Wohlgefallen auf. Das heißt, eine sehr häufig auftretende „Pooling“-Situation ist die sich abzeichnende Heilung der Schilddrüse, und wenn man mit der Dosis schrittweise zurückgeht, gelingt in vielen Fällen ein völliges Absetzen des Hormonpräparates im Zustand der Schilddrüsenheilung. Betroffene sind traurig, weil sie „Pooling“ haben, anstatt sich darüber zu freuen, dass sie geheilt sind. Diese Situation habe ich schon oft in der Praxis erlebt, dass jemand völlig aufgelöst kommt, weil es ihm oder ihr jetzt so lange so gut ging, und jetzt ist wieder alles schlecht. Wer hier einen Schilddrüsenultraschall machen und das Bild interpretieren kann, ist als Therapeut klar im Vorteil. Denn er sieht dann in dieser Situation, dass die vormals kleine und narbige Schilddrüse sich vergrößert hat und wieder wie eine Drüse aussieht, dass sich die Schilddrüse wieder entfaltet hat und der Schmetterling wieder da ist.

Das heißt, die häufigste Form von „Pooling“ ist eine Situation, in der man die Schilddrüse selbst und ihre Eigenproduktion, ihre Sprache, ihr Verhalten, völlig ignoriert und falsch dosiert. Schuld sind in diesen Situationen T3-haltige Unterhormone, die das Bild stören, die derzeit zu hoch oder zu niedrig vorliegen, um Wohlbefinden zu erreichen. Unsichtbar sind diese in der Bestimmung des T3 verborgen, und gehen unsichtbar und missverständlich in die Prozentrechnungen ein, mit denen Menschen die für sie richtige Dosierung von Hormonersatzpräparaten einschätzen wollen. Dieser Weg wird in die Irre führen. Wer aber dem, was er empfindet, vertraut, seine Beschwerden zu deuten weiß und die Mundtemperatur ernst nimmt, wird Laborwerte viel klarer interpretieren können und schneller ans Ziel kommen.

Schilddrüsenextrakt vom Rind – wie effektiv ist dieser Hormonersatz?

Menschen mit Schilddrüsenschwäche – ein Großteil davon wegen einer Hashimoto-Thyreoiditis – werden seit Jahrzehnten mit L-Thyroxin abgespeist, einem Vorhormon, von dem man nicht weiß, ob es sich in die über 30 notwendigen Unterhormone der Schilddrüse in der Zusammensetzung aufspalten wird, die wir wirklich brauchen. Bei manchen klappt das ganz gut – bei anderen führt diese einseitige Form der Hormonzufuhr in eine Fehlregulation, die an verschiedensten Bereichen Probleme verursacht und eine Erklärung dafür ist, warum sich so viele Hashimoto-PatientInnen nebenbei mit Nebennierenschwäche, Serotoninmangel und Funktionsstörungen von Organen, insbesondere des Immunsystems, herumschlagen müssen.

So ist es schon eine tolle Sache, dass wir von anderen Säugetieren gesundes Schilddrüsengewebe als Hormonersatzquellen heranziehen können, denn diese liefern immerhin alle erforderlichen Unterhormone mit samt Baustoffen und Enzymen für die Schilddrüse selbst. Dieser Hormonersatz ist den synthetischen Schilddrüsenhormonprodukten haushoch überlegen, wie unzählige Anwender bestätigen können, und wie ich das ja auch eindrucksvoll in der Arztpraxis erlebe. Meist sind es Menschen, die Hormone vom Schwein nehmen. Die Effektivität ist dem von Rind oder Schaf, wie man schon vor 100 Jahren wissenschaftlich testete, deutlich überlegen. Deshalb sind die heute auf dem Markt verfügbaren Schilddrüsenextrakte für den Hormonersatz vorwiegend vom Schwein, hergestellt von einem amerikanischen Monopolisten namens American Medical Services unter den scharfen Kautelen der US Pharmacopeia, und erhältlich unter Produktnamen wie Armour Thyroid, Erfa, WP Thyroid, Thyroid Hormonkapseln (Receptura-Apotheke Frankfurt am Main) oder Thyreogland (Klösterl-Apotheke München). Damit werden weltweit Hunderttausende Menschen, zum Großteil Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis, erfolgreich behandelt. Es gibt viele, die aus ethischen, religiösen oder anderen Gründen Schweineschilddrüsenextrakt ablehnen oder das Gefühl haben es nicht zu vertragen, und deshalb lieber bei L-Thyroxin als Hormonersatz bleiben, doch eine überraschend große Anzahl profitiert davon gesundheitlich stark und erlebt häufig auch einen Heilungsverlauf von ihrer Schilddrüsenentzündung mit Wiederherstellung der Form, Größe und Funktion der Schilddrüse. Mehr und mehr ÄrztInnen verschreiben den Extrakt, und viele Heilpraktiker bringen ÄrztInnen dazu, Rezepte dafür auszustellen. Einen kleinen Anteil an diesem Boom kann ich mir selbst zuschreiben, weil ich seit Jahren sehr stark auf die Heilkraft vom Extrakt setze und Rezepte für Tausende von PatientInnen ausstelle. Und HeilpraktikerInnen und ÄrztInnen, die bei mir die Ausbildung zur SchilddrüsenpraktikerIn gemacht haben, multiplizieren diesen Effekt. Da ist sehr viel Positives passiert, und zahllose Menschen genießen jetzt diese hochwertige Form des Hormonersatzes, wo sie sich vorher oft Jahrzehntelang mit den eingeschränkten Möglichkeiten von L-Thyroxin zufrieden geben mussten.

Es kam, wie es kommen musste: Schilddrüsenextrakt ist teuer geworden. Vor zehn Jahren bezahlte man für Schweineschilddrüsenextrakt (abhängig natürlich auch von der individuellen Dosis und vom Hersteller und in welchen Mengen man es einkaufte) als Tagestherapiekosten zwischen 20 und 40 Cent. Es gab wenige, die das als große finanzielle Belastung empfanden. In dieser Zeit hat sich der Preis des Extraktes verfünffacht. Es kommt darauf an, wo Sie einkaufen, und wie viel Sie einkaufen und wie viel Extrakt Sie brauchen. Und natürlich werden viele, die Extrakt heute brauchen, in einem halben oder ganzen Jahr womöglich schon gesund sein und gar keinen Bedarf an Hormonersatz mehr haben. Trotzdem sind Tagestherapiekosten, die bei manchen PatientInnen auf drei EUR hochgehen, in einem Bereich, der weh tut. Privatkassen zahlen den Extrakt meistens, gesetzliche Versicherer nur ausnahmsweise. Wenn man es selbst berappen möchte, können 100 EUR monatlich schon einen großen Unterschied in der Haushaltskassa bedeuten. Schweineschilddrüsenextrakt ist rezeptpflichtig, auch das verursacht Kosten.

Es wächst hier für viele der Druck, es mit Rinderschilddrüsenextrakt zu versuchen, der als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist. Wie lange das noch der Fall sein kann, wird man sehen. Eine große Werbekampagne der Firma Thyrovanz, die weltweit Schilddrüsenextrakt vom frei laufenden Weiderindern aus Neuseeland feilbot, zerschellte an den EU-Einführungsrichtlinien, an Zollbeamten, die rasch erkannten, dass man es hier mit einem Hormonpräparat zu tun hatte, eine rezeptpflichtige Arznei, die unter ärztlicher Aufsicht individuell dosiert muss, und kein Nahrungsergänzungsmittel, das man gefahrlos abgeben kann, da eine Überdosierung unbedenklich wäre. Aber was übersehen wurde, ist das Produkt Thyroid der Firma Allergy Research Group, das es schon lange als Nahrungsergänzungsmittel gibt, das etabliert ist und das deshalb auch jeder mit einem Click auf Amazon und vielen anderen Online-Anbietern bestellen kann. Sein Inhalt: Faktisch der von Thyrovanz: Neuseeländische Rinderschilddrüse. Eine Kapsel enthält 40 mg Schilddrüse, was etwa so stark wirkt wie 25 mcg L-Thyroxin. Aber der genaue Hormongehalt wird weder überprüft noch scheint er zu interessieren. Wir haben also auch Thyroid bestellt und setzen es ein, und siehe da, es ist für viele Menschen ein Lichtblick und ein Segen in vielerlei Hinsicht: Es ist relativ preisgünstig. 100 Vegicaps kosten gegenwärtig etwa 25 EUR, also, das heißt, wenn ich eine geringe Hormonunterstützung brauche, nehme ich eine täglich und gebe dabei 25 Cent aus, und brauche ich 4 Kapseln täglich, liege ich immer noch bei 1 EUR am Tag. Es ist ja sinnvoll, nach Befinden zu dosieren, und wenn man mehrmals täglich die Körpertemperatur überwacht und sieht, ob man auf 36,8 °C kommt und gegebenenfalls beim Hausarzt sieht, wie die Hormone im Blut so aussehen, kann das eine gute Einstellung werden, die Menschen selbstständig vornehmen können.

Ein schöner Aspekt ist auch dass die Rinderschilddrüse aus Neuseeland von frei laufenden Weiderindern stammt, einem Land, das BSE-frei und gentechnikfrei ist, also das Thema Fütterung, Haltung der Tiere und ihre Krankheiten keine Rolle spielen. Man kann hier von Bio-Qualität sprechen – zumindest was uns die Hersteller erzählen.

Wie gut wirkt Rinderschilddrüse? Da gibt es unterschiedliche Rückmeldungen. Mehr als die Hälfte der Menschen, die damit eingestellt werden, sind sehr zufrieden mit der Qualität im Vergleich zu L-Thyroxin, manche, die umgestellt haben, haben das Gefühl der zu starken, andere einer zu schwachen Hormonunterstützung. In den meisten Fällen lässt sich das mit Höher- oder Herunterdosierung lösen. Rinderschilddrüse ist ein wunderbares Hormonersatzpräparat für alle Menschen, die aus religiösen oder anderen Gründen kein „Schwein“ nehmen wollen oder können. Wer allerdings schon erfolgreich mit Schweineschilddrüsenextrakt eingestellt ist, wird nach Informationen von Menschen, die es angewandt haben, mit Rinderschilddrüse eher weniger glücklich sein. Es muss anders dosiert werden, fühlt sich anders, schwächer an. Ich habe auch den Eindruck, dass das Phänomen der nachwachsenden Schilddrüse weniger ausgeprägt ist als bei Schweineschilddrüsenextrakt, werde aber zukünftig noch einmal darüber berichten.

Das Burnout-Syndrom

Buchankündigung:

 

Dr. med. Berndt Rieger: Das Burnout-Syndrom

Ganzheitliche Behandlungsstrategien bei seelischer Erschöpfung

 

(Erhältlich auf Amazon.com, Amazon.de und ebooks-rieger.de)

 

In diesem Buch geht es um einen Zustand, den wir mit Worten schwer beschreiben können. Einen Zustand des Ausgebranntseins, der Schwäche und Fühllosigkeit. Man fühlt sich schwer krank und depressiv. Man hat das Gefühl, nun zu wissen, wie das ist, alt zu sein. Man erkennt seine Sterblichkeit.

 

In der alten Medizin nannte man diesen Zustand den der „Vererdung“. Das kühle, trockene Element Erde ergreift Besitz von uns. Es löscht die Lebensgeister (die dem jugendlichen Element der Luft entsprechen) und erinnert uns an das Wort: Staub bist du und zu Staub wirst du zurückkehren, nämlich Erde werden. Wir kommen aus der Erde, vermischen uns mit Wasser und Luft und Feuer, die beweglichen Elemente, die uns Leben schenken, und scheiden diese alle im Laufe des Lebens wieder aus und das, was wir vor unserer Geburt waren: Sandkörner in einer Wüste von Sand.

„Ausgebrannt“ sein heißt also, das was uns feucht und warm gemacht hat, zu verlieren. Medizinisch gesprochen sind das unsere Hormone. Sie befeuchten den Körper, machen ihn jung. Wer sich erschöpft, entzieht dem Körper die Kraft, sich zu verjüngen. Er tut das, indem er lichterloh brennt, wie eine Kerze auf beiden Seiten. Ihr Feuer vertreibt den Schlaf (der uns mit dem Element Wasser erfüllt) und die Lebenslust (die Fülle der in uns kreisenden Hormone), und letztendlich verlöscht das Feuer, das unsere Tatkraft und unsere Leidenschaft ausgemacht hat, plötzlich, von einem Tag auf den anderen und hinterlässt eine Wüste, in der wir uns karg und leblos fühlen. Das ist das Burnout-Syndrom, von dem in diesem Buch die Rede sein soll.

Die Frage, die wir uns zur Analyse unserer Schwäche stellen müssen, lautet: Warum brannten wir? Was war unser Ziel? Sind wir durch diesen intensiveren Leistungsschub auch am Ziel angekommen und dadurch vielleicht gar nicht „ausgebrannt“, sondern einfach nur „erschöpft“? Schöner ist ja dieses Wort „Erschöpfung“ für so einen Zustand der Ruhe nach vollbrachter Tat. Es setzt einen Schöpfer heraus, der müde geworden ist und zufrieden auf seine Leistung zurückblickt. So ähnlich steht es ja in der Bibel nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen, wo Jesus seinen bevorstehenden Tod mit den Worten „Es ist vollbracht!“ kommentiert. Getrieben war auch er zu einer Lebensleistung, wie schon sein Vater, der Schöpfergott, der seine Existenz in die berufliche (als er die Welt schuf) und den Ruhestand (alles Nachfolgende) einteilte. Dieses Denken in den Kategorien eines „Lebenswerks“ ist den meisten Menschen eigen, so lange sie streben. Wir kennen das von Künstlern, die mitunter Opus-Zahlen anlegen, mit denen sich die Lebensleistung beziffern lässt. Aber auch von Firmengründern, die daran arbeiten, ihren Kindern etwas vererben zu können. „Opus“ und „Erbe“, also Hinterlassenschaften, sind für viele Frauen die Kinder und Kindeskinder. Doch es gibt auch besondere Formen der Lebensleistung, die oft nur über kleinere Zeitabschnitte erbracht werden. Hier ist der Marathonläufer ein gutes Beispiel. Die Griechen hatten bei Marathon die Perser besiegt, ein unglaubliches Ereignis, an das man in der Hauptstadt Athen nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Ein Läufer wurde beauftragt, um den Sieg zu verkünden und damit neue Hoffnung in die Heimat zu bringen. Er erfüllte diesen Auftrag so schnell wie möglich, wagte es nicht, abzusetzen, und rief: „Freut euch, wir haben gesiegt!“ bevor er tot zusammenbrach. Erschöpft auch er, ausgebrannt durch die übergroße Anstrengung innerhalb weniger Stunden.

Diese Geschichte ist zu gut, um wahr zu sein. Eigentlich hat sie sich so zugetragen, dass im Krieg gegen die Perser von Athen der Läufer Pheidippides nach Sparta geschickt wurde, um dort um Truppenunterstützung zu bitten. Er starb kurz nach der Ankunft, und der Geschichtsschreiber Herodot berichtete darüber. Dass später Plutarch und Lukian daraus eine Legende gebildet haben, die zweitausend Jahre später noch Millionen Menschen fasziniert und in der anhaltenden und weltweiten Abhaltung von Marathonläufen resultiert, zeigt, dass sie unser Inneres an einer entscheidenden Stelle berührt. Wir alle werden geboren und leben. Doch das Gefühl, dass sich das Leben lohnt, beziehen wir aus einem Auftrag, den wir erhalten zu haben glauben. Entweder vom Schöpfer oder vom Zufall, oder aus unseren natürlich Anlagen heraus. Ein Vorbild, mitunter aber auch die Verhältnisse „inspirieren“uns dazu, einen bestimmten Lebensweg einzuschlagen, der auf ein Ziel hin führt. Wir beginnen für diese Aufgabe zu brennen und steuern auf sie zu, und das so lange, bis noch Benzin im Tank ist. Oder bis wir ankommen.

Wenn man die harmonische Mischung der vier Elemente der Natur im Körper als Basis der Gesundheit akzeptiert – diese These bildet die Grundlage der Galenschen Säftelehre, der Traditionellen Chinesischen Medizin und des Ayurveda – dann führt unser Leben aus dem Zustand des Wassers in der Höhle der Gebärmutter hinaus in die Luft der Welt, wo eine Inspiration (Einblasung, Einatmung) auf uns wartet und in das Zeitalter der Luft trägt, in dem wir uns das Lebensziel setzen. Wir uns das schützende, feuchte Biotop der Kindheit entzogen, werden wir zum Landbewohner, der unter der heißen Sonne des Lebens die Erwachsenenrolle spielen muss. Er tritt in das Zeitalter des Feuers ein, in dem Entschlusskraft und Leidenschaft gefordert ist. In diesem Lebensabschnitt wird die Lebensleistung in der Regel erbracht. Manche werden damit schneller fertig, weil sie sich keine zu großen Ziele gesetzt haben. Andere haben sich von Vornherein ein Ziel gesteckt, das prinzipiell unerreichbar ist, eine Utopie, ein Ideal, das wie eine Fata Morgana in der Wüste vor ihnen her tanzt, und sie weiter und höher hinaus führt als andere. Das sind die Menschen, die ein Burnout-Syndrom erleiden. Sie verbrennen in der unbarmherzigen Sonne des Lebens deshalb, weil sie sich zu weit vorwagen in Gebiete, in denen der Zusammenbruch eigentlich vorherzusehen ist. Weil sie sich ein Lebensziel auserkoren haben, das von ihnen realistischerweise nicht erreicht werden kann. Oft aufgrund von Erwartungen der Eltern oder des Partners. Oder auch aufgrund von Kindheitserlebnissen, die ihnen Kampfgeist eingehaucht haben, es höher und weiter bringen zu wollen als andere.

Dass uns ein Burn-Out durch die Erschöpfung aller Reserven schwächt und depressiv macht, ist das eine. Das andere ist aber noch schlimmer: Das Gefühl, versagt zu haben. Es ruft eine ganz eigene, tiefe Verstimmung an sich hervor, die uns auf dem Weg zurück zur Kraft zusätzlich lähmen kann. Die Behandlung eines Burnout-Syndroms ist also nicht nur eine „Aufbaukur“, deren Ziel es ist, unsere Hormone wieder zum Fließen zu kriegen, sondern auch eine, die unseren Geist und unsere Seele aufrichtet. Wir können uns unser Versagen nur verzeihen, wenn wir verstehen, dass die Ziele, die wir uns gesteckt haben, unpassend waren, und deshalb auch nie erreicht werden sollten. Damit unsere Gefühle wieder aufleben können und die Kraft in unsere Glieder zurückkehren kann, müssen wir uns neue, persönliche Ziele suchen, die sich zu erreichen lohnt, und die auch wie von selbst erreicht werden können, weil sie zu unserem Inneren passen, und für uns natürlich sind wie alles andere, mit dem wir geboren wurden: Unser Körper, unser Geist, unsere Seele.

Wir wollen in diesem Buch Möglichkeiten erforschen, das geistig-seelische Ausgebranntsein sanft zu behandeln, bevor wir überhaupt das Vollbild dieses Krankheitsbildes erreichen. Wir wollen umsteuern lernen, und unsere Seele pflegen. Denn die Verschönerungsarbeit und Reparatur macht mehr Spaß als die Aufbauarbeit. Wir werden dabei ausschließlich mit unserem Zentralnervensystem arbeiten, das nach neuen Erkenntnissen etwas größer ausfällt als wir das auf den ersten Blick hin vermuten würden. Natürlich ist das Gehirn das zentrale Organ unseres Denkens und Erlebens. Doch es stellt nur die Hälfte der Gleichung dar. Eigentlich ist es nur das „Kopfhirn“, dem ein „Bauchhirn“ von gleicher Kraft und Bedeutung zur Seite steht. Die Nervengeflechte des „Bauchhirns“, das für einen Großteil unserer Emotionen zuständig ist, bilden zusammengenommen etwa die gleiche Masse und Zellzahl des Kopfhirns, das Yin zum Yang des Schädels. Wie unsere Lebenserfahrung zeigt, ist es wichtig, beides gut zusammenarbeiten zu lassen. Und genauso wie ein „schwaches“ Kopfhirn Fehlentscheidungen bei „Bauchgefühlen“ zur Folge hat, wird ein „schwaches“ Bauchhirn auch das beste Kopfhirn dazu veranlassen, aus einer trockenen Analysetätigkeit heraus das wahre Leben zu verpassen.

Eine Überanstrengung des Zentralnervensystems kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden und ganz verschiedene Mechanismen in Gang setzen. Wo man hier mit Arzneien einsetzen und heilen kann, werden wir in den einzelnen Abschnitten dieses Buchs erfahren. Alle „energetischen“ Arzneien von Bachblüten und Homöopathie bis hin zu Berührung, Klang und Störfeldtherapie, sollen uns auf diesem Weg willkommen sein, aber auch klassisch „schulmedizinische“ Lösungsansätze mit dem Einsatz von Psychopharmaka, bei dem die Sanftheit der Medizin in der Art und Weise zutage tritt, wie sie angewandt werden, und in ihrer Dosierung, die dem individuellen Menschen angepasst werden muss und nicht nach dem Kochrezept des Beipackzettels erfolgen darf.

Zu den „Arzneien“ gehört auch eine geistige und seelische Entwicklung hin zu neuen Zielen und Aufgaben. Denn nur ein neues Leben kann auf der Asche des früheren Lebens entstehen.

Zu der Betrachtung des Zentralnervensystems gehören auch die Erkenntnisse der asiatischen Medizin mit ihren Chakren und Meridianen, während wir aus der westlichen Denkweise vor allem die naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf das Zusammenspiel der Hormone in Betracht ziehen werden. Die Notwendigkeit, hier das Abendland und das Morgenland zu verbinden, ergibt sich aus der hochentwickelten „energetischen“ Betrachtungsweise Asiens wie auch aus den naturwissenschaftlich detaillierten Erkenntnissen Europas, deren Verbindung vor allem eines beweist: Dass es viele Wege zu einer einzigen Wahrheit gibt.

Wer aus dem tiefen Tal der Erschöpfung heraus will, muss sich ein Rüstzeug für diese Wanderung zurecht legen. Dieses und auch die Nährmittel, die Sie für den Weg zu einem gesteigerten Bewusstsein, Gesundheit und Kraft brauchen, werden Sie in diesem Buch kennen und anwenden lernen.