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Veganer sind nicht humaner

Ich rätsle immer wieder einmal über die Frage nach, warum manche Menschen Veganer werden. Vegan heißt, dass man nur Pflanzen isst. Das ist im Unterschied zum Vegetarier gemeint, der ein Mensch ist, der nur Pflanzen isst. Eigentlich das Gleiche, ist aber nicht so, weil viele Vegetarier Eier essen oder Milch trinken, und sich nicht jeder die Mühe macht, von sich als Lakto-Ovo-Vegetarier zu sprechen im Unterschied zum Fleischesser, dem Carnivoren. Oder eben im Unterschied zum Veganer, der nur Lebewesen isst, die ihm sehr unähnlich sind.

Vegan sein heißt für viele Menschen, den friedlichen Weg der Ernährung gefunden zu haben. Nichts zu essen, das Augen hat, beispielsweise. Nichts zu essen, was laufen kann und dadurch besonders lebendig wirkt. Man spürt ja direkt die Angst eines gejagten Tieres und denkt sich: Das könnte ich sein. Also solidarisiert man sich. Aber so leicht ist die Sache nicht. Eine Pflanze ist auch ein Lebewesen mit einem reichlichen Gefühlsleben, wie neuere Forschungen beweisen. Es schreit auf, wenn man es tötet, und ein ganzer Wald kann davon beben. Dass wir Menschen diesen Schrei nicht hören, tut nichts zur Sache. Andere Pflanzen, vor allem Artverwandte, hören das schon, und sondern Stresshormone ab oder Gifte, die Schädlinge wie den Menschen, der dort mit der Sense zugange ist, möglicherweise abwehren könnten.

Pflanzen zu essen ist genauso gewalttätig, wie ein Tier zu essen. Nein, stimmt nicht. Es ist sogar noch gewalttätiger. Denn alle Tiere essen andere Lebewesen, darunter sehr viele auch andere Tiere. Das heißt, wenn der Mensch beispielsweise Löwenfleisch essen würde, wäre das eine faire Sache. Denn der Löwe würde ihn töten und fressen, also ist es nur gerecht, wenn der Mensch den Löwen tötet und frisst und sich damit ernährt. Es ist das ein Lebensrecht, das auch der Löwe für sich in Anspruch nimmt, wenn er einen Menschen sieht und gerade Hunger hat. Wer sich also human ernähren möchte, sollte sich ausschließlich von Raubtieren ernähren, und das von solchen, die er eigenhändig unter fairen Bedingungen erlegt hat. Das wäre eine glatte, befriedigende Sache, und man müsste sich nicht mehr dafür schämen, dass man Hunger hat und ihn so befriedigt, wie wir das gemeinhin tun: Nämlich, indem wir von den Gewalttaten anderer profitieren und deren Beute verspeisen.

Vor kurzem hat es mir auch den Magen umgedreht. Wir hatten gerade in einem Gasthaus leckeres Lamm gegessen und gehen spazieren und stoßen auf eine große Schafherde mit kleinen Lämmlein, die wirklich süß sind. Da kommt der Hirte mit seiner Frau und den Hunden daher, alles vierschrötige Erscheinungen, und nimmt einem Schaf nach dem anderen das Lamm weg, schlägt es auf den Kopf, bis es schlaff wird und wirft es auf die Ladefläche seines Wagens. Stellt sich heraus, diese Familie beliefert den Gasthof, in dem wir bislang so gerne speisten. No more, wie die Engländer sagen.

Aber der Veganer kann auch ruhig Sojamilch kaufen. Das macht ihn noch lange nicht zum Feingeist. Mangelnde Fairness und nackte Gewalt bedeutet es nämlich, genüsslich am Müsli zu kauen, denn selbst hier wurden Pflanzen entweder ausgebeutet und ihrer Früchte beraubt, oder überhaupt getötet, um Dir, meine Dame, mein Herr, als Nahrung zu dienen. Und das, obwohl diese Pflanzen friedliche Wesen sind, die dem Menschen nie ein Haar krümmen würden. Trotzdem sät der Mensch in dieser Idylle Gewalt, tötet gedankenlos und brutal Abertausende von Lebewesen, nur um sich aus deren Körnern ein Brot zu backen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich überzeugter Fleischfresser bin, aber es spricht auch vom medizinischen Standpunkt einiges dafür, dass Fleisch als Nahrung bekömmlicher ist als sagen wir Broccoli. Es soll niemanden verwundern, dass diese Pflanze elende Blähungen verursacht. Sie tut es, weil sie dem Menschen als Lebewesen so unähnlich ist, dass er Mühe hat, aus ihren Bestandteilen seinen eigenen Körper zu erhalten. Oder sagen wir, es ist das hämische Grinsen des Schwächeren, der seinem Schlächter zumindest Bauchschmerzen verursachen möchte als eine Art postume Rache. Anders steht es mit Schwein. Relativ gut verträglich. Denn: Der Mensch ist genetisch fast mit ihm identisch, sodass man sagen könnte, die beste Ernährung für den Menschen wäre er selbst. Es lebe also der Kannibalismus! Aber dieser Gedanke ist so schrecklich, dass ich vielleicht doch lieber vorschlagen möchte, uns fortan von Lichtnahrung zu ernähren, die uns die Sonne großzügig schenkt, ohne dabei etwas zurückzufordern. Dieses Geschenk können wir allerdings nur dann nutzen, wenn wir nicht Veganer werden, sondern Vegetabilien, nämlich Pflanzen, und damit den zerstörerischen Kreis unserer Lebensbedingungen durchbrechen.

Fett und aufgeregt mit Gluten und Glutamat

Gluten macht dick. Gluten macht rastlos. Wer wissen will, was Gluten aus Menschen macht, muss nur Kulturen wie die in Europa und Nordamerika studieren, in denen alles, was Fastfood oder auch Zwischenmahlzeit bedeutet, sich fast ausschließlich auf die Aufnahme von Gluten beschränkt.

Denn Gluten ist der wichtigste Inhaltsstoff von Weizen. Aber auch in Roggen, Gerste, Dinkel und Hafer ist es vorhanden. Es ist ein Eiweiß. Eiweiß gibt Kraft, das weiß jeder. Und dieses Eiweiß Gluten, das aus den Eiweißen Gliadin und Glutenin besteht, gibt besonders viel Kraft. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen Menschen, die Weizenprodukte essen und Menschen, die keine Weizenprodukte essen. Erstere sind nicht nur dicker als letztere und haben mehr Verdauungsprobleme, sondern sie haben auch mehr Kraft, denn sie essen mehr Eiweiß, das dazu noch den Vorteil hat, glutaminsäurereich zu sein.

Glutaminsäure ist ein natürliches Aufputschmittel. Was es leisten kann, weiß jeder, der beim Chinesen seine Dosis Glutamat abbekommen hat. Unter dem Namen „Umami“ war Mononatriumglutamat im Japan des frühen 20. Jahrhunderts der neueste Schrei und wurde von einem gewissen Herrn Kikunae Ikeda für die Massenvermarkung synthetisiert. Seither sind die Japaner wohl noch arbeitssamer als früher mal, und die Chinesen auch. Denn wenn man davon zuviel abkriegt, erlebt man einen epileptischen Anfall. In geringerer Dosis erhöht Glutamat die Anspannung der Muskeln des Körpers. Und als stetige Beigabe in die Nahrung macht es jedenfalls etwas nervös und getrieben und vielleicht auch etwas klüger, wie psychologische Studien zeigen.

Warum wir also Brot, Brötchen, Waffeln, Mehlspeisen, Knödel und Klöse, Pizza und Nudeln und all das essen? Nicht nur, weil es uns schmeckt – das tut es ja auch, weil da eine Vorstufe von Umami drin ist, und das ganz ohne Soyasoße – sondern, weil es uns antreibt wie Kaffee.

Glutenländer haben Männer, die ab 40 einen unschönen Bauch haben, was man anderswo nicht unbedingt kennt. Einen aufgetriebenen Bauch mit Blähungen und unregelmäßigem Stuhlgang. Wer aufhört, Gluten zu essen, der kriegt wieder einen flacheren Bauch und sieht auch jünger aus. Die Fettschicht, die sich um den Nabel gebildet hat, geht zurück. Denn es stellt sich heraus, dass das „Fettgewebe“ nicht immer „Fettgewebe“ ist, sondern auch einfach Gewebe sein kann, dass in der Nähe von Magen und Darm liegt, wo Gluten alles verklebt. Denn dafür ist es ja im Wesentlichen gut. Ohne Gluten hält kein Brot, hält keine Breze zusammen. Alles Backwerk lebt von der Bindekraft des Glutens, die ein bißchen an Patex erinnert. Klebt gut, doch ob es unbedingt bekömmlich ist?

Bis zu ein Prozent der Menschen gelten als glutenunverträglich. Diese Damen und Herren haben ganz offiziell, was man eine Zöliakie nennt. Aufgetriebener Bauch, schlechtes Gedeihen von Kindern, Durchfälle. Ich würde schätzen, dass 40 % der Menschen über 40 eine Glutenunverträglichkeit hat, die man nicht so leicht in Zahlen fassen und im Labor abklären kann. Es reicht eigentlich, ihnen auf den Bauch zu schauen. Ein Großteil der Bäuche, die über den Hosenbund ins Weite drängen, haben mit der Freude an der Nahrungsaufnahme nichts zu tun. Es sind verklebte Bäuche, die nach Freiheit rufen. Sie tun das in der Sprache des Darms, die nicht immer angenehm zu hören und vor allem zu riechen ist.

Und diese Menschen haben auch etwas Rastloses und schlafen nicht gut, denn sie sind Glutamat-Junkies geworden. Schon morgens beißen sie in ein Weizenmachwerk, das von der flächendeckenden Anzahl der Weizenbäcker angeboten wird, bevor alle anderen Läden aufmachen, und trinken dazu ihren Kaffee. Und dann wundern sie sich, warum sie tagsüber nicht mehr „runterkommen“ können und nachts schon gar nicht.

Glutenunverträgliche aller Länder, vereinigt euch! Wir brauchen glutenfreie Imbissstuben und Cafes! Wir wollen Reiswaffeln und Maiswaffeln und glutenfreies Gebäck überall und zu jeder Zeit und dazu gemütlich den guten alten Zichorienkaffee trinken. Die Wegwarte hat kein Gluten, wohl aber der sonst angebotene Getreidekaffee. Aber das ist wieder ein anderes Kapitel.