Hashimoto und Prolaktin

Prolaktin ist als Hypophysenhormon bekannt, das bei einer Frau in der Stillzeit vermehrt ausgeschüttet wird, wodurch sie Milch hat und ihr Baby ernähren kann. Weniger diskutiert ist die Tatsache, dass auch andere Organe und Zellen, vor allem Lymphozyten, Prolaktin bilden können. Damit stimulieren sie das Immunsystem und begünstigen Autoimmunprozesse, insbesondere die Aktivität einer Hashimoto-Thyreoiditis. Nicht nur die Antikörperspiegel steigen, auch die Bildung von Zytokinen und Immunglobulinen. Ich kenne einige Patientinnen in meiner Praxis, die verzögerte Heilverläufe ihrer Hashimoto-Thyreoiditis hatten, weil das Prolaktin hoch ist. Typischerweise zeigt sich im Ultraschall eine insgesamt dunkel eingefärbte Schilddrüse mit deutlicher Tendenz zur Verkleinerung. Diese Schilddrüsen funktionieren nur sehr eingeschränkt und haben einen hohen Hormonsubstitutionsbedarf. Durch die Gabe von Schilddrüsenextrakt vom Rind oder Schwein tritt eine deutliche Linderung der Beschwerden ein, und auch das Funktionieren des Hormonsystems als Ganzes wird gestärkt. Dabei kommt es nicht selten zu einer Normalisierung des Prolaktinspiegels, zumindest, wenn Nebenniere und Eierstock noch gut funktionstüchtig sind. Progesteron wirkt als Gegenspieler von Prolaktin, und wenn es vermehrt gebildet wird, gleicht sich vieles aus, oft auch die durch die Schilddrüsenschwäche entstandene Östrogendominanz. Auch Östrogene reizen nämlich das Immunsystem auf und ein Überhang davon kann sich gemeinsam mit einem hohen Prolaktin fatal auswirken.

Aus therapeutischer Sicht haben wir hier eine klare Aufgabe: Schilddrüsenfunktion und Progesteron steigern, Östrogene und Prolaktin senken. Der erste Schritt in diese Richtung ist die möglichst genaue Einstellung dieser Patientinnen mit Schilddrüsenextrakt, wobei das Befinden und die Körpertemperatur hier die wichtigsten Gradmesser sind. Danach die Gabe von pflanzlichen Progesteronvorstufen, zum Beispiel Yamswurzelextrakt in der Dosis bis 1 g täglich, idealerweise an den Zyklus angepasst vom 12.-25. Tag eingenommen. Auch Mönchspfeffer, beginnend mit 4 mg täglich und gesteigert bis 40 mg, kann hier sehr wirkungsvoll sein und sowohl Östradiol als auch Prolaktin nachweislich senken.

Mit Progesteron auch aus bioidentischer Quelle habe ich etwas weniger gute Erfahrungen gemacht, da es sehr schwer ist, hier die richtige Dosierung zu finden, aber auf dem Weg würde ich mit einer 0,5%igen Creme, einen Hub täglich, die Therapie beginnen.

Die Erfolgskontrolle dieser Therapie macht man am Besten mit dem Ultraschall nach 3 Monaten. Das Schilddrüsengewebe sollte sich dabei schon aufgehellt haben. Auch das Sinken der hohen TPO-AK sollte schon innerhalb weniger Wochen nachweisbar sein.

Stillende Mütter sollten daran denken, das Stillen einzustellen, um die Prolaktinbildung zu reduzieren. Ist das nicht gewünscht, habe ich gute Erfahrungen mit der Einnahme von 250 mg Yamswurzel morgens gemacht. Dieses Dosis ist unbedenklich, was die hormonelle Regulation angeht, und beeinträchtigt nicht die Milchbildung, nimmt aber der Prolaktinbildung die Spitze und entlastet so das Immunsystem.

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