Metavive: Schilddrüsenextrakte von glücklichen Schweinen und Rindern

Getrocknete Schilddrüse als Hormonersatz existiert seit mehreren Jahrtausenden, und viele Menschen mit Schilddrüsenschwäche profitieren davon, sich auf diesem Wege Hormone zu holen, die ihr Körper braucht. Die meisten Menschen vertragen diese natürliche Hormonmischung besser als L-Thyroxin (Euthyrox), das vor allem von Schulmedizinern als Schilddrüsenersatz angeboten wird. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation ergeben, das mehr und mehr Betroffene Schilddrüsenextrakt vom Schwein einnehmen wollen, da sie mit L-Thyroxin nicht zurechtkommen und davon trotz mehrerer Dosisanpassungen wenig Hilfe erfahren. Viele schaffen die Umstellung und sind sehr zufrieden. Nicht wenige aber kommen gar nicht in den Genuss, diese Therapie ausprobieren zu können.

Da sind vor allem die Kosten. Diese Therapie ist für die meisten Privatvergnügen, und dazu mit monatlichen Therapiekosten von 100 – 200 EUR auch nicht billig. Noch dazu sind etablierte Produkte wie Armour Thyroid, WP Thyroid, Thyreogland, Acella, Thyroid Hormonkapseln und andere allesamt verschreibungspflichtig, und deshalb nur über ein ärztliches Rezept erhältlich. Nicht viele Ärzte stellen solche Rezepte aus, selbst Privatrezepte. Weil sie die Therapie nicht kennen oder für gefährlich halten. Und dann schafft das zunehmende Interesse der letzten Jahre einen Engpass, einen Flaschenhals, bei dem einem großen Bedarf ein geringes Angebot gegenübersteht. Millionen Menschen weltweit haben in den letzten zehn Jahren vom Schilddrüsenextrakt gehört und wollen es versuchen, und dieses gewachsene Interesse führt dazu, dass der Extrakt immer teuer wird und die Lieferzeiten der einzelnen Kleinbetriebe, die den Extrakt abfüllen, sich immer weiter verlängern. Mit dem steigenden Volumen an Schilddrüsenextrakt weltweit stellt sich außerdem immer stärker die Frage nach der Qualität der einzelnen Produkte. Wurde dieser anfangs in Manufaktur hergestellt, gibt es mittlerweile viele Millionen Menschen, die Extrakt einnehmen. Um diesen Bedarf zu decken, müssen hunderttausende Tiere sterben. Da stellt sich die Frage: Was sind das für Tiere? Wie haben sie gelebt? Was haben Sie gegessen? Wie wurden sie geschlachtet? Waren es denn gesunde Tiere?

Ein erster Versuch, auf diese Fragen Antworten zu gehen, wurde vor einigen Jahren von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) gestartet und dabei wurde gefordert, dass bei der Herstellung von den Produzenten die Mindestanforderungen der United States Pharmacopeia (USP) eingehalten werden. Das klingt gut, aber bei genauerer Betrachtung sind diese nicht besonders streng. Ein Biolabel kann man hier nicht geben. Die Bestimmungen kümmern sich nicht darum, wie die Tiere gelebt haben, noch, wie sie gefüttert wurden, sondern erwähnen nur, dass die Schilddrüsen von Schlachttieren stammen. Es sind amerikanische Schweine, die in der Massentierhaltung gelebt haben und mit Genmais gefüttert wurden. Davon kann man ausgehen, aber kommuniziert wird hier von den Herstellern nichts, Nachfragen bleiben unbeantwortet. In den Bestimmungen der USP steht weiterhin die Forderung, man möge prüfen, ob der Schilddrüsenextrakt mit Salmonellen oder Escherichia coli belastet ist, nicht aber, ob er anderweitig mit Keimen verunreinigt ist. In Amerika gibt es die Schweinepest nicht und wohl auch keine Schweinegrippe, aber darüber hinaus ist es natürlich möglich, dass manche Tiere, die für die Produktion von Schilddrüsenextrakt herhalten mussten, krank waren. Davon abgesehen ist der Schilddrüsenextrakt nach USP nicht frei von Zusatzstoffen, also kein reiner Extrakt. Er darf laut USP zwar kein Jod zugefügt werden, aber Spuren von Lactose und anderen Zuckern, aber auch Salz kann er enthalten. Thailändische Hersteller von Schilddrüsenextrakt geben deshalb auch prompt liebliche Farbstoffe hinzu und Duftstoffe, um dem Extrakt den Stallgeruch auszutreiben. Ob das gesund ist und von allen vertragen wird, ist hier die Frage.

In diesem nicht recht befriedigendem Umfeld hat jetzt die englische Firma Procepts Nutrition (www.procepts.eu) einen interessanten Weg gewählt, Schilddrüsenextrakt vom Schwein und vom Rind als Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei anzubieten. Jeder Bürger der EU kann es in Eigenregie per Knopfdruck bestellen. Angeboten wird Schilddrüsenextrakt vom Schwein als Metavive I in der Dosis von 1/4 grain  und Metavive II in der Dosis von 1/2 grain (15 mg bzw. 30 mg getrocknete Schweineschilddrüse) – was etwa der Stärke von 15 mcg bzw. 30 mcg L-Thyroxin entspricht. Wenn man bedenkt, dass der Mensch etwa 100 mcg L-Thyroxin-Stärke als Tagesbedarf hat, kann man davon ausgehen, dass sich die meisten Menschen, die sonst vom Arzt mit 100 mcg L-Thyroxin eingestellt würden, mit der Einnahme von 3-4 Kapseln Metavive II täglich einen guten Hormonersatz verschaffen und auf die L-Thyroxin-Tablette ganz verzichten können. Diese Schilddrüsen stammen nach Angabe von Procepts Nutrition von Schweinen, die auf den firmeneigenen Weiden gehalten werden. Die Schweine werden ohne den Gebrauch von wachstumsfördernden Hormonen oder Antibiotika gehalten. Die Ferkel werden im Freien geboren und wachsen auf natürlichen Grasweiden auf. In der kühlen Jahreszeit werden sie in großen mit Stroh ausgelegten Ställen gehalten. Sie können jederzeit ins Freie, und dürfen dort im Boden wühlen. Auch ihr Sozialverhalten wird nicht beeinträchtigt. Wie diese Tiere konkret gefüttert werden, kann man der Webseite nicht entnehmen. Die Schlachtung der Tiere erfolgt durch Metzger mit EU-Zulassung. Die Schilddrüsen werden tiefgefroren und gemahlen und mit Reisstärke gemischt in Zellulosekapseln gefüllt.

Eine gesonderte Bestimmung des Hormongehaltes erfolgt dabei nicht, aber er scheint etwa so hoch zu sein wie das in Schweineschilddrüse üblich ist (ich habe das so von Menschen erfahren, die Metavive eingenommen haben). Würde bei der Herstellung vom Extrakt eine Bestimmung von T3 und T4 erfolgen, wie das in der USP gefordert wird, wäre er damit auch automatisch ein Hormonprodukt geworden und damit verschreibungspflichtig. So aber kann die Vermarktung und der Vertrieb von Metavive in einem rechtlichen Graubereich als Nahrungsergänzungsmittel erfolgen.  Dafür verantwortlich ist die Firma Natural Health Choice, die Ernährungsberater ausbildet, die den Schilddrüsenextrakt vertreiben. Das gesamte offizielle medizinische System, die Krankenkassen, die Ärzte, die Prüfinstanzen, all das  wird hier vollständig umgangen.

Wie lange dieses Vorgehen der Firma Procepts Nutrition so durchgehalten werden kann, ist die Frage, es scheint sich hier auch in Großbritannien um einen rechtlichen Graubereich zu handeln. In einer vergleichbaren Situation, wo von nichtsahnenden Schilddrüsenkranken auf eigene Faust Rinderschilddrüsenextrakt aus den USA in die EU eingeführt wurde, hat der Zoll mitunter empfindlich reagiert. Ärztliche Gutachter haben den Extrakt als Hormonpräparat identifiziert und einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz gefunden, wofür Menschen, die den Extrakt bestellt hatten, auch haftbar gemacht wurden. In einem mir bekannten Fall wurde einer Klientin brieflich eine Strafe von 20.000 EUR angedroht, sie wurde unter großen Brimborium ins Regierungspräsidium zitiert und dann für 40 EUR Verfahrenskosten wieder laufen gelassen. Nachdem Großbritannien (noch) in der EU ist, und sich deshalb der Zoll mit Bestellungen von Metavive nicht  beschäftigen kann, ist eine ähnliche Reaktion hier nicht zu erwarten. Procepts Nutrition findet sich hier auf einer Ebene mit der niederländischen Firma deltastar.nl, die Rinderschilddrüsenextrakt seit Jahrzehnten aus Neuseeland importiert und unter der Bezeichnung Nahrungsergänzungsmittel an Kunden in der EU liefert, was nach meiner Beobachtung bislang für diese Kunden immer komplikationslos abgelaufen ist. Wie dieser in diesem Fall in die EU gelangen kann, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es scheinen hier die lange Geschichte der Niederlande als Handelsnation und ein entspanntes Rechtssystem in Bezug auf die Selbstmedikation mit Arzneien eine Rolle zu spielen.

Kleiner Exkurs: In Deutschland sieht das anders aus. Nach § 95 Abs. 9 Arzneimittelgesetz drohen Menschen, „die Arzneimittel erwerben, die nur auf Verschreibung an Verbraucher abgegeben werden dürfen“, drakonische Strafen. Zwar geht es hier vor allem darum, welche schädliche Wirkung der Erwerb dieser Arzneien auf andere haben kann und wird einen einzelnen Schilddrüsenleidenden nicht betreffen, der Schilddrüsenextrakt für den Eigenbedarf kauft. Aber schon wenn eine Heilpraktikerin oder eine Ärztin für ihre Klientinnnen Metavive erwirbt und an diese weitergibt, wird es knifflig. Jede schädliche Wirkung wird hier streng geahndet, sogar Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren für die Therapeutin sind hier vorgesehen. Diese rechtliche Falle kann eine Ärztin umgehen, indem sie Rezepte für Schilddrüsenextrakt ausstellt, der über eine Apotheke bezogen werden kann. Heilpraktikerinnen hingegen sollten für die eigene Praxis keinesfalls rezeptfreien Schilddrüsenextrakt einzukaufen, dürfen aber natürlich erwähnen, dass es Bezugsangebote gibt.

Procepts Nutrition hat mit Metavive III (32,5 mg, was etwa der Stärke von 20 mcg T4 pro Kapsel entspricht) und Metavive IV (65 mg) auch Rinderschilddrüsenextrakt im Programm. Es stammt von freilaufenden neuseeländischen Rindern. Aus dieser Quelle gibt es auch die amerikanischen Produkte Thyro Gold oder Thyrovanz, deren Bestellung europäischen Kunden wegen der Zollschwierigkeiten Probleme verursacht hat, aber auch das von deltastar.nl erhältliche Bovine Thyroid stammt daher. Auch hier ist davon auszugehen, dass die Weidetiere naturgemäß gelebt haben und nicht wie in unserer Tierhaltung üblich, mit Hormonspritzen und Antibiotika behandelt wurden, und dass die Schilddrüsen frei von Tierseuchen sind (Neuseeland ist nicht nur das letzte BSE-freie Gebiet der Welt, auch viele andere bei uns grassierende Keime sind dort unbekannt). Es gibt dort auch keine genmanipulierten Pflanzen und keinen Genmais als Futter.

Aus medizinischer Sicht ist Schilddrüsenextrakt vom Schwein (und etwas weniger auch das vom Rind) ein ausgezeichneter Hormonersatz, und mit der richtigen Dosierung davon wird es einem Großteil der Menschen mit Schilddrüsenkrankheiten besser gehen als mit synthetischen Hormonpräparaten. So viel kann ich mit meiner etwa 20jährigen Erfahrung als Arzt in diesem Bereich klar sagen. Hunderte von Menschen in meiner Praxis haben mit dieser runden, biologischen Form eines Hormonersatzes sogar wieder eine leistungsfähige Schilddrüse zurückgewonnen und sind gesund geworden, besonders bei der Hashimoto-Thyreoiditis, wo die gute Versorgung mit Schilddrüsenhormonen eine Schlüsselkomponente der Heilung darstellt. Ich finde es wunderbar, dass es nun von Herstellerseite  ein Angebot gibt, diese Hormonergänzung in Eigenregie und relativ preisgünstig durchzuführen. Umso erfreulicher ist es, dass auf die Tierhaltung geachtet wird und man sich Mühe gibt, hormonelle Störfaktoren möglichst auszuschließen. Ein Schilddrüsenextrakt aus dieser Quelle wird gesünder und hochwertiger sein als einer von gewöhnlichen Schlachttieren. Ich frage mich allerdings, wie viele Menschen bei der Eigenmedikation das Gespür haben werden, das richtige Maß an Hormonersatz bei sich zu finden und diese Therapie ohne therapeutische Unterstützung erfolgreich an sich anwenden zu können. Ich kenne viele Klientinnen, die das ohne Probleme schaffen, aber auch sehr viele, die von dieser Aufgabe überfordert sind, und sich über- oder unterdosieren und dabei mitunter sogar ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Aus rechtlicher Sicht scheint mir das Angebot und der Vertrieb von Metavive problematisch. Es wäre außerdem wünschenswert, den Hormongehalt der einzelnen Mengen an Schilddrüsenextrakt jeweils zu bestimmen und auf der Packung anzuführen und den Extrakt als verschreibungspflichtige Arznei herzustellen. Unser Gesundheitssystem sollte ihn in den Katalog der erstattungsfähigen Arzneien der Krankenkassen aufnehmen. Ärzte sollten ausreichend geschult werden, um den Inhalt und die Wirkung vom Extrakt ausreichend einschätzen zu können. So könnte sich jede Betroffene einfach ein Rezept dafür bei ihrer Hausärztin ausstellen lassen und von dieser auch gegebenenfalls einen Rat einholen können für die Dosierung oder bei etwaigen Nebenwirkungen.

Bis solche Veränderungen im Gesundheitssystem eintreten, , werden Menschen mit Schilddrüsenschwäche sich vielerorts auf Angebote wie das von Procepts Nutrition einlassen müssen. Sollte es im Frühjahr 2019 einen harten Brexit geben, ist davon auszugehen, dass dieses Angebot dann erlöschen wird aufgrund der Einfuhrbestimmungen. Bislang können Sie bei Interesse an Metavive an folgende Adresse schreiben oder dort anrufen:

The Natural Health Choice Ltd
Logistics House, Charles Avenue
Burgess Hill, RH15 9TQ
United Kingdom

Tel: +44 (0)1444 318 822
Email: info@the-natural-choice.co.uk
Web: //www.the-natural-choice.co.uk

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