Hashimoto und Vitamin D

Jeder Mensch mit einer aktiven Hashimoto-Thyreoiditis hat einen niedrigen Vitamin D-Spiegel. Sobald diese auszuheilen beginnt, steigt auch das Vitamin D an und stabilisiert sich dann auch auf einem höheren Niveau. Man kann hier das Verhalten des Vitamin D ähnlich wie die Bestimmung von Autoimmunfaktoren wie den TPO-AK dazu benutzen, um zu prüfen, wo jemand mit seiner Hashimoto überhaupt steht. Wie stark die Krankheit bei einem noch aktiv ist, und vor allem, ob eine Behandlungsmaßnahme wirksam ist und wahrscheinlich auch zur Heilung führen wird. Vor allem aber habe ich die Beobachtung gemacht, dass  viele Menschen, die Vitamin D einnehmen und einzig und allein durch diese Maßnahme einen Heilungsschub erleben, der sie von der Hashimoto-Thyreoiditis befreit. Die Antikörper sinken, das Befinden ist besser, und die Schilddrüse sieht im Ultraschall weniger entzündet aus, normalisiert nicht selten sogar ihre Form. Diese Beobachtung hat mich dazu veranlasst, bei der Behandlung einer Hashimoto Vitamin D sehr ernst zu nehmen und diese Vitalstofftherapie möglichst fein dosiert einzusetzen.

Die große Diskussion, die an dieser Stelle häufig beginnt, ist, was mit einer Vitamin-D-Therapie gemeint ist und wie stark und wie lang sie durchgeführt werden muss. Die weitaus größte Fraktion der betroffenen Menschen ist der Meinung, dass man Vitamin D höchstens in der kühlen Jahreszeit einsetzen solle, man es im Sommer aber nicht brauche. Meine Beobachtung ist allerdings die, dass man bei Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis auch im Sommer Vitamin D zuführen muss. Warum? Dafür gibt es zahlreiche Argumente:

  1. Wir leben auf der nördlichen Halbkugel in einem Gebiet, wo die Sonnenstrahlen weniger intensiv auf uns einwirken als im Ursprungsgebiet der Menschheit, das äquatornahe liegt. Von dort vor Hunderttausenden von Jahren wegzuziehen hat bewirkt, dass wir weniger Vitamin D in der Haut bilden können wie das von der Natur eigentlich ursprünglich vorgesehen war.
  2. Wir kleiden uns die meiste Zeit so, dass nur das Gesicht und ein Teil des Halses und die Hände, vielleicht ein Teil der Arme und Beine Sonnenlicht abkriegen. Die Hautfläche, die hier Vitamin D aktivieren kann, bleibt ziemlich klein.
  3. Wir halten uns weit stärker im Inneren von Gebäuden auf als noch vor einer oder vor zwei Generationen. Die Sonnenexposition ist dabei insgesamt radikal zurückgegangen, und zum Teil auf Null geschrumpft. Unsere Freizeitsaktivitäten haben sich dabei notgedrungen immer mehr auf Tagesabschnitte verlagert, wo kaum oder keine Sonne mehr am Himmel steht.
  4. Wir schützen die Haut stärker vor Sonneneinstrahlung mit Cremes, Kopfbedeckungen, Sonnenschirmen, als das früher der Fall war.
  5. Wir essen weniger tierische Produkte als früher. Vor allem trinken wir weniger Milch. Manche von uns leben vegan. Dadurch ist die Aufnahme von Vitamin D mit der Nahrung stark zurückgegangen oder hat sogar ganz aufgehört, denn nur tierische Nahrungsmittel können Vitamin D enthalten.
  6. Bei einer Schilddrüsenentzündung werden calcitoninbildende Zellen in der Schilddrüse zerstört. Dieses Hormon festigt Körperstrukturen. Wenn es fehlt, muss hier Vitamin D in die Bresche springen, der Verbrauch ist größer. Vor allem bei schweren Verläufen einer Hashimoto-Thyreoiditis kann es sein dass die Schilddrüse selbst gar kein Calcitonin mehr bildet.
  7. Wer einer Stressbelastung ausgesetzt ist, hat eine erhöhte Nebennierenaktivität. Es müssen mehr Hormone gebildet werden, die auf einem Steroidring aufbauen. Auch die körpereigen gebildeten Vitamin D-Vorstufen entstehen in diesem Umfeld und diese Produktion kann durch Mehrbildung von Cortisol und anderen Nebennierenhormonen und Geschlechtshormonen ins Hintertreffen geraten.
  8. Eine Schilddrüsenentzündung bewirkt häufig eine Nebennierenschwäche. Wenn dann insgesamt weniger Cortisol gebildet wird, braucht der Körper verstärkt Steroidhormone, die seine Wirkung ersetzen. Dazu gehören DHEA und Pregnenolon und andere, aber auch Vitamin D.
  9. Menschen mit Autoimmunkrankheiten entwickeln häufiger eine Störung von Hormonrezeptoren. durch Bildung spezifischer Autoantikörper. Das betrifft auch bei manchen den Vitamin-D-Rezeptor, wodurch sich die Wirkung von Vitamin D abschwächt.

Aus dieser Aufzählung kann man leicht ablesen, warum jemand mit einer Schilddrüsenentzündung auf Autoimmunbasis viel leichter in einen Vitamin D-Mangel geraten kann als eine gesunde Person, und warum sich die Einnahme von Vitamin D so segensreich auswirken und oft als alleiniger Reiz eine Heilung bewirken kann.

Aber wie soll man das Vitamin D dosieren? Auch hier findet sich im Internet häufig das Angebot, die Menge gleich hoch zu wählen, nach dem Motto, viel hilft viel. Es ist nicht selten so, dass Patientinnen zu mir kommen, die dann am Tag 20.000 Einheiten, manche sogar 50.000 Einheiten täglich einnehmen. Diese Dosierung steht im Kontrast zum durchschnittlichen empfohlenen Tagesbedarf von 600 Einheiten täglich, der ja üblicherweise über die Nahrung gedeckt werden kann. Manche Menschen nehmen riesige Menge von Vitamin D täglich und erleben, dass das 25-OH-Vitamin D3 darunter gar nicht steigt, als würde er sich gegen diese unnatürlich hohe Menge wehren. Das 25-OH-Vitamin D3 im Serum ist der wichtigste Messwert für die Versorgung des Körpers mit Vitamin D. Es sollte zwischen 50 und 100 mcg/l liegen. Bei manchen mit riesigen Mengen an täglich eingenommenem Vitamin D3 verharrt er dann unter 20 mcg/l.

Manche Menschen berichten bei der Einnahme einer einmaligen Dosis von 20.000 Einheiten ganz im Gegensatz dazu von einer extremen Stimulierung des ganzen Körpers, durch die sie tagelang nicht schlafen konnten und wie aufgedreht waren und zitterten und Angstgefühle hatten. Sie haben Angst, Vitamin D überhaupt als Arznei zu nehmen und verharren nicht selten in einem Zustand, wo die Heilung von der Hashimoto-Thyreoiditis verunmöglicht wird.

Aufgrund dieser großen Unterschiedlichkeit einzelner Menschen empfehle ich daher, bei der Therapie mit einer Tagesdosis von 1000 Einheiten anzufangen und diese im Bedarfsfall innerhalb von 6 Wochen um jeweils 1000 Einheiten täglich zu steigern, sofern die Laborkontrolle ergeben haben sollte, dass das Vitamin D darunter nicht wesentlich ansteigt.  Wir wollen ja jedenfalls über 50 mcg/l kommen. Liegt eine Vitamin D-Resistenz vor, wird oft erst mit 20.000 Einheiten täglich oder sogar noch größeren Mengen an Tagesdosis eine Heilung passieren können. Wenn eine Resistenz vermutet wird, sollte man das 1-25-OH-Vitamin D3 bestimmen lassen. Es sollte dann im höheren Normbereich zwischen 50 und 70 ng/l liegen, damit sich die Wirkung des Vitamin D  ganz entfalten kann.

Es schlüsselt ja über 2000 Gene im Körper auf und ist ein wichtiges Wachstumshormon. Wenn eine klein gewordene Schilddrüse nach Abklingen einer Hashimoto-Thyreoditis wieder wachsen und leistungsfähig werden soll, braucht sie dazu ausreichend Vitamin D.

Es hat sich in den letzten Jahren eine Unzahl von Empfehlungen etabliert, welche anderen Vitalstoffe noch zusätzlich zum Vitamin D eingenommen werden sollen, damit es überhaupt aufgenommen und wirksam werden könne, darunter vor allem Vitamin K2, Magnesium, Calcium, Q10 und viele andere. Nach meiner Erfahrung reicht die Einnahme von Vitamin D aber in den meisten Fällen aus und erzielt gute Erfolge. Sollte das nicht der Fall sein, sollten dann erst im zweiten Schritt andere zusätzliche Vitalstoffe zum Einsatz kommen.

 

 

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