Hillary Clinton: Hashimoto-Patientin mit Schilddrüsenextrakttherapie

Wenn es um Schilddrüsenhormonersatz geht, kennt die Fachwelt nur L-Thyroxin. Nahezu alle Studien werden mit diesem synthetischen Hormon durchgeführt, das von der Pharmaindustrie für einige Cent im Labor hergestellt werden kann. Zwar weiß man längst, dass über 30 Hormone in einer gesunden Schilddrüse gebildet werden und Bedeutung für den Körper haben, und dass viele Menschen, die nach einer OP etwa komplett auf Schilddrüsenhormone angewiesen sind, diese zahlreichen Hormone nicht aus dem Vorhormon L-Thyroxin bilden können. Doch wirklich kümmert das nur wenige Ärzte, von denen sich das Gros darauf beschränkt,bei Substitutionsbedarf  L-Thyroxin zu verschreiben und Patientinnen, die damit nicht zufrieden sind, und über anhaltende Beschwerden trotz „perfektem TSH“ klagen, als depressiv abkanzeln.

Hillary Clinton, die derzeitige Kandidatin für das amerikanische Präsidentenamt, hat diesen Weg nicht mitgemacht, wie aus einem Brief hervorgeht, den sie im Juli 2015 bezüglich ihrer Gesundheit veröffentlichte. Sie betreibt seit Jahren ihren Schilddrüsenhormonersatz mit Armour Thyroid, das ist Schilddrüsenextrakt vom Schwein, das von der Firma Forest Pharmaceuticals angeboten wird, die es schon vor über 100 Jahren gab, und die vor einigen Jahren in die Medien kam, weil eine Medikamentenlobby darauf drängte, dieses Produkt zu verbieten. Man könne nie garantieren, dass es nicht mit eine Krankheitserreger verseucht sei, man wisse nie genau, welche Schilddrüsenhormone in welcher Konzentration darin vorliegen würden, es sei nicht haltbar, und vieles andere mehr wurde bemängelt. Dieses altmodische Produkt müsse endlich vom Markt verschwinden, so die Stimmen der medizinischen Ankläger. Tatsächlich wurde Armour Thyroid einige Wochen lang auf Lieferstopp gesetzt und Millionen Packungen wurden aus dem Handel zurückgezogen. Dann aber war Armour Thyroid plötzlich wieder lieferbar und bildet seither nebst vielen anderen Produkten mit Schilddrüsenextrakt eine medizinische Alternative zu L-Thyroxin, die Hunderttausende Patientinnen weltweit wahrnehmen. Wie es zu dieser Rückkehr der Arznei kam, wurde in den Medien nicht kommuniziert, aber es gibt seither die Auflage, man möge Schilddrüsenextrakt nach der US-Pharmacopeia herstellen, einer Non-Profit-Organisation, die Richtlinien der Arzneimittelproduktion verfasst. Es ist eine so strenge Bestimmung, dass sie nur ein Rohstofflieferant weltweit, American Medical Services, erfüllen kann. So wurde durch eine Intrige ein Monopol geschaffen, das seither jeden Anbieter von Schilddrüsenextrakt beliefert. Die Qualität von Armour Thyroid und anderen Produkten mit Schilddrüsenextrakt, darunter auch Thyreogland der Klösterl-Apotheke in München und die Thyroid Hormonkapseln der Receptura Apotheke in Frankfurt am Main, scheint gut zu sein, doch angenehm ist diese Situation nicht, denn AMS scheint auch eine sehr zurückhaltende Kommunikation mit den Medien zu pflegen und gibt eigentlich nur die Information heraus, es würde „tierische Schilddrüse“ verwendet, vermutlich von amerikanischen Schlachtschweinen, die mit Getreide gefüttert wurden.

Hillary Clinton scheint seit langer Zeit als Patienten von diesem Produkt zu profitieren. Wer es ihr empfohlen hat, wissen wir nicht. Ihre Ärztin scheint das Rezept dafür auszustellen. Der Schilddrüsenarzt sieht hier vor dem inneren Auge den wahrscheinlichen Werdegang: Eine Frau, die nach der Geburt des einzigen Kindes erhöhte TPO-Antikörper hat und eine Schilddrüsenschwäche durch Hashimoto-Thyreoiditis erlebt. Eine Frau, die sich jahrelang mit L-Thyroxin als Therapie herumquält. Irgendwann einmal eine andere Frau trifft, die längst mit Erfolg Schilddrüsenextrakt verwendet, und seither wieder eine zufriedenstellende Gesundheit hat. Dann der Schritt zu ihrer Ärztin: Ich will auch Schilddrüsenextrakt haben. Die winkt ab oder warnt vor den Folgen. Nein, sagt Patientin Hillary Clinton, ich will es trotzdem versuchen. Und sie versucht es und ist damit zufrieden. Sie merkt, dass Schilddrüsenextrakt eine runde, umfassende Form des Hormonersatzes ist, unter dem man sich wieder so fühlt wie früher. Und sie bleibt dabei. Trotz abfälliger Bemerkungen, trotz Stirnrunzeln anderer Ärzte.

All das sind Spekulationen, aber dass Mrs. Clinton diese Medikation von ihrer Ärztin bekannt machen lässt (nebst dem auch „altmodischen“ Coumadin als Blutverdünner), spricht dafür, dass sie offen dazu steht und mit dieser Medikation zufrieden ist. Leicht wird ihr diese Entscheidung zur Ehrlichkeit in einem Wahlkampf, der von Untergriffen lebt, nicht gemacht. Es dauerte zwar ein Jahr, bis ihr politischer Gegner das Thema aufgreifen ließ, doch dann tönte es vielerorts in den Medien: Ihre Gesundheit sei in Gefahr, sie verwende eine Arznei aus den 1950er Jahren, die nachweislich in seltenen Fällen sogar Stürze hervorrufen könne, so hätte sie sich ihre Schädelprellung und Hirnblutung 2011 zugezogen … letzteres behauptete ein Dr. Drew, ein populärer Fernseharzt, dem kurz darauf, nebenbei bemerkt, gekündigt wurde, weil er öffentliche Ferndiagnosen machte. Seine Behauptung, es handle sich bei Armour Thyroid um eine alte Arznei, war sicherlich richtig, dass sie aber vom wissenschaftlichen Standard überholt worden sei, ist nur insofern korrekt, als man Schilddrüsenextrakt damals ignorierte und Studien fortan mit L-Thyroxin machte. Zumindest war das so bis in das Jahr 2012, wo Dr. Hoang am Walter Reed Hospital mit Armeeangehörigen den ersten Direktvergleich zwischen L-Thyroxin und Schilddrüsenextrakt durchführte, der jemals unternommen worden war. Das Ergebnis: Ein Großteil der Untersuchten bevorzugten Schilddrüsenextrakt, fühlten sich darunter besser und  viele verloren auch ein paar Kilogramm Gewicht. Dieser Vergleich wäre nach meiner Erfahrung noch deutlicher ausgefallen, wenn man Menschen mit sehr kranker oder fehlender Schilddrüse ausgewählt hätte. Dort, wo keine gesunde Restschilddrüse vorhanden ist, die fehlende Hormone hinzufügen kann, ist die Notwendigkeit für die Verordnung von Schilddrüsenextrakt noch ungleich größer. Hingegen gibt es keine Studie, die festgestellt hätte, dass eine Sturzneigung unter Extrakt bestehen würde. Tatsächlich sind Schwindel und Schwäche unter L-Thyroxin weit häufiger zu finden, wie diese Studie zeigte. Da hat Dr. Drew geflunkert.

Es stimmt also nicht, dass Schilddrüsenextrakt obsolet wäre, nein, es ist ganz im Gegenteil wahrscheinlich das bessere Präparat. Man erkennt das allein daran, dass die Menschen mit Schilddrüsenschwäche längst mit den Füßen abstimmen. Sie suchen sich Ärzte, die Schilddrüsenextrakt verschreiben. Zehntausende in Deutschland nehmen längst mit Erfolg und Überzeugung Schilddrüsenextrakt. Es sind zu einem großen Teil informierte und wohlhabende Menschen, die Schilddrüsenextrakt als Hormonersatz auch gerne von ihrer Privatversicherung ersetzt bekommen, während die gesetzliche Krankenkasse die übrige an Schilddrüsenschwäche leidende Bevölkerung mit L-Thyroxin abspeisen möchte. Da kann der wissenschaftliche Kenntnisstand diese Verordnungspraxis ruhig in Frage stellen, sie wird nur mit Widerstand geändert werden. Es geht hier um hunderte Millionen mögliche Kosten für die Kassen, wenn man Schilddrüsenextrakt allgemein verfügbar machen würde. Aber man würde sich auch viele Folgekosten für andere Arzneien ersparen, so auch einen Großteil der Antidepressiva, die unter L-Thyroxin oft notwendig sind.

Hillary Clinton gehört heute schon in die Klasse der Privilegierten, die dieses bessere Präparat mit Tagestherapiekosten von 1-2 EUR erhalten kann und es sich auch leisten kann. Sie scheint mit dieser Medikation gut zu fahren, wie man so sagt, und so geht es glücklicherweise auch vielen Menschen, die diese Form des Hormonersatzes kennen lernen dürfen.

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