Hashimoto differenziert sehen

Seit dem Verkaufserfolg meines Buchs „Die Schilddrüse“ hat sich meine Arztpraxis als Schilddrüsenzentrum etabliert. Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet strömen nach Bamberg, um sich hier eine differenzierte Meinung zur Schilddrüse abzuholen. Sie fühlen sich von den behandelnden Ärzten oft nicht verstanden. Ich kann das gut nachvolllziehen. Vor einem Jahr stand ich vor einem Saal voller Kollegen, die vornehmlich die Schilddrüse behandelten und fühlte mich bald sehr isoliert. Es gibt in der Fachwelt keinen Respekt vor diesem Organ. Wenn es sich in geringster Weise verändert, wird es chirurgisch entfernt, oder zumindest mit der Gabe von Schilddrüsenhormon ausgeschaltet. 4 Millionen Deutsche schlucken L-Thyroxin! Und viele Tausend werden operiert und verlieren dabei die ganze Schilddrüse, oft aus nichtigsten Gründen! Ein ziemlicher Skandal!

Nach meiner Erfahrung ist die Schilddrüse eines der wichtigsten Organe überhaupt. Sie ist anderen Hormondrüsen übergeordnet, steuert sie mit. Und weil sie eine so zentrale Rolle beim Thema Kraft, Ich-Gefühl, Energie, Wohlbefinden spielt, ist es von zentraler Wichtigkeit, dieses Organ zu erhalten. Denn nur eine lebendige Schilddrüse kann sich dem Bedarf anpassen, den der Körper hat, und ihn so warm und feucht machen, wie er es braucht, und jeder Zelle das Maß an Aktivität vermitteln, das für Stoffwechsel, Empfindungen und vieles andere mehr notwendig ist.

Viele Krankheiten hängen mit einer fehlerhaften Schilddrüsenfunktion zusammen und würden erst gar nicht auftreten oder bald wieder verschwinden, wenn man die Schilddrüse so vital und ungeschoren ließe, wie sie es verdient. Leider stopft die Nahrungsmittelindustrie Gifte in unser Essen, die die Schilddrüse lähmen. Leider ist auch die Umweltverschmutzung besonders mit Schwermetallen eine üble Sache, die unsere Schilddrüse wieder und wieder korrigieren muss. Wenn man sieht, wie widerstandsfähig dieses Organ ist und zugleich wie schwingungsfähig es gegenüber Anpassungen bleibt, kann man es nur bewundern.

Kommen wir nun zur wichtigsten Entzündung der Schilddrüse, dem Morbus Hashimoto. Derzeit Modekrankheit Nummer 1. Einerseits zu Recht. Fast jeder 10. Deutsche hat Antikörper gegen Schilddrüsengewebe. Antikörper, die eine Hashimoto-Entzündung hervorrufen können. Andererseits ist eine schon im Ultraschall sichtbare Entzündung des Organs mit Schwellung, Dunkelwerden einzelner Abschnitte, und dem Aufbrechen von Organstrukturen schon viel seltener. Vielleicht sieht man so etwas bei jedem 200. bis 300. – so meine Schätzung. Und ein völliges sich Auflösen der Schilddrüse bei Hashimoto ist sehr selten. Vielleicht kommt das in einem von tausend Fällen vor, wo Antikörper vorliegen.

Wenn ich also von differenzierter Betrachtung der Krankheit rede, dann ist es mir wichtig, einerseits das Problem der Ärzte zu sehen, die eine Hashimoto ohnehin als unheilbar einstufen und die Patienten mit L-Thyroxin abspeisen, das nicht selten zu Überfunktionserscheinungen wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit, Durchfall, Ängste u.s.w. führt. Eigentlich sollte man ja das Schilddrüsenhormon erst geben, wenn die Schilddrüse schwach geworden ist und das TSH (der Messfühler des Körpers, der eine Unterfunktion anzeigt) immer weiter ansteigt. Daran hält sich leider fast kein Arzt. Manche TSH-Faschisten bestehen darauf, dass jeder Patient in TSH von 1,0 hat und wundern sich dann, wenn sie lauter unglückliche Patienten haben, die falsch eingestellt sind. Denn die Normwerte vom TSH sind nicht entstanden, weil man eines Tages erkannte, dass jeder gesunde Mensch ein TSH von 1,0 hat. Sondern man untersuchte mehrere hunderte Gesunde, und davon hatten manche 0,5 TSH und andere 2,5 und selten auch welche 4 – und alle waren GESUND!!! Deshalb kann der „richtige“ TSH-Wert nur selten 1,0 sein, sondern „richtig“ wird er erst, wenn sich der Mensch mit seinem TSH-Wert wohl fühlt. Da ist es in den meisten Fällen dann relativ nebensächlich, wie hoch dieser dann ausfällt.

Und unangenehm ist außerdem,  wie häufig eine Hashimoto operiert wird. Prinzipiell besteht dazu kein Anlass, denn im schlimmsten Fall löst sich das Organ ohnehin von selbst auf. Und sonst wird es nicht schaden. Da es aber sehr selten bösartige Tumore in dieser Entzündung gibt, wird jeder ein bisschen auffällige Knoten gleich zum Anlass für ein chirurgisches Eingreifen. Eine tragische Sache, wenn man bedenkt, dass Entzündungsschübe auch ein knotiges Bild abgeben können und in den meisten Fällen dann bei der OP ohnehin kein Tumor gefunden wird. Aber wenn das Organ mal weg ist, lohnt es sich nicht mehr, darüber zu reden. Und leider kann man es dann auch nicht mehr behandeln.

Ich halte viel von der Naturheilkunde und bin immer wieder verblüfft, wie stark Knoten in der Schilddrüse schrumpfen oder sich auflösen können. Oder wie eine Autoimmunerkrankung wie die Hashimoto-Thyreoiditis völlig zur Ruhe kommen kann, die Antikörperspiegel in den Keller sinken und das Ultraschallbild wieder das einer normalen Schilddrüse wird. Und wie die Menschen, die unter dieser Fehlfunktion gelitten haben, wieder kraftvoll und freudig im Leben stehen. Ich halte die Hashimoto also durchaus für heilbar und kann schon in meiner eigenen Praxis mehrere hunderte Fälle für diese Behauptung anführen. Es macht mir große Freude, diese Menschen zu behandeln und ich bin immer wieder positiv überrascht, wie sich Menschen, die depressiv verstimmt oder schwach waren, sich bei so einer Heilung wie aus einer Verpuppung befreien und ein strahlender Schmetterling werden.

Ungeachtet dieser Worte möchte ich aber auch Menschen, die Autoantikörper haben und die Diagnose Hashimoto gestellt bekommen haben, sich nicht in diese emotional hineinfallen zu lassen und dabei die Chance auf Heilung von Krankheitsbildern zu gefährden, die mit der Hashimoto gar nichts zu tun haben. Sehr häufig kommen nämlich Menschen zu mir, die ihre Beschwerden auf eine Hashimoto zurückführen und die Untersuchung zeigt dann, dass sie vielleicht diese Entzündung in kleinen Spuren haben, das Problem aber ganz wo anders liegt. Das ist die Problematik, wenn ich mitunter gegen „Hashis“ anschreibe, die in Internetforen Symptome zerpflücken, sich dabei auch manchmal gegenseitig eine Stütze sind. Und doch – vermute ich zumindest – sind sie hier oft auf dem falschen Weg. Denn Hashi ist nicht gleich Hashi. Wir haben die Extremform eines Menschen, der sehr hohe Antikörperspiegel hat und viele Beschwerden und auch im Ultraschallbild eine Auflösungstendenz der Schilddrüse zeigt. Hier sind alle geisten, seelischen und körperlichen Beschwerden mit hoher Wahrscheinlich Ausdruck der Erkrankung. Sehr oft aber gibt es Menschen mit sehr geringer Antikörpertätigkeit und einer im Ultraschall normalen Schilddrüse, die an Ängsten leiden, oder Fehlfunktionen von Organen, die depressiv sind oder sich schwach fühlen – und dabei eine ganz andere Krankheit haben, die dafür verantwortlich ist. Und die dann mitunter einen Weg beschreiten, der über viele Jahre geht, in denen sie krank sind und nicht wirklich leben und sich damit zufrieden geben, eben eine Hashi zu haben und unheilbar zu sein und das ist eben so.

Hashimoto differenziert sehen ist eine Anforderung an die Ärzte, die eine gute Diagnostik machen müssen, gut beraten, und in Bezug auf ihre Heilmittel breit aufgestellt. Nach meiner Erfahrung reagiert die Schilddrüse oft blendend auf sanfte Arzneien wie Schüßler-Sale und Homöopathie, weshalb man hier ganz ohne ideologische Scheuklappen herangehen sollte. Aber auch Heilpflanzen, Aromatherapie bis hin zu Pharmazeutika können in Frage kommen nebst Energiearbeit, psychologische Heilverfahren, Kälte- und Wärmeanwendungen und vieles mehr.

Hashimoto differenziert sehen heißt aber auch, als Patient die eigenen Beschwerden kritisch zu hinterfragen, und der Hashimoto nur das „zuzuschieben“, wofür sie auch verantwortlich ist. Das bedeutet das auch, offen für weitere Untersuchungen oder Erfahrungen zu bleiben. Und es bedeutet, auf die Eigenverantwortung nicht zu vergessen, die man für sein Leben hat. Man muss es oft gestalten und dabei Widerstände überwinden, damit man sich wieder besser und stärker fühlen kann. Wird aber die Krankheit zur Entschuldigung dafür, sein Leben nicht mehr gestalten zu wollen oder zu können, wird man der Schilddrüse nicht gerecht. Denn sie ist ein verdammt zähes Organ, das immer wieder über Lösungsmöglichkeiten „nachdenkt“ und oft auch noch im schwer kranken Zustand bereit ist, einem über Lebenskrisen hinwegzuhelfen.

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