Das Burnout-Syndrom

Buchankündigung:

 

Dr. med. Berndt Rieger: Das Burnout-Syndrom

Ganzheitliche Behandlungsstrategien bei seelischer Erschöpfung

 

(Erhältlich auf Amazon.com, Amazon.de und ebooks-rieger.de)

 

In diesem Buch geht es um einen Zustand, den wir mit Worten schwer beschreiben können. Einen Zustand des Ausgebranntseins, der Schwäche und Fühllosigkeit. Man fühlt sich schwer krank und depressiv. Man hat das Gefühl, nun zu wissen, wie das ist, alt zu sein. Man erkennt seine Sterblichkeit.

 

In der alten Medizin nannte man diesen Zustand den der „Vererdung“. Das kühle, trockene Element Erde ergreift Besitz von uns. Es löscht die Lebensgeister (die dem jugendlichen Element der Luft entsprechen) und erinnert uns an das Wort: Staub bist du und zu Staub wirst du zurückkehren, nämlich Erde werden. Wir kommen aus der Erde, vermischen uns mit Wasser und Luft und Feuer, die beweglichen Elemente, die uns Leben schenken, und scheiden diese alle im Laufe des Lebens wieder aus und das, was wir vor unserer Geburt waren: Sandkörner in einer Wüste von Sand.

„Ausgebrannt“ sein heißt also, das was uns feucht und warm gemacht hat, zu verlieren. Medizinisch gesprochen sind das unsere Hormone. Sie befeuchten den Körper, machen ihn jung. Wer sich erschöpft, entzieht dem Körper die Kraft, sich zu verjüngen. Er tut das, indem er lichterloh brennt, wie eine Kerze auf beiden Seiten. Ihr Feuer vertreibt den Schlaf (der uns mit dem Element Wasser erfüllt) und die Lebenslust (die Fülle der in uns kreisenden Hormone), und letztendlich verlöscht das Feuer, das unsere Tatkraft und unsere Leidenschaft ausgemacht hat, plötzlich, von einem Tag auf den anderen und hinterlässt eine Wüste, in der wir uns karg und leblos fühlen. Das ist das Burnout-Syndrom, von dem in diesem Buch die Rede sein soll.

Die Frage, die wir uns zur Analyse unserer Schwäche stellen müssen, lautet: Warum brannten wir? Was war unser Ziel? Sind wir durch diesen intensiveren Leistungsschub auch am Ziel angekommen und dadurch vielleicht gar nicht „ausgebrannt“, sondern einfach nur „erschöpft“? Schöner ist ja dieses Wort „Erschöpfung“ für so einen Zustand der Ruhe nach vollbrachter Tat. Es setzt einen Schöpfer heraus, der müde geworden ist und zufrieden auf seine Leistung zurückblickt. So ähnlich steht es ja in der Bibel nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen, wo Jesus seinen bevorstehenden Tod mit den Worten „Es ist vollbracht!“ kommentiert. Getrieben war auch er zu einer Lebensleistung, wie schon sein Vater, der Schöpfergott, der seine Existenz in die berufliche (als er die Welt schuf) und den Ruhestand (alles Nachfolgende) einteilte. Dieses Denken in den Kategorien eines „Lebenswerks“ ist den meisten Menschen eigen, so lange sie streben. Wir kennen das von Künstlern, die mitunter Opus-Zahlen anlegen, mit denen sich die Lebensleistung beziffern lässt. Aber auch von Firmengründern, die daran arbeiten, ihren Kindern etwas vererben zu können. „Opus“ und „Erbe“, also Hinterlassenschaften, sind für viele Frauen die Kinder und Kindeskinder. Doch es gibt auch besondere Formen der Lebensleistung, die oft nur über kleinere Zeitabschnitte erbracht werden. Hier ist der Marathonläufer ein gutes Beispiel. Die Griechen hatten bei Marathon die Perser besiegt, ein unglaubliches Ereignis, an das man in der Hauptstadt Athen nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Ein Läufer wurde beauftragt, um den Sieg zu verkünden und damit neue Hoffnung in die Heimat zu bringen. Er erfüllte diesen Auftrag so schnell wie möglich, wagte es nicht, abzusetzen, und rief: „Freut euch, wir haben gesiegt!“ bevor er tot zusammenbrach. Erschöpft auch er, ausgebrannt durch die übergroße Anstrengung innerhalb weniger Stunden.

Diese Geschichte ist zu gut, um wahr zu sein. Eigentlich hat sie sich so zugetragen, dass im Krieg gegen die Perser von Athen der Läufer Pheidippides nach Sparta geschickt wurde, um dort um Truppenunterstützung zu bitten. Er starb kurz nach der Ankunft, und der Geschichtsschreiber Herodot berichtete darüber. Dass später Plutarch und Lukian daraus eine Legende gebildet haben, die zweitausend Jahre später noch Millionen Menschen fasziniert und in der anhaltenden und weltweiten Abhaltung von Marathonläufen resultiert, zeigt, dass sie unser Inneres an einer entscheidenden Stelle berührt. Wir alle werden geboren und leben. Doch das Gefühl, dass sich das Leben lohnt, beziehen wir aus einem Auftrag, den wir erhalten zu haben glauben. Entweder vom Schöpfer oder vom Zufall, oder aus unseren natürlich Anlagen heraus. Ein Vorbild, mitunter aber auch die Verhältnisse „inspirieren“uns dazu, einen bestimmten Lebensweg einzuschlagen, der auf ein Ziel hin führt. Wir beginnen für diese Aufgabe zu brennen und steuern auf sie zu, und das so lange, bis noch Benzin im Tank ist. Oder bis wir ankommen.

Wenn man die harmonische Mischung der vier Elemente der Natur im Körper als Basis der Gesundheit akzeptiert – diese These bildet die Grundlage der Galenschen Säftelehre, der Traditionellen Chinesischen Medizin und des Ayurveda – dann führt unser Leben aus dem Zustand des Wassers in der Höhle der Gebärmutter hinaus in die Luft der Welt, wo eine Inspiration (Einblasung, Einatmung) auf uns wartet und in das Zeitalter der Luft trägt, in dem wir uns das Lebensziel setzen. Wir uns das schützende, feuchte Biotop der Kindheit entzogen, werden wir zum Landbewohner, der unter der heißen Sonne des Lebens die Erwachsenenrolle spielen muss. Er tritt in das Zeitalter des Feuers ein, in dem Entschlusskraft und Leidenschaft gefordert ist. In diesem Lebensabschnitt wird die Lebensleistung in der Regel erbracht. Manche werden damit schneller fertig, weil sie sich keine zu großen Ziele gesetzt haben. Andere haben sich von Vornherein ein Ziel gesteckt, das prinzipiell unerreichbar ist, eine Utopie, ein Ideal, das wie eine Fata Morgana in der Wüste vor ihnen her tanzt, und sie weiter und höher hinaus führt als andere. Das sind die Menschen, die ein Burnout-Syndrom erleiden. Sie verbrennen in der unbarmherzigen Sonne des Lebens deshalb, weil sie sich zu weit vorwagen in Gebiete, in denen der Zusammenbruch eigentlich vorherzusehen ist. Weil sie sich ein Lebensziel auserkoren haben, das von ihnen realistischerweise nicht erreicht werden kann. Oft aufgrund von Erwartungen der Eltern oder des Partners. Oder auch aufgrund von Kindheitserlebnissen, die ihnen Kampfgeist eingehaucht haben, es höher und weiter bringen zu wollen als andere.

Dass uns ein Burn-Out durch die Erschöpfung aller Reserven schwächt und depressiv macht, ist das eine. Das andere ist aber noch schlimmer: Das Gefühl, versagt zu haben. Es ruft eine ganz eigene, tiefe Verstimmung an sich hervor, die uns auf dem Weg zurück zur Kraft zusätzlich lähmen kann. Die Behandlung eines Burnout-Syndroms ist also nicht nur eine „Aufbaukur“, deren Ziel es ist, unsere Hormone wieder zum Fließen zu kriegen, sondern auch eine, die unseren Geist und unsere Seele aufrichtet. Wir können uns unser Versagen nur verzeihen, wenn wir verstehen, dass die Ziele, die wir uns gesteckt haben, unpassend waren, und deshalb auch nie erreicht werden sollten. Damit unsere Gefühle wieder aufleben können und die Kraft in unsere Glieder zurückkehren kann, müssen wir uns neue, persönliche Ziele suchen, die sich zu erreichen lohnt, und die auch wie von selbst erreicht werden können, weil sie zu unserem Inneren passen, und für uns natürlich sind wie alles andere, mit dem wir geboren wurden: Unser Körper, unser Geist, unsere Seele.

Wir wollen in diesem Buch Möglichkeiten erforschen, das geistig-seelische Ausgebranntsein sanft zu behandeln, bevor wir überhaupt das Vollbild dieses Krankheitsbildes erreichen. Wir wollen umsteuern lernen, und unsere Seele pflegen. Denn die Verschönerungsarbeit und Reparatur macht mehr Spaß als die Aufbauarbeit. Wir werden dabei ausschließlich mit unserem Zentralnervensystem arbeiten, das nach neuen Erkenntnissen etwas größer ausfällt als wir das auf den ersten Blick hin vermuten würden. Natürlich ist das Gehirn das zentrale Organ unseres Denkens und Erlebens. Doch es stellt nur die Hälfte der Gleichung dar. Eigentlich ist es nur das „Kopfhirn“, dem ein „Bauchhirn“ von gleicher Kraft und Bedeutung zur Seite steht. Die Nervengeflechte des „Bauchhirns“, das für einen Großteil unserer Emotionen zuständig ist, bilden zusammengenommen etwa die gleiche Masse und Zellzahl des Kopfhirns, das Yin zum Yang des Schädels. Wie unsere Lebenserfahrung zeigt, ist es wichtig, beides gut zusammenarbeiten zu lassen. Und genauso wie ein „schwaches“ Kopfhirn Fehlentscheidungen bei „Bauchgefühlen“ zur Folge hat, wird ein „schwaches“ Bauchhirn auch das beste Kopfhirn dazu veranlassen, aus einer trockenen Analysetätigkeit heraus das wahre Leben zu verpassen.

Eine Überanstrengung des Zentralnervensystems kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden und ganz verschiedene Mechanismen in Gang setzen. Wo man hier mit Arzneien einsetzen und heilen kann, werden wir in den einzelnen Abschnitten dieses Buchs erfahren. Alle „energetischen“ Arzneien von Bachblüten und Homöopathie bis hin zu Berührung, Klang und Störfeldtherapie, sollen uns auf diesem Weg willkommen sein, aber auch klassisch „schulmedizinische“ Lösungsansätze mit dem Einsatz von Psychopharmaka, bei dem die Sanftheit der Medizin in der Art und Weise zutage tritt, wie sie angewandt werden, und in ihrer Dosierung, die dem individuellen Menschen angepasst werden muss und nicht nach dem Kochrezept des Beipackzettels erfolgen darf.

Zu den „Arzneien“ gehört auch eine geistige und seelische Entwicklung hin zu neuen Zielen und Aufgaben. Denn nur ein neues Leben kann auf der Asche des früheren Lebens entstehen.

Zu der Betrachtung des Zentralnervensystems gehören auch die Erkenntnisse der asiatischen Medizin mit ihren Chakren und Meridianen, während wir aus der westlichen Denkweise vor allem die naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf das Zusammenspiel der Hormone in Betracht ziehen werden. Die Notwendigkeit, hier das Abendland und das Morgenland zu verbinden, ergibt sich aus der hochentwickelten „energetischen“ Betrachtungsweise Asiens wie auch aus den naturwissenschaftlich detaillierten Erkenntnissen Europas, deren Verbindung vor allem eines beweist: Dass es viele Wege zu einer einzigen Wahrheit gibt.

Wer aus dem tiefen Tal der Erschöpfung heraus will, muss sich ein Rüstzeug für diese Wanderung zurecht legen. Dieses und auch die Nährmittel, die Sie für den Weg zu einem gesteigerten Bewusstsein, Gesundheit und Kraft brauchen, werden Sie in diesem Buch kennen und anwenden lernen.

 

 

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