Hillary Clinton: Hashimoto-Patientin mit Schilddrüsenextrakttherapie

Wenn es um Schilddrüsenhormonersatz geht, kennt die Fachwelt nur L-Thyroxin. Nahezu alle Studien werden mit diesem synthetischen Hormon durchgeführt, das von der Pharmaindustrie für einige Cent im Labor hergestellt werden kann. Zwar weiß man längst, dass über 30 Hormone in einer gesunden Schilddrüse gebildet werden und Bedeutung für den Körper haben, und dass viele Menschen, die nach einer OP etwa komplett auf Schilddrüsenhormone angewiesen sind, diese zahlreichen Hormone nicht aus dem Vorhormon L-Thyroxin bilden können. Doch wirklich kümmert das nur wenige Ärzte, von denen sich das Gros darauf beschränkt,bei Substitutionsbedarf  L-Thyroxin zu verschreiben und Patientinnen, die damit nicht zufrieden sind, und über anhaltende Beschwerden trotz “perfektem TSH” klagen, als depressiv abkanzeln.

Hillary Clinton, die derzeitige Kandidatin für das amerikanische Präsidentenamt, hat diesen Weg nicht mitgemacht, wie aus einem Brief hervorgeht, den sie im Juli 2015 bezüglich ihrer Gesundheit veröffentlichte. Sie betreibt seit Jahren ihren Schilddrüsenhormonersatz mit Armour Thyroid, das ist Schilddrüsenextrakt vom Schwein, das von der Firma Forest Pharmaceuticals angeboten wird, die es schon vor über 100 Jahren gab, und die vor einigen Jahren in die Medien kam, weil eine Medikamentenlobby darauf drängte, dieses Produkt zu verbieten. Man könne nie garantieren, dass es nicht mit eine Krankheitserreger verseucht sei, man wisse nie genau, welche Schilddrüsenhormone in welcher Konzentration darin vorliegen würden, es sei nicht haltbar, und vieles andere mehr wurde bemängelt. Dieses altmodische Produkt müsse endlich vom Markt verschwinden, so die Stimmen der medizinischen Ankläger. Tatsächlich wurde Armour Thyroid einige Wochen lang auf Lieferstopp gesetzt und Millionen Packungen wurden aus dem Handel zurückgezogen. Dann aber war Armour Thyroid plötzlich wieder lieferbar und bildet seither nebst vielen anderen Produkten mit Schilddrüsenextrakt eine medizinische Alternative zu L-Thyroxin, die Hunderttausende Patientinnen weltweit wahrnehmen. Wie es zu dieser Rückkehr der Arznei kam, wurde in den Medien nicht kommuniziert, aber es gibt seither die Auflage, man möge Schilddrüsenextrakt nach der US-Pharmacopeia herstellen, einer Non-Profit-Organisation, die Richtlinien der Arzneimittelproduktion verfasst. Es ist eine so strenge Bestimmung, dass sie nur ein Rohstofflieferant weltweit, American Medical Services, erfüllen kann. So wurde durch eine Intrige ein Monopol geschaffen, das seither jeden Anbieter von Schilddrüsenextrakt beliefert. Die Qualität von Armour Thyroid und anderen Produkten mit Schilddrüsenextrakt, darunter auch Thyreogland der Klösterl-Apotheke in München und die Thyroid Hormonkapseln der Receptura Apotheke in Frankfurt am Main, scheint gut zu sein, doch angenehm ist diese Situation nicht, denn AMS scheint auch eine sehr zurückhaltende Kommunikation mit den Medien zu pflegen und gibt eigentlich nur die Information heraus, es würde “tierische Schilddrüse” verwendet, vermutlich von amerikanischen Schlachtschweinen, die mit Getreide gefüttert wurden.

Hillary Clinton scheint seit langer Zeit als Patienten von diesem Produkt zu profitieren. Wer es ihr empfohlen hat, wissen wir nicht. Ihre Ärztin scheint das Rezept dafür auszustellen. Der Schilddrüsenarzt sieht hier vor dem inneren Auge den wahrscheinlichen Werdegang: Eine Frau, die nach der Geburt des einzigen Kindes erhöhte TPO-Antikörper hat und eine Schilddrüsenschwäche durch Hashimoto-Thyreoiditis erlebt. Eine Frau, die sich jahrelang mit L-Thyroxin als Therapie herumquält. Irgendwann einmal eine andere Frau trifft, die längst mit Erfolg Schilddrüsenextrakt verwendet, und seither wieder eine zufriedenstellende Gesundheit hat. Dann der Schritt zu ihrer Ärztin: Ich will auch Schilddrüsenextrakt haben. Die winkt ab oder warnt vor den Folgen. Nein, sagt Patientin Hillary Clinton, ich will es trotzdem versuchen. Und sie versucht es und ist damit zufrieden. Sie merkt, dass Schilddrüsenextrakt eine runde, umfassende Form des Hormonersatzes ist, unter dem man sich wieder so fühlt wie früher. Und sie bleibt dabei. Trotz abfälliger Bemerkungen, trotz Stirnrunzeln anderer Ärzte.

All das sind Spekulationen, aber dass Mrs. Clinton diese Medikation von ihrer Ärztin bekannt machen lässt (nebst dem auch “altmodischen” Coumadin als Blutverdünner), spricht dafür, dass sie offen dazu steht und mit dieser Medikation zufrieden ist. Leicht wird ihr diese Entscheidung zur Ehrlichkeit in einem Wahlkampf, der von Untergriffen lebt, nicht gemacht. Es dauerte zwar ein Jahr, bis ihr politischer Gegner das Thema aufgreifen ließ, doch dann tönte es vielerorts in den Medien: Ihre Gesundheit sei in Gefahr, sie verwende eine Arznei aus den 1950er Jahren, die nachweislich in seltenen Fällen sogar Stürze hervorrufen könne, so hätte sie sich ihre Schädelprellung und Hirnblutung 2011 zugezogen … letzteres behauptete ein Dr. Drew, ein populärer Fernseharzt, dem kurz darauf, nebenbei bemerkt, gekündigt wurde, weil er öffentliche Ferndiagnosen machte. Seine Behauptung, es handle sich bei Armour Thyroid um eine alte Arznei, war sicherlich richtig, dass sie aber vom wissenschaftlichen Standard überholt worden sei, ist nur insofern korrekt, als man Schilddrüsenextrakt damals ignorierte und Studien fortan mit L-Thyroxin machte. Zumindest war das so bis in das Jahr 2012, wo Dr. Hoang am Walter Reed Hospital mit Armeeangehörigen den ersten Direktvergleich zwischen L-Thyroxin und Schilddrüsenextrakt durchführte, der jemals unternommen worden war. Das Ergebnis: Ein Großteil der Untersuchten bevorzugten Schilddrüsenextrakt, fühlten sich darunter besser und  viele verloren auch ein paar Kilogramm Gewicht. Dieser Vergleich wäre nach meiner Erfahrung noch deutlicher ausgefallen, wenn man Menschen mit sehr kranker oder fehlender Schilddrüse ausgewählt hätte. Dort, wo keine gesunde Restschilddrüse vorhanden ist, die fehlende Hormone hinzufügen kann, ist die Notwendigkeit für die Verordnung von Schilddrüsenextrakt noch ungleich größer. Hingegen gibt es keine Studie, die festgestellt hätte, dass eine Sturzneigung unter Extrakt bestehen würde. Tatsächlich sind Schwindel und Schwäche unter L-Thyroxin weit häufiger zu finden, wie diese Studie zeigte. Da hat Dr. Drew geflunkert.

Es stimmt also nicht, dass Schilddrüsenextrakt obsolet wäre, nein, es ist ganz im Gegenteil wahrscheinlich das bessere Präparat. Man erkennt das allein daran, dass die Menschen mit Schilddrüsenschwäche längst mit den Füßen abstimmen. Sie suchen sich Ärzte, die Schilddrüsenextrakt verschreiben. Zehntausende in Deutschland nehmen längst mit Erfolg und Überzeugung Schilddrüsenextrakt. Es sind zu einem großen Teil informierte und wohlhabende Menschen, die Schilddrüsenextrakt als Hormonersatz auch gerne von ihrer Privatversicherung ersetzt bekommen, während die gesetzliche Krankenkasse die übrige an Schilddrüsenschwäche leidende Bevölkerung mit L-Thyroxin abspeisen möchte. Da kann der wissenschaftliche Kenntnisstand diese Verordnungspraxis ruhig in Frage stellen, sie wird nur mit Widerstand geändert werden. Es geht hier um hunderte Millionen mögliche Kosten für die Kassen, wenn man Schilddrüsenextrakt allgemein verfügbar machen würde. Aber man würde sich auch viele Folgekosten für andere Arzneien ersparen, so auch einen Großteil der Antidepressiva, die unter L-Thyroxin oft notwendig sind.

Hillary Clinton gehört heute schon in die Klasse der Privilegierten, die dieses bessere Präparat mit Tagestherapiekosten von 1-2 EUR erhalten kann und es sich auch leisten kann. Sie scheint mit dieser Medikation gut zu fahren, wie man so sagt, und so geht es glücklicherweise auch vielen Menschen, die diese Form des Hormonersatzes kennen lernen dürfen.

(Lesen Sie mehr in meinem ebook “Schilddrüsengold“, erhältlich unter ebooks-rieger.de oder in Ihrer Buchhandlung)

Das erste Thyrovanz-Debakel

Ich bin als ganzheitlich arbeitender Internist sehr daran interessiert, einen umfassenden und für Schilddrüsenpatienten hilfreichen, heilenden Hormonersatz anzubieten. Schließlich kamen schon tausende Patientinnen mit langjähriger L-Thyroxin-Therapie und zahlreichen Beschwerden und ohne Heilungsverlauf bei Hashimoto-Thyreoiditis zu mir mit dem Wunsch nach einer Alternative. Für die meisten von ihnen war Schilddrüsenextrakt vom Schwein, damals noch von polnischen Schlachtschweinen, eine gesunde und gute Alternative. Einige von ihnen wollten keine “Schweinehormone”, andere können aufgrund ihrer Lebenseinstellung oder Religion keine Produkte vom Schwein als Arzneien verwenden. Seit diesem Jahr gab es eine herrliche Alternative: Schilddrüsenextrakt von frei laufenden Weiderindern in Neuseeland, ein Land, in dem es keine Gentechnik gibt und kein BSE. Sie liefern tatsächlich gesunde Schilddrüsen für die Verarbeitung zu Schilddrüsenextrakt, das man biologisch nennen kann und auch, wie so oft von Patientinnen angesprochen, von “glücklichen Tieren”.

Die Firma Thyrovanz (thyrovanz.com), entstanden auf Initiative von Schilddrüsenkranken hin, die möglichst hochwertiges Schilddrüsenextrakt verwenden wollen, hat diese Rinderschilddrüsen seit einigen Jahren in Neuseeland gesammelt, sie nach den Vereinigten Staaten verschifft, nach den Vorgaben der US Pharmacopeia zubereitet und zum weltweiten Versand angeboten für einen sehr niedrigen Preis. Dieser konnte nur entstehen, weil man sich entschlossen hat, verordnende Ärzte und Apotheken aus dem Vertrieb draußen zu lassen, und direkt den Extrakt zu verschicken mit dem Etikett “Nahrungsergänzungsmittel”.

Tolle Idee. Für meine Patienten in Österreich und Deutschland wurde daraus aber leider im Juli und August 2016  ein Debakel. Es ist nach den Zollrichtlinien der EU nicht möglich, “tierische Produkte” einfach so einzuführen. Es ist illegal. So kam es, wie es kommen musste. Manche Packungen “rutschten durch”, andere wurden akribisch beäugt mit zahlreichen Rückfragen, sodass wochenlange Verzögerungen bei der Auslieferung entstanden. Und in einigen Fällen wurde sogar zur Vernichtung des Extrakts durch den Zoll geschritten, und sehr selten zur Rücksendung der Packung nach den USA. Wo letzeres geschah, hat die Firma Thyrovanz Schadensersatz geleistet. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle blieben die Kunden auf den Kosten sitzen. Sie warteten wochenlang auf Hormone, die sie brauchten und nach denen sie fieberten, da sie von L-Thyroxin & Co. die Nase voll hatten. Diese Hoffnungen wurden enttäuscht, und zusätzlich blieben sie auf den Kosten sitzen. Die Firma Thyrovanz hat auf Anfragen anfänglich vertröstet, einzelne Mitarbeiter wurden dann patzig, letztendlich wurde vom Chef, einem Herrn John Power, darauf hingewiesen, dass ja in den Versandrichtlinien vermerkt gewesen wäre, dass keine Garantie auf Lieferung und somit kein Anspruch auf Schadensersatz bestehe. Diesen Bedingungen hätte man bei Bestellung schließlich zugestimmt.

Nun, mag sein. Ich war einer der Besteller und kann mich daran nicht  explizit erinnern, und ich habe zumindest im Rahmen der Kontroverse beobachtet, dass es mehrmals Veränderungen auf der Webseite von Thyrovanz unter “Geschäftsbedingungen” kam. Andere Kundinnen, mit denen ich Kontakt habe, hatten das auch nicht gewusst. Dann wurde die Nachricht herausgegeben, vorerst würde kein internationaler Versand mehr durchgeführt. Thyrovanz ist seither nur mehr in Neuseeland, Australien und den USA erhältlich. Schön war es nicht, wie diese Sache abgelaufen ist. Ich frage mich: Konnte man nicht im Vorfeld prüfen, ob man Schilddrüsenextrakt weltweit rezeptfrei anbieten und liefern kann, bevor man teure Werbung für Thyrovanz macht und weltweit bei Patientinnen Hoffnungen weckt?
Nun, zumindest europäische Patientinnen werden weiter auf diese gesunde, wohltuende Therapie verzichten müssen, bis die Firma Thyrovanz den Weg geht, der seit Jahrzehnten mit Schweineschilddrüse genutzt wird: Man kann sie per Rezept über die internationale Apotheke beziehen. Für einen höheren Preis, versteht sich, und nur auf ärztliche Billigung hin.

P.S.

Für eine Patientin gab es sogar ein juristisches Nachspiel. Die Packung Thyrovanz war am Zoll hängen geblieben. Dieser hatte das Regierungspräsidium verständigt, dass hier ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vorliegen würde. Es handle sich um ein hormonhaltiges Präparat, und nicht um ein Nahrungsergänzungsmittel, wie von der Firma deklariert. Hormonhaltige Präparate seien rezeptpflichtig und dürften nur über Apotheken vertrieben werden. Die Schuld aber würde der Besteller tragen, die Patientin. Sie bekam ein Schreiben vom Regierungspräsidium, in dem sie vorgeladen wurde, um sich zu erklären. Es wurde eine Strafe von bis zu 20.000 EUR angedroht. Beim Termin dann erklärte die Patientin, dass sie keine Schilddrüse mehr habe und auf so ein Präparat angewiesen sei und schon mit Schilddrüsenextrakt vom Schwein behandelt gewesen war. Sie erwähnte, dass sie in meiner Betreuung sei und ich den Extrakt schon verschrieben hätte. So wurde auf eine Strafe verzichtet, die Verwaltungskosten von 7 EUR musste sie tragen, und die 160 EUR, die sie für die Packung Thyrovanz bezahlt hatte, die nie bei ihr eingetroffen war.

Krampfadern verkleben, verdampfen oder mit Kochsalzlösung behandeln?

“Schonende” Verfahren der Krampfadertherapie gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Es ist in Deutschland, einem Land, in dem viele Millionen Menschen Krampfadern haben und viele Behandlungsmöglichkeiten suchen, ein Milliardengeschäft. Die Krankenkasse bezahlt im Prinzip nur die Operation, das Herausreißen, mit dem starke Vernarbungen entstehen, was bleibende Schäden verursachen kann und durch Narbenbildung meist das Problem nicht löst. Nach einigen Jahren haben Sie wieder Krampfadern. Warum diese Behandlungsmethode noch als Therapiestandard gilt, ist mir schleierhaft. Zyniker könnten vermuten, dass die Methode so abschreckend wirkt, dass sich wenige Menschen ihren Qualen unterziehen, was einen Einsparungseffekt haben könnte.

Was gibt es sonst noch? Die tausende Ärzte, die Polidocanol, einen Schaumbildner, spritzen. Schreckliche Sache, denn Embolien sind die unweigerliche Folge. Vielleicht kleine Infarkte, die man gar nicht so sehr merkt, aber doch schädlich. Und dazu gibt es oft dunkelbraune Verfärbungen, Verhärtungen, Fremdkörperreaktionen – und wieder neue Krampfadern. Warum es diese Methode noch gibt? Weil die Firma Kreussler aus Wiesbaden, die das Produkt herstellt, eine Menge Arbeit in die Ausbildung von Ärzten gesteckt und sich ein großes Netz von Therapeuten aufgebaut hat. Einen ähnlichen Weg geht jetzt die amerikanische Firma Sapheon, die in den letzten Wochen die deutschen Medien bearbeitet hat. Soll eine tolles Sachen sein, das Verkleben von Adern. Schmerzlos, kosmetisch sehr befriedigend etc. Auf der Webseite sapheon.com findet man wenig Infos darüber, wie das gemacht wird, deshalb an dieser Stelle einige Überlegungen.

Wenn man etwas in die Ader spritzt, um sie zu verschließen, dann nennt man das traditionellerweise eine Verödung. Denn die Ader bleibt im Körper, nur eben verschlossen. Das Blut kann dann in einer Krampfader nicht mehr von oben nach unten ins Bein zurückfließen, und man wird damit Stauungsprobleme beheben können. Verödet wurde vor hundert Jahren – und vielfach auch heute noch –  in Amerika  mit Phenol. Da ist eine körperfremde Substanz, die einen starken Reiz auf Körpergewebe ausübt. Es entsteht eine Entzündung, weil der Körper das Gift einmauern möchte, mit Verhärtung und Verschluss von Adern. Das Phenol wird bei der Firma Sapheon durch einen Acrylatkleber ersetzt, dessen genaue Zusammensetzung nicht bekannt gegeben wird. Acrylatkleber kennen Sie vielleicht vom Sekundenkleber und ähnlichen Produkten. Es sind wirklich Kleber, mit denen man beispielsweise Kunststoff mit Metall verkleben kann. Wasserlöslich sind sie auch, aber ähnlich wie beim Sekundenkleber auf eine Art, dass sie nicht schmierig, sonder bröcklig werden und sich dabei weiß verfärben. Wenn Sie das schon einmal auf der Haut kleben hatten, wissen Sie genau, was im Inneren Ihrer Krampfader stattfindet, wenn man das hinein spritzt. Fest steht an dieser Stelle schon einmal, dass wir es hier mit einer Verödungsmaßnahme zu tun haben, bei der Sie Ihre Adern nicht los werden, sondern als harte Stränge im Gewebe fühlen können.

Verklebte Adern können sich im Laufe von mehreren Jahren auflösen, wie man aus der Gefäßchirurgie weiß, wo man die Acrylatkleber schon länger einsetzt. Wenn Sie ein Aneurysma haben, also ein aufgeweitetes Gefäß mit weicher Wand, das zu platzen droht, dann kann man dort den Kleber hinein spritzen, und das in mehreren Sitzungen, bis das Gefäß voll harter Masse ist.  Normalerweise bleibt es Ihnen nun als ein harter Klumpen erhalten. Man kann aber beispielsweise durch Röntgenbestrahlung eine Entzündung in dieser Masse auslösen, und dann wird der Körper gezwungen, sie nach und nach abzubauen. Vielleicht tut er das, vielleicht auch nicht.

Ich schreibe das, weil ich selbst seit mehreren Jahren mit dem Einspritzen von hochprozentiger Kochsalzlösung zugange bin und mich freue, dass sich dabei die Krampfadern in vielen Fällen auflösen. Es ist eine natürliche, biologische und relativ sanfte Entfernung der Krampfadern, die es schon seit über 100 Jahren gibt und die auch in über 100.000 dokumentierten Fällen angewandt wurde. Eine schöne Sache, benannt nach Prof. Linser oder Dr. Bruker oder Dr. Köster oder eben nach mir, weil alle Beteiligten  ihren Beitrag zur Schaffung und Verfeinerung der Methode geleistet haben. Die Schwierigkeit der Kochsalztherapie ist es, die richtige Dosis zu finden, und nur die Innenschicht der Krampfader damit zu reizen. Wenn das gelingt, wird sie sich selbst unter Nutzung körpereigener Mechanismen und ohne Belastung für den Körper im Laufe einiger Monate auflösen. Diese Behandlung ist keine Verödung, sondern eine Entfernung der Ader unter Vermeidung von Narben. Die beste Methode, wie ich meine. Damit ist die Methode des Verklebens mit Acrylat nicht zu vergleichen. Es ist absurd, dass man überhaupt versucht, diese neue Holzhammermethode bekannt zu machen und damit viele Menschen zu quälen. Zyniker würden an dieser Stelle sagen: There is no business like showbusiness. Das ist gilt auch für die Medizin. Und es wirkt. Einige Anfragen haben mich bereits erreicht von Menschen, die Termine bei mir absagen, weil sie das neue Verkleben unbedingt probieren wollen.

Noch was Neues ist los auf dem Krampfadernmarkt. Das Verdampfen von Krampfadern. Man nennt es bei uns neudeutsch Steam Vein Sclerosis. Die Firma Gutmann vertreibt bei uns dieses kleine Gerät, eine Art Wasserkocher, den man an einen Katheter anschließen kann, der in die Krampfader eingeschoben werden soll. An der Spitze wird dann wohldosiert Dampf abgegeben, was die Vene im Inneren reizt und durch Verkochen zum Schrumpfen bringt. Dieses Verfahren ist keineswegs neu, wenn auch in dieser Ausprägung noch schonender als die Vorläufer Laser- und Radiowellenbehandlung. Beim Laser hat man zum Teil mehrere tausend Grad Hitze erreicht, bei der Radiowelle zumindest Schmortemperatur. So meinte man, Krampfadern im Inneren “schonend” verschließen zu können. Viele Studien gab es dazu, die ziemliche Harmlosigkeit bescheinigten. Aber auch andere, die Schäden auflisteten, die der Operation in nichts nachstehen. Es mag heute noch viele Krampfaderpatienten geben, die mehrere tausend Euro für eine Laserbehandlung oder Radiowellentherapie nach Pröbstle ausgeben. Aber herumgesprochen hat es sich doch, dass diese Verfahren ihre Versprechen nicht immer einhalten und oft der Schaden größer ist als der Nutzen. Also nun die Steam Vein Sclerosis. Ziemlich neues Produkt, wenig Erfahrung damit. Aber freilich wieder aufgeregte Patienten, die mich fragen, ob ich nun darauf umsteigen würde, es wäre ja doch das beste Verfahren, um Krampfadern zu verschließen.

Nein, liebe Patienten, das ist es nicht. Mit der Kochsalztherapie habe ich eine Methode an der Hand, die bei richtiger und sorgsamer Anwendung Effekte erzielt, die alle anderen Techniken nicht erreichen können. Ich kann Adern damit verschließen und zur Auflösung bringen. Ich nutze die Heiltechniken des Körpers und kann dadurch auch positive Fernwirkungen erzielen. Beispielsweise durch Behandlung einer Ader, die durch Nervengeflechte mit einer Stelle im Rücken verbunden ist, die häufig Schmerzen bereitet. So kann die Entfernung von Krampfadern zur effektiven Rückenschmerztherapie werden, eine Form der Neuraltherapie. Man hat mit der Kochsalztherapie aber auch einen Mechanismus, der es dem Körper erlaubt, manche Adern eben nicht zu verschließen, wenn er der Ansicht ist, dass diese für die Durchblutung noch gebraucht werden. Dann kann er in den meisten Fällen eine behandelte Ader auch wieder eröffnen und die Behandlung rückgängig machen.

Kurz zusammengefasst: Operationen, Laser, Radiowelle, Schaum, Kleber und Dampf sind bei der Behandlung von Krampfadern Mist.

Es lebe die sanfte Krampfadernentfernung mittels Kochsalztherapie!

Über Innereien

Eines der wenigen aus dem Altertum überlieferten Bücher ist jenes über das Gastmahl des Trimalchio, einen Mann, der seinen Reichtum freimütig durch ein ausschweifendes Gelage vorführt, das er seinen Freunden und Bekannten ausrichtet. Das Buch ist vor allem deshalb bekannt geworden, weil es akribisch aufführt, was den Gästen da so alles vorgesetzt wird. Es sind fast ausschließlich Fleischwaren von einer großen Anzahl von Tieren, in denen kunstvoll alles, was an einem Tier verspeist werden kann, untergebracht wurde. Dazu gehörten selbstverständlich auch Innereien, wie wir sie heute kaum mehr auf den Tisch bekommen. Wir essen heute vom Tier vor allem das, was uns, wie wir glauben, Kraft gibt: Deren Muskulatur. Wir essen wie Sportler oder Krieger, die ja auch vor allem von der Schnelligkeit und Belastbarkeit ihrer Muskulatur abhängen. Das Gefühl der Kraft erhalten wir aber auch als Nichtsportler vor allem aus unseren Muskeln, und wenn wir dann noch dazu Muskeln essen, verstärkt sich dieses Gefühl, vor allem, wenn es beispielsweise das rote Fleisch eines muskelstarken Rindes ist.

Dieser einfach Zusammenhang ist uns heute wenig bewusst, weil wir eine der hohen medizinischen Künste des Altertums beinahe vergessen haben: Die Organotherapie. Kurz gesagt besteht sie darin, uns vom Tier Körperteile einzuverleiben, deren Qualitäten uns als Kranke gerade fehlen. Gebräuchlich ist heute noch die Einnahme von Schilddrüsengewebe in Form von Kapseln bei Schilddrüsenunterfunktion durch Entzündung oder nach einer Operation. Diese Therapie ist nebenbei gesagt nicht ungefährlich, da unser Tagesbedarf ja nur etwa einem Körnchen Schilddrüsengewebe entspricht, und wir, sofern wir eine ganze Schilddrüse auf einen Sitz verspeisen würden, in große Not geraten würden, jedenfalls starke Ängste, Herzklopfen, Blutdruckentgleisungen, Schweißausbruch und anderes entwickeln, was man eben bei einer Schilddrüsenüberfunktion so erlebt. Gefährlich wird so eine Organotherapie mit Schilddrüsengewebe aber nur bei Unkenntnis. Dosiert werden muss die Schilddrüse sicherlich mit großem Augenmerk, während es nicht so bedeutend ist, wie groß das Stück Schweinshaxe oder Rumpsteak vom Rind ist, das wir verspeisen. Muskulatur kann man nur schwer überdosieren, Schilddrüse aber sehr leicht. Dafür kann man mit Schilddrüse aber im Vergleich zum Wiener Schitzel viel stärkere Arzneiwirkungen erzielen. Denn nur was giftig sein kann, kann auch heilen, wie Paracelsus in ähnlicher Weise gesagt hat.

Wie steht es nun mit Leber? Dieses Organ ist in den letzten Jahren fast völlig aus der Küche gewichen, obwohl es früher sehr viel gegessen wurde. Ein Grund dafür mag sein, dass die Leber bei der Massentierhaltung stark gefordert wird. Ein Schlachttier, das vor allem Profit bringen soll, ernährt sich ja zwangsläufig einseitig und schluckt viele Antibiotika, die sich dann weniger in der Muskulatur finden als in der Leber, weshalb man letztere gleich wegwirft. Aus der Sicht der traditionellen Medizin ist es trotzdem eine Katastrophe zu nennen, dass heute keine Leber mehr gegessen wird. Denn sie ist eine große Arznei. Sie hat wertvolle Enzyme, Mineralien und Vitalstoffe, die sicherlich beim Kochen und Braten teilweise durch Hitze zerstört werden, aber auch im von der Mikrowelle verschmorten Zustand immerhin für die Leber des Menschen Grundbaustoffe liefern, die er gut brauchen kann, wenn diese überfordert ist. Der Stoffwechselkranke, oder besser gesagt Stoffwechselüberlastete, den wir heute so häufig sehen, und dessen Bauch aufgetrieben ist, der von Übergewicht und Verdauungstörungen gequält wird nebst anderen Auswirkungen einer Leberschwäche wie Entzündungsneigung, Bluthochdruck, Schlappheit und vieles andere mehr, sollte meiner Meinung nach lieber einmal in der Woche Leber essen und sonst vegan bleiben. Er würde damit einen großen Schritt für seine Gesundheit tun. Ein solcher Schritt in die organotherapeutische Richtung ist übrigens auch die Angewohnheit vieler Menschen, Bauchspeicheldrüsenenzyme in Form von Kapseln einzunehmen, die Sie vielleicht unter den Namen Kreon oder Ozym oder Pankreon kennen. Bei der Schlachtung von Schweinen fällt die Bauchspeicheldrüse an und wird von Pharmafirmen dazu verwendet, um daraus Enzymprodukte herzustellen, die häufig als Verdauungshilfen verordnet werden. Menschen in der Mitte des Lebens und später können so oft einen vorstehenden Bauch wieder flach kriegen. Sie tun das umso mehr, wenn sie auch auf ein Stück Leber pro Woche nicht vergessen. Übertreiben müssen Sie hier nicht und jeden Tag Leber auf Ihren Tisch bringen in der Hoffnung, dann noch schneller noch gesünder zu werden. Auch die Leber muss man dosieren, weil sie purinreich ist und die Harnsäure in die Höhe treiben kann als Ausdruck einer Abbaustörung. Das ist, nebenbei bemerkt, ein guter Laborwert, der Ihnen sagt, ob Sie Leber überdosieren.

Man kann auch Bauchspeicheldrüse braten und verspeisen, aber so wohlschmeckend wie Leber ist sie nicht. Ähnlich sieht es mit der Milz aus, die zwar besser schmeckt als Bauchspeicheldrüse, aber keine klare Funktion für die Gesundheit zu haben scheint.

Die Leber ist das Organ des Feuers, und wenn man das indische System der Energiewirbel, der Chakren, als Maß nimmt, dann liegen Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Milz und auch der Beginn des Dünndarms im Einflussbereich dieses Elementes. Feuer schafft Hitze und Trockenheit im Körper. Verdauungsschwäche mit körperlicher Schwäche, Schlappheit, Sodbrennen, Aufstoßen nach dem Essen und wechselhaftem Stuhlgang mit Blähungen und Auftreibung des Bauchs ist eine typische Störung, die man nach der Elementelehre mit dem ausreichenden Trinken von körperwarmem, klaren Wasser verbessern kann. Diese Behandlung läuft nach dem Gegensatzprinzip: Das Kalte und Feuchte des Elementes Wasser löscht das Feuer im oberen Bauchraum. Aber diese Therapie ist grob, und besser ist es wohl, hitzige Einflüsse wie Kaffee, Schwarztee, Grüntee, Alkohol, insbesondere Rotwein, Nikotin und Gewürze zu meiden. Denn sie alle vergrößern die Trockenheit und die Hitze, unter der man bereits leidet. Auch Hektik, viele Pflichten und Aufgaben, wenig Schlaf, viel Fernsehen und am Computer Sitzen und andere Dinge, die im Geist und in der Seele Hitze schaffen, sind von Übel.

Die Leber schafft nicht nur die Körperwärme und ist die Schaltzentrale für den Stoffwechsel, sondern repräsentiert im Körper die Leben spendende Sonne. So wie man im Altertum dem Sonnengott Apollo nicht nur Schönheit zuerkennt, sondern in ihm den Ahnherrn aller schönen Künste erblickt, ist es die Leber, die uns aktiv, wach und tatkräftig macht. Wer schöpft und sich dabei erschöpft, hat das nicht zuletzt einmal der gesunden und dann der kranken Leber zu verdanken. Denken Sie darüber nach, dass Ihre Schönheit und Klugheit und Entschlussfreudigkeit von einer gesunden Leber abhängt und essen Sie häufiger mal eine gesunde Leber.

Ähnlich ließe sich dieser Diskurs ausdehnen auf das Essen von Lunge, das noch vor wenigen Jahrzehnten bei uns auf der Tagesordnung stand, mittlerweile aber völlig vom Speisezettel verschwunden ist. Die Lunge als Organ des Elementes Luft macht uns luftig, jugendlich, frei. Es wäre sicherlich von Vorteil für Menschen, die durch Unterdrückung und Einschränkung ihrer Lebensfreude und Entfaltung Asthma und andere Bronchialleiden entwickeln, immer wieder einmal mit einem guten „Beuschel“ zu erfreuen, wie man das in österreichischen Gaststätten früher nannte, und ich wette, dass sich einiges an ihren Beschwerden verbessern würde. Eine differenzierte Organotherapie mit dem Verspeisen von Hirn und Rückenmark, Sinnesorganen und so weiter könnte letztlich in jede ärztliche Verordnung einfließen, und wenn sich Metzger finden würden, die sie wie früher einmal in großer Bandbreite anbieten würden, könnte in den heimischen Küchen für Kranke viel Gutes entstehen.

 

Das Schöne an der Organotherapie ist, dass man unabhängig von der Elementelehre oder anderen Arzneien die kranken Organe selbst direkt stärken kann, beispielsweise eben, indem man sich die Leber eines gesunden und jungen Tieres einverleibt und damit nicht nur Mineralien und Vitalstoffe, sondern auf einer energetischen Ebene auch die Lebenserfahrung dieses gesunden Organs aufnimmt und vielleicht auch über einen halb hormonellen, halb genetischen Weg auch etwas von seiner Stärke und Gesundheit erfährt. Das erleichtert die Gesundung und hilft einem, einen neuen Weg zu finden.

Wenn wir nun zum Bild des Gastmahls des Trimalchio zurückkehren, dann sehen wir die raffinierten Köstlichkeiten, die von antiken Köchen zubereitet werden, mit neuen Augen. Das Innere der Tiere, das im Altertum ja schon durch die Eingeweideschau, die populärste Form der Wahrsagerei, höchste Bedeutung in der Medizin hatte, liefert nicht nur Speisen, sondern vor allem Arzneien, mit denen der Wohlstandsmensch der Antike, der römische Bürger, dessen Leben in seinen komplizierten Abläufen sehr stark dem in den Großstädten unserer westlichen Welt ähnelt, medizinische Hilfe erfährt. Das Kochen mit den vier Elementen, das in unserem Breiten heute erst wiederentdeckt wird, war damals schon selbstverständlich, und der Koch automatisch auch Arzt. Der Wohlhabende wird diese Speisen geschätzt haben, denn sie erhielten ihn jung, gesund und dynamisch. Wenn in Biomärkten heute für teures Geld biologisches Wasser, biologisches Gemüse und biologisches Fleisch gekauft wird, dann drücken wir im Grunde genommen eine alte Sehnsucht nach der Fülle aus, die im alten Rom für den Wohlhabenden selbstverständlich war. Eine Form der biologischen Kost, wie wir sie heute in Spuren durch nachhaltige Landwirtschaft und Tierzucht versuchen, ohne wirklich zu wissen, was es denn ist, was wir stattdessen benötigen: Eine fein abgestimmte und auf die Bedürfnisse unseres Körpers eingehende Kost, bei der die Innereien der Tiere als große, heilende Arzneien eingesetzt werden.

Veganer sind nicht humaner

Ich rätsle immer wieder einmal über die Frage nach, warum manche Menschen Veganer werden. Vegan heißt, dass man nur Pflanzen isst. Das ist im Unterschied zum Vegetarier gemeint, der ein Mensch ist, der nur Pflanzen isst. Eigentlich das Gleiche, ist aber nicht so, weil viele Vegetarier Eier essen oder Milch trinken, und sich nicht jeder die Mühe macht, von sich als Lakto-Ovo-Vegetarier zu sprechen im Unterschied zum Fleischesser, dem Carnivoren. Oder eben im Unterschied zum Veganer, der nur Lebewesen isst, die ihm sehr unähnlich sind.

Vegan sein heißt für viele Menschen, den friedlichen Weg der Ernährung gefunden zu haben. Nichts zu essen, das Augen hat, beispielsweise. Nichts zu essen, was laufen kann und dadurch besonders lebendig wirkt. Man spürt ja direkt die Angst eines gejagten Tieres und denkt sich: Das könnte ich sein. Also solidarisiert man sich. Aber so leicht ist die Sache nicht. Eine Pflanze ist auch ein Lebewesen mit einem reichlichen Gefühlsleben, wie neuere Forschungen beweisen. Es schreit auf, wenn man es tötet, und ein ganzer Wald kann davon beben. Dass wir Menschen diesen Schrei nicht hören, tut nichts zur Sache. Andere Pflanzen, vor allem Artverwandte, hören das schon, und sondern Stresshormone ab oder Gifte, die Schädlinge wie den Menschen, der dort mit der Sense zugange ist, möglicherweise abwehren könnten.

Pflanzen zu essen ist genauso gewalttätig, wie ein Tier zu essen. Nein, stimmt nicht. Es ist sogar noch gewalttätiger. Denn alle Tiere essen andere Lebewesen, darunter sehr viele auch andere Tiere. Das heißt, wenn der Mensch beispielsweise Löwenfleisch essen würde, wäre das eine faire Sache. Denn der Löwe würde ihn töten und fressen, also ist es nur gerecht, wenn der Mensch den Löwen tötet und frisst und sich damit ernährt. Es ist das ein Lebensrecht, das auch der Löwe für sich in Anspruch nimmt, wenn er einen Menschen sieht und gerade Hunger hat. Wer sich also human ernähren möchte, sollte sich ausschließlich von Raubtieren ernähren, und das von solchen, die er eigenhändig unter fairen Bedingungen erlegt hat. Das wäre eine glatte, befriedigende Sache, und man müsste sich nicht mehr dafür schämen, dass man Hunger hat und ihn so befriedigt, wie wir das gemeinhin tun: Nämlich, indem wir von den Gewalttaten anderer profitieren und deren Beute verspeisen.

Vor kurzem hat es mir auch den Magen umgedreht. Wir hatten gerade in einem Gasthaus leckeres Lamm gegessen und gehen spazieren und stoßen auf eine große Schafherde mit kleinen Lämmlein, die wirklich süß sind. Da kommt der Hirte mit seiner Frau und den Hunden daher, alles vierschrötige Erscheinungen, und nimmt einem Schaf nach dem anderen das Lamm weg, schlägt es auf den Kopf, bis es schlaff wird und wirft es auf die Ladefläche seines Wagens. Stellt sich heraus, diese Familie beliefert den Gasthof, in dem wir bislang so gerne speisten. No more, wie die Engländer sagen.

Aber der Veganer kann auch ruhig Sojamilch kaufen. Das macht ihn noch lange nicht zum Feingeist. Mangelnde Fairness und nackte Gewalt bedeutet es nämlich, genüsslich am Müsli zu kauen, denn selbst hier wurden Pflanzen entweder ausgebeutet und ihrer Früchte beraubt, oder überhaupt getötet, um Dir, meine Dame, mein Herr, als Nahrung zu dienen. Und das, obwohl diese Pflanzen friedliche Wesen sind, die dem Menschen nie ein Haar krümmen würden. Trotzdem sät der Mensch in dieser Idylle Gewalt, tötet gedankenlos und brutal Abertausende von Lebewesen, nur um sich aus deren Körnern ein Brot zu backen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich überzeugter Fleischfresser bin, aber es spricht auch vom medizinischen Standpunkt einiges dafür, dass Fleisch als Nahrung bekömmlicher ist als sagen wir Broccoli. Es soll niemanden verwundern, dass diese Pflanze elende Blähungen verursacht. Sie tut es, weil sie dem Menschen als Lebewesen so unähnlich ist, dass er Mühe hat, aus ihren Bestandteilen seinen eigenen Körper zu erhalten. Oder sagen wir, es ist das hämische Grinsen des Schwächeren, der seinem Schlächter zumindest Bauchschmerzen verursachen möchte als eine Art postume Rache. Anders steht es mit Schwein. Relativ gut verträglich. Denn: Der Mensch ist genetisch fast mit ihm identisch, sodass man sagen könnte, die beste Ernährung für den Menschen wäre er selbst. Es lebe also der Kannibalismus! Aber dieser Gedanke ist so schrecklich, dass ich vielleicht doch lieber vorschlagen möchte, uns fortan von Lichtnahrung zu ernähren, die uns die Sonne großzügig schenkt, ohne dabei etwas zurückzufordern. Dieses Geschenk können wir allerdings nur dann nutzen, wenn wir nicht Veganer werden, sondern Vegetabilien, nämlich Pflanzen, und damit den zerstörerischen Kreis unserer Lebensbedingungen durchbrechen.

Schüßler-Salze für die Schilddrüse

Die Schilddrüse ist nicht nur die größte Hormondrüse des Körpers, sondern eines unserer wichtigsten Organe überhaupt, denn sie steuert unsere Gefühle, sie gibt uns Kraft und erlaubt uns dadurch überhaupt erst, aktiv am Leben teilzunehmen. Die konventionelle Medizin beschränkt sich bei Schilddrüsenproblemen darauf, entweder zu operieren oder die Schilddrüse durch Gabe von L-Thyroxin ersetzen zu wollen. Beides mag bei manchen Krankheitsbildern angezeigt sein. Die meisten Menschen aber leiden entweder an einer Hashimoto-Thyreoiditis, einer Entzündung der Schilddrüse mit der Gefahr der Selbstzerstörung, oder an gutartigen Schilddrüsenknoten – Krankheitsbilder, die von sanfteren Methoden oft weit stärker profitieren, was nicht nur zur Erhaltung des Organs, sondern auch zur Wiederherstellung seiner Leistungsfähigkeit führt. Eine gesunde Schilddrüse erlaubt uns, uns in unseren ganzen Fähigkeiten und Anlagen zu entfalten und ein reichhaltiges emotionales Leben zu führen.

Auf dem Weg zu einer heilenden Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten sind Schüßler-Salze ungemein wertvoll. Sie helfen dem Immunsystem, eine Entzündung rascher zu überwinden. Sie weichen harte Strukturen auf und erlauben so die Rückbildung harter Knoten. Sie verbessern den Jodstoffwechsel und helfen den Drüsenzellen bei der Hormonbildung. Sie greifen stabilisierend in unseren Gefühlshaushalt ein und können so die Wirkung der Schilddrüsenhormone unterstützen. Der nächste Schritt einer Heilbehandlung der Schilddrüse ist die Anwendung von Heilpflanzen und heilenden Essenzen auf der Halshaut direkt über der Schilddrüse, wodurch günstige Wirkungen auf Entzündungsprozesse und Knoten genommen werden können (siehe Kasten).

Der erste Schritt der Schüßler-Therapie ist die Gabe von Nr. 15 Kalium jodatum D6. Man nimmt 5 Tabletten täglich über den Tag verteilt über sechs Wochen. Dadurch wird der Jodstoffwechsel aktiviert, was sich günstig auf viele Knotenbildungen auswirkt und außerdem eine geordnete Abgabe von Schilddrüsenhormon in das Blut erreicht. Das kann sich günstig auf Überfunktions- wie auch Unterfunktionsbeschwerden auswirken, da die Leistung der Schilddrüsenzellen harmonisiert und optimiert wird.

Bei Hashimoto-Thyreoiditis gibt es zwei Stadien. Im Akutstadium leiden Sie an Überfunktionsbeschwerden wie Angst, Herzklopfen, Schwitzen, Schwäche. Im Spätstadium rutschen Sie in die Unterfunktion und sind dann müde, schlapp, und teilnahmslos. In beiden Fällen ist es sinnvoll, die Anfangskur mit der Nr. 15 zu machen. Außerdem gibt man im ersten Stadium Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12, Nr. 8 Natrium chloratum D6 und Nr. 12 Calcium sulfuricum D6, um die Entzündung zu lindern und den Wasserhaushalt zu stützen. Im Spätstadium finden sich hingegen schon Vernarbungen, Verhärtungen und Knotenbildungen, die den Schilddrüsenzellen „die Luft abschnüren“. Hier gibt man Nr. 15 Kalium jodatum D6 (um den Jodstoffwechsel dauerhaft im Lot zu halten), Nr. 1 Calcium fluoratum D12 (um harte Strukturen aufzuweichen) und Nr. 11 Silicea D12 (ein probates Mittel bei chronischen Entzündungen). Diese Mischung ist auch geeignet für harte Schilddrüsenknoten, die wohl durch Jodmangel entstanden sind. Sie hilft, die harten Strukturen der Schilddrüse (und der Seele) wieder aufzuweichen und sollte bei harten Knoten mindestens 3 Monate lang angewandt werden.

Bei den dramatischen Erkrankungen der Schilddrüse, dem Krebs, dem Morbus Basedow und dem autonomen Adenom, hat die Schüßler-Therapie nur begleitende Funktion. Hier sind Schilddrüsenblocker bei Überfunktion und die Operation und Bestrahlung vorrangig. Bei Überfunktion der Schilddrüse sollte man auch die jodhaltigen Schüßler-Arzneien Nr. 15 Kalium jodatum D6 und Nr. 24 Arsenicum jodatum D6 vermeiden, da bei Jodempfindlichkeit durch diese Arzneien eher noch eine Verschlimmerung der Beschwerden zu erwarten ist. Hilfreich hingegen sind alle Kalzium-Salze aus dem Kanon: Nr. 1 Calcium fluoratum D12, Nr. 2 Calcium phosphoricum D6, Nr. 12 Calcium sulfuricum D6 und Nr. 22 Calcium carbonicum D6, da Kalzium Sicherheit und Stabilität vermittelt und dabei entkrampfend und beruhigend wirkt. Auch die Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 hat hier unterstützende Wirkung, am Besten in der heißen Anwendung, bei der man 10 Tabletten in ein Glas heißen Wassers gibt.

Etwa ein Drittel der Deutschen haben Schilddrüsenknoten verschiedener Ausprägung. Manche sind dunkel, weil sie vor allem aus Flüssigkeit bestehen, andere können sogar verkalkt sein, weshalb man von Schilddrüsensteinen sprechen muss. Häufig ergibt sich ein buntes Bild von hellen und dunklen Knoten, bei denen der Arzt überprüfen muss, ob auch einmal ein bösartiger Knoten dahinter steckt. Über 90 Prozent der Betroffenen haben aber an sich harmlose Knoten, die auch nie bösartig werden, weshalb eine Operation nur dann sinnvoll ist, wenn sich Knoten rasch vergrößern und dann auf die Luftröhre drücken. Bei einem solchen Mischbild empfehle ich folgende Schüßler-Kur:

Nr. 1 Calcium fluoratum D12 (um harte Knoten aufzuweichen)

Nr. 8 Natrium chloratum D6 (weil dieses Salz Knoten auflösen kann, die durch Gram und Bitterkeit entstehen)

Nr. 12 Calcium sulfuricum D6 (weil es Sicherheit gibt und Entzündungen stoppt)

Nr. 15 Kalium jodatum D6 (weil es den Jodstoffwechsel optimiert).

 

 

Weitere Einsatzgebiete der 12 Schüßler-Basissalze bei Schilddrüsenkrankheiten:

 

Nr. 1 Calcium fluoratum D12: Gegen harte Knoten und Narben nach Entzündungen der Schilddrüse

Nr. 2 Calcium phosphoricum D6: Bei Morbus Basedow und autonomem Adenom

Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12: Bei jeder Form der Schilddrüsenentzündung und bei Krebs, um den Sauerstoffhaushalt zu verbessern und das Immunsystem zu aktivieren

Nr. 4 Kalium chloratum D6: Bei Schwellungen der Schilddrüse durch Entzündungen wie Hashimoto und Basedow

Nr. 5 Kalium phosphoricum D6: Bei nervlicher Erschöpfung im Rahmen von Überfunktionen

Nr. 6 Kalium sulfuricum D6: Als Leberstärkung bei entzündlichen Erkrankungen

Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6: Als Entspannungssalz bei Überfunktion

Nr. 8 Natrium chloratum D6: Bei Entzündungen und Knoten, da es homöopathisch gegen Kummer und Gram angeht, Gefühle, die sich oft in die Schilddrüse eingraben

Nr. 9 Natrium phosphoricum D6: Bei Jugendlichen mit Schilddrüsenproblemen

Nr. 10 Natrium sulfuricum D6: Bei Bluthochdruck im Rahmen einer Überfunktion

Nr. 11 Silicea D12: Bei Entzündungen und Verhärtungen der Schilddrüse, vor allem, wenn diese schon seit vielen Jahren bestehen

Nr. 12 Calcium sulfuricum D6: Ein weiterer Entzündungshemmer, der außerdem bei Überfunktion seelische Stabilität erreichen kann und bei Hashimoto und Basedow häufig zum Einsatz kommt

 

Weiterführende Literatur von Berndt Rieger:

Die Schilddrüse. Balance für Körper und Seele (Herbig Verlag)

Hashimoto und Basedow. Schilddrüsenkrankheiten ganzheitlich behandeln und heilen (Herbig Verlag)

Schilddrüsenknoten. Warum sie entstehen – wie man sie heilen kann (Createspace)

 

Die Schilddrüsenmassage

 

Die Schilddrüse liegt vorn am Hals unter dem Kehlkopf direkt unter der Haut und kann deshalb durch Lokalanwendungen erreicht werden. Öle von Heilpflanzen werden einmal täglich über 10 Minuten einmassiert – schonend bei Entzündungen, mit Druck bei harten Knoten, um diese aufzuweichen. Bei Hashimoto nehmen Sie Sanddornöl, bei harten Knoten Aprikosenöl und bei Morbus Basedow und autonomen Adenomen Nachtkerzenöl.

Noch schonender sind Wickel. Bei Schilddrüsenentzündung machen Sie Quarkwickel. Ein Esslöffel Quark direkt aus dem Kühlschrank abends auf die Schilddrüse gelegt, Plastikfolie darüber, um ein Austrocknen zu verhindern, mit einem Halstuch festgebunden und über Nacht belassen. Harte Knoten sprechen besser auf Gelee Royal an, das in gleicher Weise über Nacht aufgestrichen und abgedeckt wird. Ein Bienenwachswickel nachts auf der Schilddrüse erzielt ähnliche Wirkung.

 Weiterführende Literatur von Berndt Rieger:

Die Schilddrüsenmassage. Heilende Techniken bei Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenknoten 

 

Hashimoto differenziert sehen

Seit dem Verkaufserfolg meines Buchs “Die Schilddrüse” hat sich meine Arztpraxis als Schilddrüsenzentrum etabliert. Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet strömen nach Bamberg, um sich hier eine differenzierte Meinung zur Schilddrüse abzuholen. Sie fühlen sich von den behandelnden Ärzten oft nicht verstanden. Ich kann das gut nachvolllziehen. Vor einem Jahr stand ich vor einem Saal voller Kollegen, die vornehmlich die Schilddrüse behandelten und fühlte mich bald sehr isoliert. Es gibt in der Fachwelt keinen Respekt vor diesem Organ. Wenn es sich in geringster Weise verändert, wird es chirurgisch entfernt, oder zumindest mit der Gabe von Schilddrüsenhormon ausgeschaltet. 4 Millionen Deutsche schlucken L-Thyroxin! Und viele Tausend werden operiert und verlieren dabei die ganze Schilddrüse, oft aus nichtigsten Gründen! Ein ziemlicher Skandal!

Nach meiner Erfahrung ist die Schilddrüse eines der wichtigsten Organe überhaupt. Sie ist anderen Hormondrüsen übergeordnet, steuert sie mit. Und weil sie eine so zentrale Rolle beim Thema Kraft, Ich-Gefühl, Energie, Wohlbefinden spielt, ist es von zentraler Wichtigkeit, dieses Organ zu erhalten. Denn nur eine lebendige Schilddrüse kann sich dem Bedarf anpassen, den der Körper hat, und ihn so warm und feucht machen, wie er es braucht, und jeder Zelle das Maß an Aktivität vermitteln, das für Stoffwechsel, Empfindungen und vieles andere mehr notwendig ist.

Viele Krankheiten hängen mit einer fehlerhaften Schilddrüsenfunktion zusammen und würden erst gar nicht auftreten oder bald wieder verschwinden, wenn man die Schilddrüse so vital und ungeschoren ließe, wie sie es verdient. Leider stopft die Nahrungsmittelindustrie Gifte in unser Essen, die die Schilddrüse lähmen. Leider ist auch die Umweltverschmutzung besonders mit Schwermetallen eine üble Sache, die unsere Schilddrüse wieder und wieder korrigieren muss. Wenn man sieht, wie widerstandsfähig dieses Organ ist und zugleich wie schwingungsfähig es gegenüber Anpassungen bleibt, kann man es nur bewundern.

Kommen wir nun zur wichtigsten Entzündung der Schilddrüse, dem Morbus Hashimoto. Derzeit Modekrankheit Nummer 1. Einerseits zu Recht. Fast jeder 10. Deutsche hat Antikörper gegen Schilddrüsengewebe. Antikörper, die eine Hashimoto-Entzündung hervorrufen können. Andererseits ist eine schon im Ultraschall sichtbare Entzündung des Organs mit Schwellung, Dunkelwerden einzelner Abschnitte, und dem Aufbrechen von Organstrukturen schon viel seltener. Vielleicht sieht man so etwas bei jedem 200. bis 300. – so meine Schätzung. Und ein völliges sich Auflösen der Schilddrüse bei Hashimoto ist sehr selten. Vielleicht kommt das in einem von tausend Fällen vor, wo Antikörper vorliegen.

Wenn ich also von differenzierter Betrachtung der Krankheit rede, dann ist es mir wichtig, einerseits das Problem der Ärzte zu sehen, die eine Hashimoto ohnehin als unheilbar einstufen und die Patienten mit L-Thyroxin abspeisen, das nicht selten zu Überfunktionserscheinungen wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit, Durchfall, Ängste u.s.w. führt. Eigentlich sollte man ja das Schilddrüsenhormon erst geben, wenn die Schilddrüse schwach geworden ist und das TSH (der Messfühler des Körpers, der eine Unterfunktion anzeigt) immer weiter ansteigt. Daran hält sich leider fast kein Arzt. Manche TSH-Faschisten bestehen darauf, dass jeder Patient in TSH von 1,0 hat und wundern sich dann, wenn sie lauter unglückliche Patienten haben, die falsch eingestellt sind. Denn die Normwerte vom TSH sind nicht entstanden, weil man eines Tages erkannte, dass jeder gesunde Mensch ein TSH von 1,0 hat. Sondern man untersuchte mehrere hunderte Gesunde, und davon hatten manche 0,5 TSH und andere 2,5 und selten auch welche 4 – und alle waren GESUND!!! Deshalb kann der “richtige” TSH-Wert nur selten 1,0 sein, sondern “richtig” wird er erst, wenn sich der Mensch mit seinem TSH-Wert wohl fühlt. Da ist es in den meisten Fällen dann relativ nebensächlich, wie hoch dieser dann ausfällt.

Und unangenehm ist außerdem,  wie häufig eine Hashimoto operiert wird. Prinzipiell besteht dazu kein Anlass, denn im schlimmsten Fall löst sich das Organ ohnehin von selbst auf. Und sonst wird es nicht schaden. Da es aber sehr selten bösartige Tumore in dieser Entzündung gibt, wird jeder ein bisschen auffällige Knoten gleich zum Anlass für ein chirurgisches Eingreifen. Eine tragische Sache, wenn man bedenkt, dass Entzündungsschübe auch ein knotiges Bild abgeben können und in den meisten Fällen dann bei der OP ohnehin kein Tumor gefunden wird. Aber wenn das Organ mal weg ist, lohnt es sich nicht mehr, darüber zu reden. Und leider kann man es dann auch nicht mehr behandeln.

Ich halte viel von der Naturheilkunde und bin immer wieder verblüfft, wie stark Knoten in der Schilddrüse schrumpfen oder sich auflösen können. Oder wie eine Autoimmunerkrankung wie die Hashimoto-Thyreoiditis völlig zur Ruhe kommen kann, die Antikörperspiegel in den Keller sinken und das Ultraschallbild wieder das einer normalen Schilddrüse wird. Und wie die Menschen, die unter dieser Fehlfunktion gelitten haben, wieder kraftvoll und freudig im Leben stehen. Ich halte die Hashimoto also durchaus für heilbar und kann schon in meiner eigenen Praxis mehrere hunderte Fälle für diese Behauptung anführen. Es macht mir große Freude, diese Menschen zu behandeln und ich bin immer wieder positiv überrascht, wie sich Menschen, die depressiv verstimmt oder schwach waren, sich bei so einer Heilung wie aus einer Verpuppung befreien und ein strahlender Schmetterling werden.

Ungeachtet dieser Worte möchte ich aber auch Menschen, die Autoantikörper haben und die Diagnose Hashimoto gestellt bekommen haben, sich nicht in diese emotional hineinfallen zu lassen und dabei die Chance auf Heilung von Krankheitsbildern zu gefährden, die mit der Hashimoto gar nichts zu tun haben. Sehr häufig kommen nämlich Menschen zu mir, die ihre Beschwerden auf eine Hashimoto zurückführen und die Untersuchung zeigt dann, dass sie vielleicht diese Entzündung in kleinen Spuren haben, das Problem aber ganz wo anders liegt. Das ist die Problematik, wenn ich mitunter gegen “Hashis” anschreibe, die in Internetforen Symptome zerpflücken, sich dabei auch manchmal gegenseitig eine Stütze sind. Und doch – vermute ich zumindest – sind sie hier oft auf dem falschen Weg. Denn Hashi ist nicht gleich Hashi. Wir haben die Extremform eines Menschen, der sehr hohe Antikörperspiegel hat und viele Beschwerden und auch im Ultraschallbild eine Auflösungstendenz der Schilddrüse zeigt. Hier sind alle geisten, seelischen und körperlichen Beschwerden mit hoher Wahrscheinlich Ausdruck der Erkrankung. Sehr oft aber gibt es Menschen mit sehr geringer Antikörpertätigkeit und einer im Ultraschall normalen Schilddrüse, die an Ängsten leiden, oder Fehlfunktionen von Organen, die depressiv sind oder sich schwach fühlen – und dabei eine ganz andere Krankheit haben, die dafür verantwortlich ist. Und die dann mitunter einen Weg beschreiten, der über viele Jahre geht, in denen sie krank sind und nicht wirklich leben und sich damit zufrieden geben, eben eine Hashi zu haben und unheilbar zu sein und das ist eben so.

Hashimoto differenziert sehen ist eine Anforderung an die Ärzte, die eine gute Diagnostik machen müssen, gut beraten, und in Bezug auf ihre Heilmittel breit aufgestellt. Nach meiner Erfahrung reagiert die Schilddrüse oft blendend auf sanfte Arzneien wie Schüßler-Sale und Homöopathie, weshalb man hier ganz ohne ideologische Scheuklappen herangehen sollte. Aber auch Heilpflanzen, Aromatherapie bis hin zu Pharmazeutika können in Frage kommen nebst Energiearbeit, psychologische Heilverfahren, Kälte- und Wärmeanwendungen und vieles mehr.

Hashimoto differenziert sehen heißt aber auch, als Patient die eigenen Beschwerden kritisch zu hinterfragen, und der Hashimoto nur das “zuzuschieben”, wofür sie auch verantwortlich ist. Das bedeutet das auch, offen für weitere Untersuchungen oder Erfahrungen zu bleiben. Und es bedeutet, auf die Eigenverantwortung nicht zu vergessen, die man für sein Leben hat. Man muss es oft gestalten und dabei Widerstände überwinden, damit man sich wieder besser und stärker fühlen kann. Wird aber die Krankheit zur Entschuldigung dafür, sein Leben nicht mehr gestalten zu wollen oder zu können, wird man der Schilddrüse nicht gerecht. Denn sie ist ein verdammt zähes Organ, das immer wieder über Lösungsmöglichkeiten “nachdenkt” und oft auch noch im schwer kranken Zustand bereit ist, einem über Lebenskrisen hinwegzuhelfen.

Das Burnout-Syndrom

Buchankündigung:

 

Dr. med. Berndt Rieger: Das Burnout-Syndrom

Ganzheitliche Behandlungsstrategien bei seelischer Erschöpfung

 

(Erhältlich auf Amazon.com, Amazon.de und ebooks-rieger.de)

 

In diesem Buch geht es um einen Zustand, den wir mit Worten schwer beschreiben können. Einen Zustand des Ausgebranntseins, der Schwäche und Fühllosigkeit. Man fühlt sich schwer krank und depressiv. Man hat das Gefühl, nun zu wissen, wie das ist, alt zu sein. Man erkennt seine Sterblichkeit.

 

In der alten Medizin nannte man diesen Zustand den der „Vererdung“. Das kühle, trockene Element Erde ergreift Besitz von uns. Es löscht die Lebensgeister (die dem jugendlichen Element der Luft entsprechen) und erinnert uns an das Wort: Staub bist du und zu Staub wirst du zurückkehren, nämlich Erde werden. Wir kommen aus der Erde, vermischen uns mit Wasser und Luft und Feuer, die beweglichen Elemente, die uns Leben schenken, und scheiden diese alle im Laufe des Lebens wieder aus und das, was wir vor unserer Geburt waren: Sandkörner in einer Wüste von Sand.

„Ausgebrannt“ sein heißt also, das was uns feucht und warm gemacht hat, zu verlieren. Medizinisch gesprochen sind das unsere Hormone. Sie befeuchten den Körper, machen ihn jung. Wer sich erschöpft, entzieht dem Körper die Kraft, sich zu verjüngen. Er tut das, indem er lichterloh brennt, wie eine Kerze auf beiden Seiten. Ihr Feuer vertreibt den Schlaf (der uns mit dem Element Wasser erfüllt) und die Lebenslust (die Fülle der in uns kreisenden Hormone), und letztendlich verlöscht das Feuer, das unsere Tatkraft und unsere Leidenschaft ausgemacht hat, plötzlich, von einem Tag auf den anderen und hinterlässt eine Wüste, in der wir uns karg und leblos fühlen. Das ist das Burnout-Syndrom, von dem in diesem Buch die Rede sein soll.

Die Frage, die wir uns zur Analyse unserer Schwäche stellen müssen, lautet: Warum brannten wir? Was war unser Ziel? Sind wir durch diesen intensiveren Leistungsschub auch am Ziel angekommen und dadurch vielleicht gar nicht „ausgebrannt“, sondern einfach nur „erschöpft“? Schöner ist ja dieses Wort „Erschöpfung“ für so einen Zustand der Ruhe nach vollbrachter Tat. Es setzt einen Schöpfer heraus, der müde geworden ist und zufrieden auf seine Leistung zurückblickt. So ähnlich steht es ja in der Bibel nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Neuen, wo Jesus seinen bevorstehenden Tod mit den Worten „Es ist vollbracht!“ kommentiert. Getrieben war auch er zu einer Lebensleistung, wie schon sein Vater, der Schöpfergott, der seine Existenz in die berufliche (als er die Welt schuf) und den Ruhestand (alles Nachfolgende) einteilte. Dieses Denken in den Kategorien eines „Lebenswerks“ ist den meisten Menschen eigen, so lange sie streben. Wir kennen das von Künstlern, die mitunter Opus-Zahlen anlegen, mit denen sich die Lebensleistung beziffern lässt. Aber auch von Firmengründern, die daran arbeiten, ihren Kindern etwas vererben zu können. „Opus“ und „Erbe“, also Hinterlassenschaften, sind für viele Frauen die Kinder und Kindeskinder. Doch es gibt auch besondere Formen der Lebensleistung, die oft nur über kleinere Zeitabschnitte erbracht werden. Hier ist der Marathonläufer ein gutes Beispiel. Die Griechen hatten bei Marathon die Perser besiegt, ein unglaubliches Ereignis, an das man in der Hauptstadt Athen nicht mehr zu hoffen gewagt hatte. Ein Läufer wurde beauftragt, um den Sieg zu verkünden und damit neue Hoffnung in die Heimat zu bringen. Er erfüllte diesen Auftrag so schnell wie möglich, wagte es nicht, abzusetzen, und rief: „Freut euch, wir haben gesiegt!“ bevor er tot zusammenbrach. Erschöpft auch er, ausgebrannt durch die übergroße Anstrengung innerhalb weniger Stunden.

Diese Geschichte ist zu gut, um wahr zu sein. Eigentlich hat sie sich so zugetragen, dass im Krieg gegen die Perser von Athen der Läufer Pheidippides nach Sparta geschickt wurde, um dort um Truppenunterstützung zu bitten. Er starb kurz nach der Ankunft, und der Geschichtsschreiber Herodot berichtete darüber. Dass später Plutarch und Lukian daraus eine Legende gebildet haben, die zweitausend Jahre später noch Millionen Menschen fasziniert und in der anhaltenden und weltweiten Abhaltung von Marathonläufen resultiert, zeigt, dass sie unser Inneres an einer entscheidenden Stelle berührt. Wir alle werden geboren und leben. Doch das Gefühl, dass sich das Leben lohnt, beziehen wir aus einem Auftrag, den wir erhalten zu haben glauben. Entweder vom Schöpfer oder vom Zufall, oder aus unseren natürlich Anlagen heraus. Ein Vorbild, mitunter aber auch die Verhältnisse „inspirieren“uns dazu, einen bestimmten Lebensweg einzuschlagen, der auf ein Ziel hin führt. Wir beginnen für diese Aufgabe zu brennen und steuern auf sie zu, und das so lange, bis noch Benzin im Tank ist. Oder bis wir ankommen.

Wenn man die harmonische Mischung der vier Elemente der Natur im Körper als Basis der Gesundheit akzeptiert – diese These bildet die Grundlage der Galenschen Säftelehre, der Traditionellen Chinesischen Medizin und des Ayurveda – dann führt unser Leben aus dem Zustand des Wassers in der Höhle der Gebärmutter hinaus in die Luft der Welt, wo eine Inspiration (Einblasung, Einatmung) auf uns wartet und in das Zeitalter der Luft trägt, in dem wir uns das Lebensziel setzen. Wir uns das schützende, feuchte Biotop der Kindheit entzogen, werden wir zum Landbewohner, der unter der heißen Sonne des Lebens die Erwachsenenrolle spielen muss. Er tritt in das Zeitalter des Feuers ein, in dem Entschlusskraft und Leidenschaft gefordert ist. In diesem Lebensabschnitt wird die Lebensleistung in der Regel erbracht. Manche werden damit schneller fertig, weil sie sich keine zu großen Ziele gesetzt haben. Andere haben sich von Vornherein ein Ziel gesteckt, das prinzipiell unerreichbar ist, eine Utopie, ein Ideal, das wie eine Fata Morgana in der Wüste vor ihnen her tanzt, und sie weiter und höher hinaus führt als andere. Das sind die Menschen, die ein Burnout-Syndrom erleiden. Sie verbrennen in der unbarmherzigen Sonne des Lebens deshalb, weil sie sich zu weit vorwagen in Gebiete, in denen der Zusammenbruch eigentlich vorherzusehen ist. Weil sie sich ein Lebensziel auserkoren haben, das von ihnen realistischerweise nicht erreicht werden kann. Oft aufgrund von Erwartungen der Eltern oder des Partners. Oder auch aufgrund von Kindheitserlebnissen, die ihnen Kampfgeist eingehaucht haben, es höher und weiter bringen zu wollen als andere.

Dass uns ein Burn-Out durch die Erschöpfung aller Reserven schwächt und depressiv macht, ist das eine. Das andere ist aber noch schlimmer: Das Gefühl, versagt zu haben. Es ruft eine ganz eigene, tiefe Verstimmung an sich hervor, die uns auf dem Weg zurück zur Kraft zusätzlich lähmen kann. Die Behandlung eines Burnout-Syndroms ist also nicht nur eine „Aufbaukur“, deren Ziel es ist, unsere Hormone wieder zum Fließen zu kriegen, sondern auch eine, die unseren Geist und unsere Seele aufrichtet. Wir können uns unser Versagen nur verzeihen, wenn wir verstehen, dass die Ziele, die wir uns gesteckt haben, unpassend waren, und deshalb auch nie erreicht werden sollten. Damit unsere Gefühle wieder aufleben können und die Kraft in unsere Glieder zurückkehren kann, müssen wir uns neue, persönliche Ziele suchen, die sich zu erreichen lohnt, und die auch wie von selbst erreicht werden können, weil sie zu unserem Inneren passen, und für uns natürlich sind wie alles andere, mit dem wir geboren wurden: Unser Körper, unser Geist, unsere Seele.

Wir wollen in diesem Buch Möglichkeiten erforschen, das geistig-seelische Ausgebranntsein sanft zu behandeln, bevor wir überhaupt das Vollbild dieses Krankheitsbildes erreichen. Wir wollen umsteuern lernen, und unsere Seele pflegen. Denn die Verschönerungsarbeit und Reparatur macht mehr Spaß als die Aufbauarbeit. Wir werden dabei ausschließlich mit unserem Zentralnervensystem arbeiten, das nach neuen Erkenntnissen etwas größer ausfällt als wir das auf den ersten Blick hin vermuten würden. Natürlich ist das Gehirn das zentrale Organ unseres Denkens und Erlebens. Doch es stellt nur die Hälfte der Gleichung dar. Eigentlich ist es nur das „Kopfhirn“, dem ein „Bauchhirn“ von gleicher Kraft und Bedeutung zur Seite steht. Die Nervengeflechte des „Bauchhirns“, das für einen Großteil unserer Emotionen zuständig ist, bilden zusammengenommen etwa die gleiche Masse und Zellzahl des Kopfhirns, das Yin zum Yang des Schädels. Wie unsere Lebenserfahrung zeigt, ist es wichtig, beides gut zusammenarbeiten zu lassen. Und genauso wie ein „schwaches“ Kopfhirn Fehlentscheidungen bei „Bauchgefühlen“ zur Folge hat, wird ein „schwaches“ Bauchhirn auch das beste Kopfhirn dazu veranlassen, aus einer trockenen Analysetätigkeit heraus das wahre Leben zu verpassen.

Eine Überanstrengung des Zentralnervensystems kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden und ganz verschiedene Mechanismen in Gang setzen. Wo man hier mit Arzneien einsetzen und heilen kann, werden wir in den einzelnen Abschnitten dieses Buchs erfahren. Alle „energetischen“ Arzneien von Bachblüten und Homöopathie bis hin zu Berührung, Klang und Störfeldtherapie, sollen uns auf diesem Weg willkommen sein, aber auch klassisch „schulmedizinische“ Lösungsansätze mit dem Einsatz von Psychopharmaka, bei dem die Sanftheit der Medizin in der Art und Weise zutage tritt, wie sie angewandt werden, und in ihrer Dosierung, die dem individuellen Menschen angepasst werden muss und nicht nach dem Kochrezept des Beipackzettels erfolgen darf.

Zu den „Arzneien“ gehört auch eine geistige und seelische Entwicklung hin zu neuen Zielen und Aufgaben. Denn nur ein neues Leben kann auf der Asche des früheren Lebens entstehen.

Zu der Betrachtung des Zentralnervensystems gehören auch die Erkenntnisse der asiatischen Medizin mit ihren Chakren und Meridianen, während wir aus der westlichen Denkweise vor allem die naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf das Zusammenspiel der Hormone in Betracht ziehen werden. Die Notwendigkeit, hier das Abendland und das Morgenland zu verbinden, ergibt sich aus der hochentwickelten „energetischen“ Betrachtungsweise Asiens wie auch aus den naturwissenschaftlich detaillierten Erkenntnissen Europas, deren Verbindung vor allem eines beweist: Dass es viele Wege zu einer einzigen Wahrheit gibt.

Wer aus dem tiefen Tal der Erschöpfung heraus will, muss sich ein Rüstzeug für diese Wanderung zurecht legen. Dieses und auch die Nährmittel, die Sie für den Weg zu einem gesteigerten Bewusstsein, Gesundheit und Kraft brauchen, werden Sie in diesem Buch kennen und anwenden lernen.

 

 

Quantenheilung und Hexenmedizin

Derzeit schwappt eine Welle von Heilern und Heilungswilligen durch die Alternativszene, die alten dort tätigen Naturheilkundlern das Grauen lehren. War es bislang so, dass man eine Ausbildung durchlaufen, Kenntnisse erwerben und mitunter auch Zertifikate vorweisen musste, ist jede Form der intellektuellen Wissensaneignung in Bezug auf das Heilen obsolet. Wer denkt, dass er es kann, kann es auch. Wer fühlt, dass er Heilkräfte in sich hat, kann über sie bereits verfügen.

Es ist natürlich möglich, dass diese Einstellung in manchen Fällen einen schweren Schaden hervorrufen kann, weil damit Krankheiten unbehandelt bleiben, für die es klare und schöne Lösungen gibt. Allerdings kann man Menschen, die über die “Quanten” heilen, indem sie die “Matrix” wieder in Ordnung bringen, auch positiv als zeitgenössische Repräsentanten des Hexenkults sehen, der früher in unseren Breiten vorgeherrscht hat. Wenn heute über traditionelle europäische Medizin gesprochen wird, gibt es ja vor allem deshalb keine klare Übereinstimmung, was mit diesem Begriff gemeint ist, weil zwei sehr widersprüchliche Kulturen einander gegenüberstehen. Einerseits ist da die “kultivierte” römisch-griechische Heiltradition der Elementelehre, die vergleichbar mit der TCM, dem Ayurveda, der tibetischen Medizin, der Heilkunst des nahen Ostens, der nordamerikanischen Ureinwohner etc.  ein System des Heilens präsentiert. Hier stehen wissenschaftliche Intentionen im Vordergrund. Man will die Welt verstehen und aus diesem Verständnis heraus Heilmittel anwenden. Andererseits ist da die “wilde” Heiltradition der Medizinmänner, die je nach Stamm und Region verschieden aussehen kann. Hier gibt es keinen Versuch des Gedanken- und Erfahrungsaustauschs, sondern es wird eine Geheimlehre behauptet, die sich nicht schlüssig erklären lässt und die deshalb auch nicht weiter gerechtfertigt werden muss. Entweder man glaubt daran oder nicht. Darüber gesprochen wird nur insoweit, als man damit hoffen kann, das Gegenüber einzuschüchtern, und an seinen eigenen Gedanken und Gefühlen zweifeln zu lassen. Diese Hexentradition mündet dann auch bei der medizinischen Anwendung in Rezepten, die sich im Grunde genommen auf Berührung und Beschwörung reduzieren. Es ist das nicht die ausdifferenzierte Heilpflanzenkenntnis von Kräuterfrauen oder “weisen” Frauen, die ein Leben lang im Wald verbracht und dabei die Pflanzen als hilfreiche Lebewesen kennen gelernt haben, sondern der Mutwille einzelner Frauen, sich mit gesellschaftlichen Gegebenheiten abzufinden, eine stille Revolution, die sich in der Gründung eines eigenen Stamms, einer Sippe manifestiert, in denen die Hexe oder der Magier oder der “Medizinmann” das Sagen hat. So lange die anderen an ihn oder sie glauben, bestimmen sie das Gesetz. Wird dieses Gesetz gebrochen, drohen Bestrafung oder Verstoß. Glaubt ein Großteil der Menschen im Stamm nicht mehr an das Gesetz, löst er sich auf.

So oder so ähnlich muss man sich die Wellen vorstellen, die durch die Esoterikszene gehen, sie erfassen und durchdringen und sie dann wieder graduell verlassen. Was hier durchgeht von einem zum anderen, sind nie die Heilmethoden, denen man Ewigkeit attestieren darf, sondern immer Magie, Zauber und Beschwörung. Derzeit ist es meist eine Frau mittleren Alters, eher menopausal, die anderen “erleuchtet” erscheint und irgendwo einen Kurs gemacht hat, der allerdings nicht als Kurs oder bloßer Aufenthalt dargestellt wird, sondern als Erweckungserlebnis, bevorzugt an den Inspirationsquellen dieser Erde. Die sprudeln derzeit in Hawaii, ein fernes vulkanisches Land mitten im Meer, vergleichbar mit mythologischen Endpunkten wie Atlantis. Egal, dass man heute viel billiger als noch vor Jahren dorthin fliegen kann, und dort genauso übergewichtige Amerikaner in bunten Kleidern erleben kann wie anderswo. Diese werden ausgeblendet, weil auf Hawaii ja Ureinwohner leben, edle Indianer, die im Einklang mit der Natur leben und heilen und weise sind – all das, was man als Hintergrundbedingungen braucht, um an die Kräfte der Erde anschließen zu können. Dort lernt man, die Matrix der Menschen – eine Art energetisches Grundgerüst – mit klassischen Hexenbeschwörungsmethoden von Krankheiten zu befreien, streicht dabei über den Körper, über die Aura, murmelt, singt oder denkt auch nur Formeln, mit denen Götter angerufen werden oder auch nur das Himmlische in einem selbst. Und siehe da: Oft funktioniert es. Wer sich die Hexenkraft zugesteht, staunt anfänglich darüber, dass andere Menschen sie wahrnehmen, davon beeinflusst werden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Die Suggestibilität des Menschen ist groß. Die Quantenmediziner wissen das, weshalb sie von physikalischen Vorgängen im Körper berichten, die zweifellos stimmen – beispielsweise, dass wir fast nur aus elektromagnetischer Energie, und fast gar nicht aus Materie bestehen. Oder dass man bei Elektronen nie so recht weiß, wo sie sind und allein durch die Beobachtung schon die Lage eines Elektrons beeinflussen kann. Magische Dinge, die sich im Kleinsten des Kleinen abspielen – zumindest wenn man den Physikern glauben darf. Doch wie kommen Menschen auf die Idee, dass man diese Verhältnisse medizinisch nutzen kann? Sie kommen darauf aus einem Gefühl heraus, dass es möglich wäre. Hier muss nichts weiter untersucht oder ausprobiert oder was auch immer werden. Hier wird auch nichts darüber hinausgehend erklärt, warum man mit Hokuspokus diese Mechanismen nutzen könnte. Was einem Quantenheiler aber wirklich gelingt, ist, andere Menschen davon zu überzeugen, dass er es tut, den Wunsch des Leidenden nach Heilung in Form eines Placebos aufzunehmen, das gewiss keine Nebenwirkungen hat – außer, der Mann, der sich bei diesen Heilungen immer hinter dem zu Heilenden stellen muss, weil der gerne willenlos umsinkt, fängt einen nicht auf.

Sternsinger und Trick-or-Treaters

Eine interessante europäische Tradition sind Kinder, die zu Beginn eines neuen Jahres bei den Menschen auftauchen, um von ihnen eine Abgabe zu erheben. Die römisch-katholische Kirche tritt hier als Ordnungsmacht auf, die dazu berechtigt ist, Steuern zu erheben. Deren Betrag ist nicht fest wie das später bei der Kirchensteuer der Fall wurde, wo etwa der klassische “Zehnte”, also 10 Prozent verlangt werden, sondern es handelt sich um eine “freiwillige” Abgabe, die sich nach dem guten Ruf bemisst, den der so Erpresste in der Gegend genießt. Je großzügiger er die Boten der Kirche beschenkt, desto beliebter macht er sich wahrscheinlich, zumindest, wenn er mit seiner Spende deutlich über das sonst gespendete durchschnittliche Volumen hinaus geht. Die Steuereintreiber der Kirche sind Kinder verschiedener Altersstufen. Die Kleinen sind in der Überzahl. Sie sind Sklaven im wahren Sinn des Wortes. Sie machen die Arbeit und kriegen dafür nichts. Dann gibt es einen Aufseher in Form eines älteren Kindes, das darauf achtet, dass eingesammelte Geldbeträge in eine Metallbüchse gesteckt werden, für die nur der Kirchenaufseher zuhause den Schlüssel hat. Aufgrund seiner privilegierten Stellung kann der Aufseher schweigen, wenn Lieder gesungen werden. Seine Aufgabe ist es, mit der Kreide über den Türstock Kreuze und die Buchstaben C M und B zu malen, was nicht für Caspar, Melchior und Balthasar steht, sondern für Christus Mansionem Benedicat, Christus segne diese Haus. Gemeint damit ist, dass jemand, dessen Haus dieses Zeichen trägt, von böswilligen Anschlägen und Raubzügen verschont bleiben möge, zumindest sofern es sich bei den Räubern um Christen handeln sollte, die Menschen ihrer Religionszugehörigkeit nicht an Leib und Leben wollen. Ein zweischneidiges Schwert, diese Kreidezeichnung, in Gesellschaften, wo Muslime oder Heiden größere Raubgemeinschaften bilden, denn die wissen dann ja, wen sie am ehesten angreifen sollen. Doch in einer Kultur, wie sie Europa in den letzten Jahrhunderten gepflegt hat, sind die Kreidezeichen taugliche Signale für Pogrome, wo der Pöbel dann weiß, wo die Juden wohnen – und wo eben nicht.

Kinderarbeit, Erpressung, Geldschneiderei, Ausgrenzung anderer Religionszugehöriger – all das kombiniert sich im Fall der römisch-katholischen Kirche mit den theatralischen Elementen, für die diese Glaubensrichtung bekannt geworden ist. Die Kleinen werden ausstaffiert wie kleine Bischöfe mit aufgemalten Schnurrbärten, was sie verwegen wirken lässt, und eher so aussehen wie die drei Musketiere als wie Weise aus dem Morgenland. Früher einmal musste sich ein Kind dafür hergeben, sein Gesicht schwarz anmalen zu lassen. Einer der Könige, so die Vorstellung, war Afrikaner. Heute kann man das offenbar keinem Sternsinger mehr zumuten, mit den Einwohnern dieses Kontinents gedanklich in Verbindung gebracht zu werden, weshalb die heiligen drei Könige zwar bunte Gewänder tragen, aber alle sehr “kaukasisch” aussehen, wie das die Amerikaner nennen.

Apropos. Die heidnische, amerikanische Variante der Sternsinger sind Kinder, die zu Halloween durch die Nachbarschaft ziehen und wie Sternsinger bei den Häusern vorsprechen und Süßigkeiten wollen. Trick or Treat heißt hier die kapitalistische, freihandelszonenmäßige Variante der Sternsinger. Die Kinder ziehen aus eigenem Antrieb los, sind freie Unternehmer. Sie spielen erst gar nicht das elende Täuschungsspiel der Kirche, die Zeremonien und Musik gegen Sachwerte eintauscht selbst wenn die damit konfrontierten Kunden keinen großen Wert darauf legen. Eigentlich singen die Sternsinger immer gleich los, wenn man die Tür aufmacht, also hat man die Ware Gesang schon erhalten und wird automatisch zahlungspflichtig. Der Trick-und-Treater macht das anders. Er verbirgt sich hinter einer Maske wie Zorro, damit man ihn nicht erkennt. So wird er schrecklicher und kann die mafiöse Drohung glaubhaft machen, dass er im Fall einer Nichtbezahlung einfach eine Scheibe einschlägt oder einem gar das Haus über dem Kopf anzündet. Diese Erpressung ist unmittelbarer, ehrlicher und entspringt in gewisser Hinsicht aus der Wurzel eines “nackten” Kapitalismus, während die Sternsinger von der Last der Tradition niedergedrückt werden, und selbst machtlos bleiben, bloße Marionetten einer fernen Firmenzentrale in Rom sind, die mit dem Geld, das sie so aus harmlosen Bürgern herauspressen, wahrscheinlich viel Gutes und Wohltätiges vollbringen.

Dr. med. Berndt Rieger